Favorit für WM 2018: Belgien soll gewinnen, sagt Ex-Bayern-Torhüter Pfaff

Im WM-Gespräch erklärt Ex-Bayern-Torhüter Pfaff die Stärke des Geheimfavoriten und das schwache Auftreten der deutschen Elf: "Es haben die Anführer gefehlt, da war kein Breitner und kein Matthäus."
| Maximilian Koch
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Jean-Marie Pfaff: Der 64-Jährige wurde mit Belgien 1986 WM-Vierter. Er hütete von 1982 bis ‘88 das Tor des FC Bayern.
dpa Jean-Marie Pfaff: Der 64-Jährige wurde mit Belgien 1986 WM-Vierter. Er hütete von 1982 bis ‘88 das Tor des FC Bayern.

Im WM-Gespräch erklärt Ex-Bayern-Torhüter Jean-Marie Pfaff (64) die Stärke des Geheimfavoriten und das schwache Auftreten der deutschen Elf: "Es haben die Anführer gefehlt, da war kein Breitner und kein Matthäus."

AZ: Herr Pfaff, das belgische Team hat mit drei Siegen in drei WM-Spielen bislang eine perfekte Bilanz vorzuweisen. Ist der ewige Geheimfavorit jetzt der Topfavorit auf den Titel?
JEAN-MARIE PFAFF:
Wir haben im letzten Gruppenspiel sogar mit der zweiten Mannschaft gegen England gewonnen, das war ein Zeichen. Zwei Topteams, die man aufstellen kann – das ist ja wie beim FC Bayern (lacht). Alles läuft gerade so, wie es laufen sollte. Wir haben eine große Gewinner-Mentalität in unserer Mannschaft. Wenn wir keinen schlechten Tag erwischen, werden wir bis ins Finale kommen. Ich sehe keine Mannschaft, die uns aus dem Turnier nehmen kann. Ja, wir können Weltmeister werden.

Bei vergangenen Turnieren wurde Belgiens Goldene Generation auch immer hoch gehandelt, schied dann aber früh aus.
Wir haben ja keine goldene Generation, wir haben eine brillante Generation! Wir sind auf jeder Position doppelt besetzt – wie der FC Bayern. Der Unterschied zu Turnieren in der Vergangenheit ist: Jetzt haben die Spieler die nötige Erfahrung. Die belgische Mannschaft ist erwachsen geworden, sie ist jetzt reif genug für den WM-Titel. Wir spielen mit Einsatz, Charakter, Ruhe. Und wir haben keine Angst, vor keinem Gegner.

Dann wohl auch nicht vor Japan, dem Achtelfinalgegner an diesem Montag?
Natürlich nicht. Japan ist schwach im Kopfballspiel, generell bei Standards anfällig. Das sollte zu schaffen sein, das gewinnen wir. Wir werden uns nicht überraschen lassen. Und auch vor Brasilien in einem möglichen Viertelfinale muss man sich nicht fürchten. Das ist kein Team wie früher mit Zico, Socrates, Falcao. Brasilien spielt sehr europäisch, weil die meisten Spieler in Europa unter Vertrag stehen. Welcher belgische Spieler hat Sie bislang am meisten überzeugt? Belgien hat viele Topstars in der Mannschaft, wir sind nicht von einem Spieler abhängig. Wir haben Kevin De Bruyne, Eden Hazard, Romelu Lukaku, Thomas Vermaelen und viele mehr. Die spielen alle in Topmannschaften.

Lukaku hat schon viermal getroffen. Was macht ihn so stark?
Lukaku ist ein sehr wichtiger Spieler, weil er vorne nicht nur die Tore macht, sondern auch die Bälle halten kann und sie verteilt. Er spielt sehr klug.

Und im Tor steht mit Thibaut Courtois einer der besten Keeper der Welt.
Courtois ist ein guter Torwart, immer noch jung (26, Anm.d.Red.). Er hatte schon große Erfolge. Wir können uns auf ihn verlassen. Er muss nicht so wie Manuel Neuer als Libero spielen, weil die belgische Abwehr viel besser steht als die deutsche.

Sie sprechen das deutsche Team an. Waren Sie vom Auftreten des Weltmeisters überrascht?
Deutschland hat geschlafen bei der WM. Es haben die Anführer gefehlt, da war kein Beckenbauer, kein Breitner, kein Matthäus auf dem Platz, die diese Mannschaft hätten aufrütteln können. Philipp Lahm hat auch gefehlt. Ich denke, die Nationalmannschaft muss das kämpferische Element wieder mehr einbringen. Das hat Deutschland in der Vergangenheit stark gemacht.

Hat die Gier gefehlt?
Ich habe keine Motivation gespürt in der Mannschaft, dazu gab es das Problem mit Mesut Özil und Ilkay Gündogan in der Erdogan-Affäre, insgesamt viel Unruhe. Der Glaube an den WM-Titel war nicht da, jeder hat seine eigenen Sachen gemacht. Mats Hummels ist als Stürmer im Strafraum aufgetaucht, es gab einfach keine Ordnung. Aber es ist jetzt vorbei, bei Deutschland muss viel geändert werden. Beim Confed Cup haben die jungen Spieler tollen Fußball gezeigt.

Auch Bundestrainer Joachim Löw wird in Frage gestellt.
An Löws Stelle hätte ich schon nach dem WM-Triumph 2014 aufgehört, auf dem Gipfel. Philipp Lahm hat es genau richtig gemacht. Löw muss jetzt in Ruhe überlegen. Man merkt, dass die Spannung und Motivation im Team nachgelassen haben. Die Inspiration hat gefehlt, etwa bei Thomas Müller. Ich habe auch nicht verstanden, warum Löw Mario Gomez mitgenommen hat. Bei der WM 2014 hat er ja noch auf Gomez verzichtet.

Immerhin hat Manuel Neuer nach seiner Verletzung eine ordentliche WM gespielt.
Ich habe nie an Neuer gezweifelt. Man kann ihm nichts vorwerfen, er hat gut gehalten. Ich habe früher auch mal mit Verletzungen gespielt. Es wäre gut, wenn Neuer als Kapitän der deutschen Mannschaft weitermacht. Er ist erst 32 Jahre alt, er kann noch ein paar Jahre spielen.

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