AZ-Prognose: Das ist Löws Streich-Quartett

Der Bundestrainer benennt an diesem Dienstag seinen endgültigen EM-Kader – und muss auf ein Quartett verzichten. „Ich möchte ein gewisses Okay vom Arzt“, sagt Löw. Kimmich bis Can: Die Prognose
| Maximilian Koch
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Jogi Löwe muss sich nun für die Streichkandidaten entscheiden - wer geht baden, wer kommt mit?
dpa/AZ Jogi Löwe muss sich nun für die Streichkandidaten entscheiden - wer geht baden, wer kommt mit?

Da hatten sich die deutschen Spieler in einer 45-minütigen Wasserschlacht gegen die Slowakei erwehrt, wie zu Kindestagen im Matsch gewälzt und in Pfützen gebadet – und dann mussten sie hören, dass alles umsonst war. Nicht nur wegen der 1:3-Niederlage. „Wichtig ist, was in den vergangenen Monaten in den Vereinen war und in den Trainingseinheiten in Ascona, da hatte ich viele Eindrücke“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Und sprach der letzten Partie vor Bekanntgabe seines endgültigen EM-Kaders somit ihre Bedeutung ab.

Bis um 23.59 Uhr an diesem Dienstag muss Löw der Uefa mitteilen, auf welche 23 Spieler er bei der EM setzt. Vier Stars werden noch gestrichen – aber wen erwischt es? Am Montag zog sich Löw mit seinem Trainerteam zurück, um die Härtefälle zu diskutieren. Und er ließ die medizinische Abteilung zu Wort kommen, die mal wieder vor einem Turnier wichtig wird.

„Wir haben noch Spieler, die verletzt waren“, sagte der Bundestrainer mit Blick auf Kapitän Bastian Schweinsteiger, Mats Hummels oder Marco Reus. „Wenn mir unser verantwortlicher Arzt Müller-Wohlfahrt sagt, der Spieler wird die nächsten Wochen nicht belastbar sein, ist klar, dass ich mich danach ein bisschen ausrichte“, sagte Löw: „Da möchte ich schon ein gewisses Okay vom Arzt, dass dies in den nächsten Wochen keine Risiken birgt.“

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Im Fall der etablierten Stars Schweinsteiger, Hummels und Reus ist davon auszugehen, dass Löw sie trotz eines Restrisikos nominiert – und womöglich erst im Lauf des Turniers einsetzt. Wer stattdessen noch aussortiert wird?

Wen streicht Jogi? Die AZ wagt eine Prognose

Sebastian Rudy: 90 Minuten durfte der Außenverteidiger von Hoffenheim gegen die Slowakei auf rechts spielen, er machte das ordentlich – so wie meist. Aber ist ordentlich genug für die EM? Zu seinem Vorgänger Philipp Lahm fehlt Rudy eine Menge: Offensivdrang, Passqualität, Übersicht. Es wird sich zwischen ihm, Joshua Kimmich und Emre Can entscheiden, wer bei der EM den Rechtsverteidiger geben darf. Der Hoffenheimer hat Nachteile in puncto Zweikampfverhalten und Körpersprache.

Tendenz: Rudy wird von Löw gestrichen.

Joshua Kimmich: Ein Debüt mit Licht und Schatten war das für den Bayern-Emporkömmling am Sonntag. Kimmich wurde von den Mitspielern gern und oft angespielt, doch neben der Präsenz des 21-Jährigen fielen auch dessen Konzentrationsfehler auf: Vor dem 1:2 ließ er seinen Gegenspieler genauso entwischen wie vor dem 1:3. Kimmichs Vorteil: Er kann auf verschiedenen Position spielen und mit Druck gut umgehen.

Tendenz: Löw nimmt Kimmich mit.

Julian Draxler: Der Wolfsburger kennt das Gefühl, kurz vor einer EM aus dem Kader zu fliegen: 2012 erwischte es Draxler schon einmal. Und diesmal? Der Weltmeister war gegen die Slowakei äußerst engagiert, er schoss aus der Distanz, war überall zu finden, einzig die Genauigkeit fehlte.

Tendenz: Löw setzt wie bei der WM auf Draxler.

Lesen Sie hier: Nach der Regenschlacht: Wen schmeißt Jogi Löw raus?

Karim Bellarabi: Die letzte Chance zum Vorspielen verpasste der Leverkusener. Wegen einer „leichten Zerrung“, wie Löw erklärte, fehlte Bellarabi gegen die Slowakei. „Das sollte kein größeres Problem sein“, sagte Löw zur Verletzung des schnellen Außenstürmers: „Er dürfte morgen oder übermorgen wieder mit dem Lauftraining anfangen.“ Zu Beginn der EM-Quali hatte Bellarabi stark gespielt, zuletzt sein Niveau aber nicht halten können.

Tendenz: Ganz enge Entscheidung, aber nicht in Frankreich dabei.

Julian Weigl: Die Dortmund-Entdeckung war nach dem 45-minütigen Debüt in der zweiten Halbzeit gegen die Slowakei ehrlich. „Natürlich hätte ich mir ein anderes Debüt vorgestellt, ich hätte gern gewonnen.“ Auf dem nassen und tiefen Platz gelang es dem 20-Jährigen trotzdem, seine Passqualitäten zu zeigen. Löw, der die Reife des Youngsters lobt, hat im Zentrum allerdings etliche Optionen.

Tendenz: Der flexiblere Kimmich erhält den Vorzug vor Weigl.

Leroy Sané: „Bei mir war heute sicher mehr drin, ich habe nicht alles gegeben.“ Ehrliche Worte des umworbenen Schalkers nach dem Länderspiel. Ganz so schlecht hatte Sané aber gar nicht gespielt auf der ungewohnten Position als hängende Spitze. Löw schätzt das Tempo des 20-Jährigen, sein Gefühl für freie Räume, „er hat eine besondere Gabe.“

Tendenz: Sané fährt als idealer Joker mit zur EM.

Julian Brandt: Im Trainingscamp in Ascona soll dem Leverkusen-Profi die Aufregung am deutlichsten anzumerken gewesen sein. Und auch im Slowakei-Test wirkte Brandt nicht frei, verlor einige Bälle leichtfertig. „Alle vier haben eine große Zukunft. Aber sie stehen auch unter einem gewissen Stress, dann klappt manches einfach nicht“, sagte Löw über seine Youngster Kimmich, Weigl, Sané und Brandt.

Tendenz: Brandt muss noch auf sein erstes Turnier warten.

Lesen Sie hier die Stimmen zur Pleite gegen die Slowakei

Emre Can: Löw wollte den Liverpool-Star gegen die Slowakei gar nicht mehr testen – ein Indiz, dass Can ein Ticket erhält. Ähnlich wie bei Kimmich könnte die Vielseitigkeit des Ex-Bayernspielers den Ausschlag für eine Nominierung geben. Can kann sowohl rechts verteidigen als auch vor der Abwehr abräumen.

Tendenz: Can schafft es in den 23er-Kader.

 

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