Der Sorgen-Trainer: Joachim Löw lässt nur wenig Selbstkritik erkennen

Vor dem Länderspiel-Dreierpack hat Joachim Löw viele Probleme zu lösen. Doch er bleibt positiv: "Man spürt eine große Energie. Die jungen Spieler sind es wert, dass man ihnen das Vertrauen schenkt."
| Maximilian Koch
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Bundestrainer Joachim Löw steht vor großen Herausforderungen.
Bundestrainer Joachim Löw steht vor großen Herausforderungen. © Federico Gambarini/dpa

Leipzig - Ob er die "dunkle Wolke", die Oliver Bierhoff angesichts der immer größer werdenden Kritik an der Nationalmannschaft ausgemacht hat, auch mit Sorge betrachte? Joachim Löw schmunzelte, schaute kurz vor sich auf das Pult des Pressepodiums - und ging dann zum Angriff über. Ja, man habe in den vergangenen Jahren durchaus "Fehler" gemacht, zu denen man auch stehe. Und ja, die Stimmung in der Öffentlichkeit sei vielleicht nicht so gut wie in den glorreichen Zeiten, so der Bundestrainer.

Doch viel mehr war an Selbstkritik nicht zu vernehmen bei Löw, er blickt weiter optimistisch in die Zukunft - obwohl die Probleme derzeit offensichtlich sind. "Man spürt eine große Energie", sagte der Sorgen-Trainer, der kein Sorgen-Trainer sein will: "Die jungen Spieler sind es absolut wert, dass man ihnen das Vertrauen schenkt. Sie werden das irgendwann zurückzahlen." Aber wann?

EM im Sommer 2021 als Ziel

Im Sommer 2021 steht die EM an, und derzeit zählt Löws Teams nicht zu den Favoriten. Während formstarke Weltmeister wie Thomas Müller, Jérôme Boateng oder Mats Hummels nicht mehr nominiert werden, zeigt die Nachfolger-Generation keine konstanten Leistungen. Sie gewinnt nur noch selten. Und der DFB hat zudem durch Skandale und überhebliches Auftreten in den vergangenen Jahren für eine Entfremdung gesorgt. Immer weniger Zuschauer schalten bei den Länderspielen ein.

Löw und Bierhoff ringen nun darum, den jungen Spielern, die in den meisten Fällen allerdings schon über viel Erfahrung verfügen, weitere Chancen zu geben. Die erste kommt im heutigen Testspiel gegen Tschechien (20.45 Uhr/RTL). "Es ist eine unglaubliche Motivation zu spüren, ein unglaublicher Wille und eine große Freude", sagte Löw. "Ich weiß, dass es ein schwieriger und steiniger Weg ist, auf dem man Widerstände überwinden muss." Die schwankenden Leistungen zuletzt seien aus seiner Sicht "normal".

Voller Terminkalender für den DFB

Die Corona-Pandemie die damit einhergehende Terminhatz mache es ihm und seiner Mannschaft nicht leicht, klagte Löw. "Der Terminkalender ist zu voll. Vieles wird auf dem Rücken der Spieler ausgetragen", kritisierte Löw, der beim ersten Training am Montag gerade einmal mit acht (!) Profis arbeiten konnte: "Wenn wir Trainer jetzt nicht die höchste Vorsicht walten lassen, haben wir nächstes Jahr ein großes Problem."

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Schwere Verletzungen wie die von Mittelfeld-Star Joshua Kimmich seien auch eine Folge dessen, "die Spieler werden ständig getrieben", so Löw.

So sieht es auch Kapitän Manuel Neuer, der gegen Tschechien genau wie die anderen Bayern-Stars sowie Toni Kroos, Timo Werner und Matthias Ginter geschont wird: "So eine Saison hat es noch nie gegeben und wird es hoffentlich auch nie wieder geben."  Löw muss die Belastungen steuern, deswegen dürfen sich gegen Tschechien Profis aus der zweiten Reihe wie Kevin Trapp und Luca Waldschmidt beweisen. Für die abschließenden National-League-Gruppenspiele gegen die Ukraine (14. November) und Spanien (17. November/beide 20.45 Uhr, ZDF) greift Löw dann wieder auf sein A-Team zurück. Damit die Sorgen ein bisschen kleiner werden.

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