Andi Brehme im AZ-Interview: "Wir sind reif"

Hier erklärt Andreas Brehme, WM-Held von 1990 und während der EM Kolumnist der AZ, warum das DFB-Team den Titel holt, wieso Schweinsteiger so wichtig ist.
| Florian Bogner
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Hier erklärt Andreas Brehme, WM-Held von 1990 und während der EM Kolumnist der AZ, warum das DFB-Team den Titel holt, wieso Schweinsteiger so wichtig ist – und weshalb Hummels ran muss

AZ: Andreas Brehme, der DFB-Tross ist frisch ins EM-Quartier eingezogen. Aus Ihrer Erfahrung: Wie geht's einem dabei als Spieler?

ANDREAS BREHME:
Man weiß, jetzt geht es richtig los. Da freut sich jeder drauf, denn die Phase davor, die Vorbereitung, ist gefühlsmäßig immer eine Katastrophe. Man hat eine lange Saison hinter sich, ist eigentlich müde. Die Dortmunder sind nach dem Double noch in Feierlaune, die Bayern geknickt, weil sie überall nur Zweiter geworden sind. Da ist der Trainer immens gefordert, um alle auf Linie zu bekommen.

Sie hatten damals einen interessanten Zimmergenossen.

Das stimmt, ich war früher immer mit Lothar Matthäus auf dem Zimmer. Auch vor Heimspielen mit Inter Mailand, wo wir jahrelang gemeinsam gespielt haben. Und Lothar hat immer unheimlich viel telefoniert. Gott sei Dank gab es erst ab den frühen Neunzigern Handys. Davor war die Welt noch in Ordnung! Bei Inter konnte Lothar anfangs nicht die ganze Zeit an der Strippe hängen, da gab es nämlich nur zwei Telefone.

Gab es denn beim DFB besondere Regeln?

Nein, auf gar keinen Fall. Wir haben uns an eine Art Ehrenkodex gehalten. Ansonsten hat man an den spielfreien Tagen viel gemeinsam unternommen, da schlug keiner drüber. Computer oder MP3-Player gab es nicht. Wir haben Karten oder Tischtennis gespielt, Grillabende veranstaltet. Uns ist nicht langweilig geworden.

Lagergeschichten gab es trotzdem immer. Welche Konflikte haben Sie noch im Kopf?

Ach, eigentlich hatten wir nie richtig Theater. Selbst nach der 1:2-Niederlage im EM-Halbfinale in Hamburg gegen Holland 1988, eine echt bittere Pille, sind wir nicht aufeinander los. Die Holländer waren an dem Tag einfach die bessere Mannschaft und am Ende mit dem Tor in der 88. Minute die glücklichere. Das haben wir anerkannt.

Die letzten Testergebnisse der aktuellen DFB-Elf waren ja eher durchwachsen...

Das darf man nicht überbewerten. Bei solchen Spielen ist man immer mit dem Kopf noch ein bisschen woanders. Jetzt geht der Countdown los – was zählt, ist das erste Spiel gegen Portugal. Und bis dahin werden alle fit sein. Was hilft es denn, wenn man die Schweiz und Israel jeweils 5:0 weghaut und dann aber gegen Portugal verliert?

Guter Einwand. Ist die Nationalelf titelreif?

Auf alle Fälle. Wir sind reif, weil unsere Jungs auch richtig gut Fußball spielen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir eine gute EM spielen werden. Wir sind einfach richtig gut besetzt.
Die Dortmunder haben die Meisterschaft geholt, auch Özil und Khedira mit Real. Das gibt zusätzlich Auftrieb. Und die Bayern werden das mit den verpassten Titeln auch abschütteln. Das gibt nochmal eine Extra-Motivation.

Auch wenn er wieder trainiert, bleibt Bastian Schweinsteiger nach seiner Wadenverletzung das Sorgenkind.

Ich hoffe, dass er richtig fit wird. Wir brauchen ihn in einer guten Verfassung. Er ist für mich mit der wichtigste Spieler im Team. Um den Trainingsrückstand mache ich mir keine Gedanken - er hat durch das Pokalfinale und das Champions-League-Endspiel sowieso länger gespielt als die anderen und müsste noch voll im Saft stehen. Kann er nicht von Beginn an spielen, wäre das ein schwerwiegender Ausfall, auch wenn ich Toni Kroos für eine gute Alternative halte.

Lieber Kroos als Götze?

Ich denke nicht, dass Götze diese Position ausfüllen kann. Der ist weiter vorne besser aufgehoben.

Einziges Problemfeld bleibt die Abwehr.

In der Abwehr haben wir gegen die Schweiz nicht allzu gut ausgesehen, das macht mir ein bisschen Kopfschmerzen. Trotzdem würde ich auf Mats Hummels vertrauen, denn der hat wirklich eine super Saison gespielt. Wenn es nach mir ginge, würde ich in der Viererkette Philipp Lahm rechts, Hummels und Holger Badstuber innen und Marcel Schmelzer links spielen lassen. Auch wenn der Test gegen die Schweiz in die Hose ging – die Saison der Dortmunder muss honoriert werden.

Vorne lautet die Gretchenfrage: Miroslav Klose oder Mario Gomez?

Gomez hat bei Bayern viele Tore geschossen, Klose hat in Italien überzeugt. Ich würde mich als Trainer auf die letzten Trainingseindrücke verlassen und danach entscheiden. Gomez hat sicher einen leichten Vorteil, weil Klose zuletzt angeschlagen war.

Auf der linken Seite macht dafür André Schürrle ordentlich Druck auf Lukas Podolski.

Lukas hat sicher einen Bonus, weil er in der Nationalmannschaft immer seine Leistung gebracht hat. André Schürrle hat mich jedoch positiv beeindruckt. Sagen wir es so: Es ist doch schön, dass so ein großer Konkurrenzkampf beim DFB herrscht. Am Ende brauchst du alle Spieler, um Europameister zu werden.
 

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