Das Zahnfleisch-Dilemma: Warum Löw die Uefa angreift

Löw ist nach dem 1:1 gegen Spanien "zufrieden, weil die Ergebnisse in der Nations League nicht das Allerwichtigste sind." Doch der Bundestrainer ärgert sich über den vollen Terminkalender und die Uefa.
| Patrick Strasser
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Bundestrainer Jogi Löw geht mit der Uefa hart ins Gericht.
Bundestrainer Jogi Löw geht mit der Uefa hart ins Gericht. © imago images / Sven Simon

Stuttgart - Dampfig war die Luft im Stuttgarter Talkessel, ein schwül-warmer Spätsommer-Abend, auch ohne die Hitze der Fans in der fast menschenleeren Mercedes-Benz-Arena.

Dennoch trug Joachim Löw zum Nations-League-Spiel seiner Nationalelf gegen Spanien einen schwarzen Rollkragenpulli, wenn auch nicht aus dicker Baumwolle. Aber hey, es ist kalendarisch gesehen Herbst, also zeigt Löw den Jogi-Style. Ein Bild, das man öfter sehen wird in den nächsten zweieinhalb Monaten.

Sind ja noch sieben Länderspiele bis Mitte November.

Der spätmöglichste Ausgleich für die Iberer, durch José Gaya in der sechsten Minute der Nachspielzeit, war laut Debütant Robin Gosens, der jenseits der Torlinie liegend das Abseits aufhob, ein "Eier-Tor", aber kein Grund zur Trauer. Dennoch ein kleiner Schock für die DFB-Auswahl, die damit weiter auf den ersten Pflichtspielerfolg gegen die Spanier seit der EM 1988 warten muss.

"Ergebnisse in der Nations League sind nicht das Allerwichtigste für mich"

Enttäuschung ja, Tristesse nein, nach der ansprechenden Leistung. Ist ja nur Nations League, dieser so halb ernst genommene seit 2018 erstmals ausgetragene Wettbewerb der Uefa. "Ich hatte der Mannschaft schon zuvor gesagt: Die Ergebnisse in der Nations League sind nicht das Allerwichtigste für mich", sagte Löw und fügte milde an: "Ich kann zufrieden sein. Die Mannschaft hat so noch nie zusammengespielt und hat es gut gemacht. Man muss in so einer Phase jedoch Abstriche machen. Die Spieler haben alles gegeben, was zu diesem Zeitpunkt der Saison möglich ist und gefightet bis zum Schluss."

Auf den durch die Terminverschiebungen straffen Kalender angesprochen, ging Löw für seine Verhältnisse regelrecht aus dem Sattel. Die Überlastung seiner Spieler ist für ihn ein rotes Tuch. Im Duell der beiden Ex-Weltmeister hätte man am Ende sehen können, "dass die Spieler auf dem Zahnfleisch gelaufen" seien, so der 60-Jährige, der sich beklagte, dass, anders als etwa in der Bundesliga festgelegt, der Verband Uefa die Möglichkeit von fünf statt drei Wechseln pro Team verweigerte.

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"Gerade jetzt hätte es Sinn gemacht. Wenn nicht jetzt, wann dann? Die Spieler kommen aus dem Urlaub oder direkt aus der Vorbereitung. Es stehen Hammer-Wochen an, die Spieler brauchen aber auch mal Verschnaufpausen. Sonst passieren Muskelverletzungen. Die Gesundheit der Spieler steht über allem. Da bin ich extrem sensibel und empfindsam."

Löw schlägt Alarm, weil sein großes Ziel EM 2021 lautet. Ruhe? Erholung? Kaum möglich für Nationalspieler, die mit ihren Vereinen in europäischen Wettbewerben vertreten sind.

"Das muss nicht sein, das finde ich wenig sinnvoll"

In einer Saison ohne Winterpause, in der hierzulande bis zum 23. Dezember und wieder ab dem 2. Januar gespielt wird. Belastungssteuerung und Rotation werden zu den wichtigsten Maßnahmen aller Trainer. Dass der DFB, um entgangene Einnahmen nach den gestrichenen März- und Juni-Länderspielen zu kompensieren, für den Nationalelf-Block im Oktober und November zu den beiden Nations-League-Pflichtspielen je einen Freundschaftskick hinzugefügt hat, ist für Löw nur schwer zu verdauen. "Das muss nicht sein, das finde ich wenig sinnvoll", sagte er.

Sinnvolles Training wird nicht möglich sein, das Einspielen einer Stammformation wird sich auf die zwei, drei Vorbereitungswochen unmittelbar vor der EM im Juni/Juli beschränken. Auch Karl-Heinz Rummenigge warnte vor den Strapazen. "Wir dürfen bei aller Euphorie nicht vergessen, dass wir vor einer Saison stehen, die so viel Stress wie nie zuvor für die Spieler bedeutet. Die Pause bis zum Auftakt ist kurz, es gibt viele Englische Wochen, und zum Abschluss steht die EM an", mahnte der Vorstandsboss im Vereinsmagazin: "Wir müssen in Zusammenarbeit mit den Verbänden dafür sorgen, dass die Spieler am Ende nicht auf dem Zahnfleisch daherkommen." Kommende Woche starten die Bayern nur 14 Tagen nach dem Champions-League-Triumph in die Vorbereitung. Mit bis zu 25 Pflichtspielen bis Weihnachten. . .

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