"Trinchieri ist eine Schau": Hoeneß schwärmt in der AZ vom Bayern-Coach

Ehrenpräsident Uli Hoeneß schwärmt in der AZ von Andrea Trinchieri: "Ich würde alles tun, um ihn zu halten." Doch der Coach der Bayern-Basketballer ist in seinem Stolz gekränkt und lässt die Zukunft offen.
| Julian Buhl
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Andrea Trinchieri ist seit 2020 Trainer der Münchner Basketballer. (Archivbild)
Andrea Trinchieri ist seit 2020 Trainer der Münchner Basketballer. (Archivbild) © imago images / Nordphoto

München - Dass Andrea Trinchieri darum bemüht ist, einen alten Abschnitt hinter sich zu lassen, das ist dem Trainer der Basketballer des FC Bayern förmlich vom Gesicht abzulesen.

Der Italiener trägt nämlich eine neue Designerbrille. Die schlicht schwarze, durch die er während der gesamten bisherigen Saison blickte, hat er in ein dunkelgrünes Modell eingetauscht.

Die neue Glücks-Brille

Die erste neue Bayern-Brille - zu seinen Bamberger Zeiten wechselte er Brillen noch fast wie seine Glückssocken - ist sozusagen ein Mitbringsel von dem Trip nach Mailand, wo die historische Euroleague-Reise seiner Mannschaft vergangene Woche mit dem 2:3 gegen Olimpia im Playoff-Viertelfinale ihr Ende fand.

Trinchieri hatte sich den Aufenthalt in seiner Heimatstadt noch um ein paar Tage verlängert - um die Geschehnisse ein wenig zu verarbeiten.

Der Trainer bewegt sich auf dünnem Eis

So ganz abgehakt hat er das Euroleague-Aus aber noch nicht. "Diese Reise ist vorbei", sagte der FCBB-Chefcoach am Montag im vereinseigenen Podcast, "aber es ist besser, sich auf deren gesamten Weg und nicht bloß auf das Ende zu fokussieren."

Dem Italiener ist bewusst, dass er sich damit "auf dünnem Eis" bewegt: "Ich muss mich zwingen, realistisch zu sein und die Gefühle unterdrücken, dass uns am Ende nur ein Wurf fürs Final Four gefehlt hat." Nichts weniger hätte sein Team in seiner Wahrnehmung schließlich eigentlich auch verdient gehabt.

Den Bayern bleibt nun aber nichts anderes übrig, als in der nächsten Saison einen neuen Versuch zu starten, es ins Finalturnier der europäischen Basketballkönigsklasse zu schaffen. Wenn es nach den Verantwortlichen geht, weiterhin unter der Anleitung von Trinchieri.

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Trinchieris Vertrag endet diese Saison

"Wir möchten mit ihm weiter zusammenarbeiten, keine Frage", hatte Bayern-Präsident Herbert Hainer zuletzt im AZ-Interview gesagt und angekündigt, sich nach der Mailand-Serie mit dem 52-Jährigen zusammensetzen zu wollen. Dessen Arbeitspapier gilt schließlich nur noch bis Saisonende.

Auch Hainers Vorgänger Uli Hoeneß hat Trinchieri als DEN Erfolgsfaktor der Bayern ausgemacht. Zum einen sei zwar "eine sehr starke Mannschaft zusammengestellt" worden, sagte Hoeneß der AZ, "und zweitens ist dieser Trainer natürlich eine Schau. Der hat die Mannschaft richtig nach vorne gebracht."

Er sei schon immer der Meinung gewesen, "dass der auch mal ein Trainer für Bayern sein könnte", erinnerte Hoeneß an Trinchieris bereits in Bamberg äußerst erfolgreiche Arbeit, mit der er die Bayern schier in die Verzweiflung getrieben und damit auch schon sein Bewerbungsschreiben in München abgegeben hatte. "Ich bin froh, dass er jetzt da ist", sagte Hoeneß grinsend.

Trinchieri: hart aber herzlich

Trinchieri habe eine klare Handschrift gezeigt. Er könne sehr hart sein, aber auch sehr herzlich. "Der passt wunderbar zu uns", befand Hoeneß und erteilte gleich noch einen unmissverständlichen Auftrag: "Wenn ich noch die Verantwortung tragen würde, würde ich alles tun, um ihn zu halten. Ich denke, dass unsere Leute das jetzt auch so machen."

Machen sie. Verbal haben Hainer und Geschäftsführer Marko Pesic ihrem Erfolgscoach den Roten Teppich bereits mehrfach ausgerollt. Darüber gegangen ist Trinchieri aber noch nicht. Sein Ja-Wort für eine Vertragsverlängerung beim FC Bayern steht nach wie vor aus.

"Die Wunde heilt nicht"

Auf die Frage, wann er über seine Zukunft entscheiden werde, sagte er gestern: "Ich muss mir meine eigenen Gedanken machen, was mit der BBL passiert ist. Das verletzt mich auf eine persönliche Art und Weise."

Statt ein Bekenntnis zu Bayern abzugeben, drohte Trinchieri der Liga also im Prinzip mit seinem Abschied und sagte: "Ich nehme mir Zeit. Die Wunde heilt nicht."

Damit spielt der offenbar in seinem Stolz getroffene Italiener auf eine aus seiner Sicht unfaire Behandlung durch die Liga an. Trinchieri war von der BBL nach dem Auswärtsspiel in Hamburg zuletzt wegen angeblich unsportlichen Verhaltens mit einer Geldstrafe von 2.000 Euro und einer Sperre von einem Spiel belegt worden.

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Beides wurde nach einem Einspruch der Bayern vom Sportgericht wieder aufgehoben. "Das reicht nicht. Das ist das Minimum", sagte Trinchieri.

Trinchieri erwartet mehr Respekt

Wie bei all seinen Stationen und auch schon in Bamberg sei er auch zu Bayern "mit demselben Ziel gekommen: Ich wollte ein Erbe hinterlassen, das bleibt." Und zwar auf seine Art. "Ich glaube, dass ich dem deutschen Basketball geholfen habe", sagte er, "da kann ich mir zumindest Respekt erwarten."

Bei den Verantwortlichen der Bayern ist ihm der jedenfalls gewiss. Womöglich könnte ein Besuch bei Hoeneß am Tegernsee dabei helfen, die gegenseitige Wertschätzung demnächst dann auch schriftlich zum Ausdruck zu bringen.

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