DFB-Elf: Ungeil gegen Gibraltar

Bundestrainer Löw vermisst „die Geilheit, ein Tor machen zu wollen“ – und erwartet in der Quali gegen den Außenseiter ein Offensiv-Spektakel.
| Patrick Strasser
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Nicht weltmeisterwürdig: die Nationalspieler nach der 1:2-Niederlage gegen die USA.
dpa Nicht weltmeisterwürdig: die Nationalspieler nach der 1:2-Niederlage gegen die USA.

Köln - Die Selfie-Könige der DFB-Auswahl, bis Sonntag Teilzeiturlauber, hatten diesmal keinen Anlass für einen Schnappschuss. Auch wenn das Spiel in Köln den Eindruck eines Spaß-Kicks vermittelte – zumindest von deutscher Seite aus. Die US-Boys, die sich auf den Gold-Cup (das Nord- und Mittelamerika-Turnier, „unsere EM“, so Trainer Jürgen Klinsmann) vorbereiteten, machten ernst, gewannen 2:1 und hatten allen Grund für Gaudi-Fotos. Noch auf dem Platz stellte sich das Trainerteam der USA, inklusive eines Österreichers, für ein Foto zusammen: Andy Herzog, der Ex-Bayer, grinste. Ein guter Assistent kommt eben nach dem Chefcoach. Klinsmann winkte wie einst Otto Rehhagel einfach allen Zuschauern zu, ganz besonders zwinkernd seiner Frau Debbie und den Kids Jonathan (18) und Leila (13), die das Freundschaftsspiel auf der Vip-Tribüne in Trainingsanzügen des US-Verbandes verfolgt hatten. Happy Family in Germany.

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Und Jogi Löw? Musste nach dem dritten Vergleich mit seinem Sommermärchen-Onkel der WM 2006 zum zweiten Mal gratulieren. Nach der abschließenden Pressekonferenz fiel man sich nochmal in die Arme, Löw begrüßte die Klinsmanns. Dann ging jeder seiner Wege. Am späten Nachmittag flog die DFB-Auswahl knapp drei Stunden von Köln nach Faro an die Algarve zum letzten Match der Saison. Passenderweise in Portugals Urlaubsparadies geht es am Samstag (20.45 Uhr, RTL) gegen Fußball-Zwerg Gibraltar – und um Punkte für die EM-Qualifikation. Ein letztes Mal gilt es, für die Weltmeister und die restlichen Nationalspieler, sich zusammenzureißen. Vom Flip-Flop- in den Wettkampfmodus.

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Die Urlaubsunterbrecher des DFB müssen nochmal ran, der in Köln geschonte Verteidiger Jérôme Boateng wird dabei sein und die wacklige Abwehr (Antonio Rüdiger ist ein Kandidat für die Bank) stabilisieren. „Die Abwehr war nicht eingespielt“, sagte Löw, fügte jedoch hinzu: „Das Problem war nicht die Abwehr. Wir haben leichtfertig Bälle verloren, und es war alles offen. Das haben die USA ausgenutzt.“ Benedikt Höwedes, Mats Hummels und Holger Badstuber fehlten verletzt, Philipp Lahm und Per Mertesacker sind zurückgetreten. Doch das dürfte gegen Gibraltar wirklich nicht von Belang sein.

Es geht um die Offensive, den Heißhunger auf Tore. „In manchen Spielen fehlt mir bei manchen Spielern so ein bisschen diese Geilheit, ein Tor machen zu wollen“, sagte Löw, „das war auch schon vor der WM mal ein Thema. Wir haben es dann immer wieder geschafft, aber es ist schon noch ein Thema. Die Chancenauswertung ist wahnsinnig wichtig.“ Auch Kapitän Bastian Schweinsteiger bemängelte: „An der Entschlossenheit im letzten Drittel müssen wir arbeiten im Hinblick auf die Spiele gegen Polen sowie in Schottland und Irland im Herbst.“ Im „heißen Herbst“, wie Teammanager Oliver Bierhoff bemerkte, wenn es um die Fahrkarte zur EM 2016 in Frankreich geht. „Da müssen wir die Kurve kriegen und wieder unsere Dominanz auf den Platz kriegen“, forderte Bierhoff. Vorher soll es am Samstag in Faro ein Offensivspektakel geben. Ex-Mittelstürmer Bierhoff: „Wir müssen auch auf das Torverhältnis gehen. Wir haben nichts zu verschenken.“ Schweinsteiger blieb da relaxter: „Es muss nicht zweistellig sein.“ Im November hatte es im Hinspiel lediglich ein 4:0 gegeben.

Gegen Gibraltar wird wieder Mario Götze, assistiert vom starken Neuling Patrick Herrmann (Borussia Mönchengladbach), einen „falschen Neuner“ in der Sturmmitte geben. Der Bayern-Star, der unter Bayern-Coach Pep Guardiola im Frühjahr in ein Leistungsloch gefallen, wurde von Löw explizit gelobt: „Für mich ist er wahnsinnig wichtig, denn Mario macht Dinge, die sind unberechenbar. Und er kann Dinge, die andere nicht beherrschen.“ Bei Selfies macht Götze jedenfalls keiner was vor.

Ab Sonntag ist dann aber endlich Urlaub angesagt, für die bayerischen Nationalspieler bis zum 11. Juli.

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