Verhältnis "im Moment sehr gut": Breitner und Hoeneß zwischen Freundschaft und Zerwürfnis

"Paul weiß: Wenn er mich braucht, bin ich da" – dieser Satz von Uli Hoeneß über Paul Breitner war lange Zeit ob eines Zerwürfnisses undenkbar. AZ-Autor Patrick Strasser, der Breitner seit 25 Jahren kennt, über die Freundschaft zweier Männer, die nicht mit und auch nicht ohne den anderen können.
Patrick Strasser |
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Legendäres Bild: Uli Hoeneß und Paul Breitner werben vor einem Oldtimer in Badehose für einen Herrenausstatter.
Legendäres Bild: Uli Hoeneß und Paul Breitner werben vor einem Oldtimer in Badehose für einen Herrenausstatter. © Imago

Vor fünf Jahren, rund um seinen 70. Geburtstag im September 2021, änderte sich einiges für Paul Breitner. Der Tod von Gerd Müller sowie die Beisetzung im Beisein seiner engsten Freunde und Wegbegleiter in Straßlach ließ seine einstigen Mannschaftskollegen beim FC Bayern und in der deutschen Nationalmannschaft nachdenklich werden. Breitner und Uli Hoeneß.

Einst als jahrelange WG- und Zimmerpartner eng befreundet, im Grunde wie ein "altes Ehepaar" und dann über Jahre zerstritten. Zwischen Funkstille und dem Krach von gegenseitigen Schimpftiraden. Dann kam der tragische Tod von ihrem Gerd, wie sie ihn alle nannten. Nach der schockierenden Diagnose Alzheimer im Jahr 2015 verbrachte der einstige Bomber der Nation seine letzten Jahre im Pflegeheim. Müller erkannte seine früheren Freunde nicht mehr.

Hoeneß und Breitner überwarfen sich gleich zwei Mal

Auch Breitner und Hoeneß erkannten sich eine gewisse Zeit lang nicht mehr wieder – auf andere Art. Nach einem Zerwürfnis 1983 sprachen beide zehn Jahre lang kein Wort miteinander. Nach einer (kurzfristigen) Versöhnung arbeitete Breitner bis 2017 zehn Jahre lang als Markenbotschafter für die Münchner, ehe seine Kritik an der skurrilen wie legendären Pressebeschimpfungskonferenz von Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge 2018 zum erneuten Bruch führte. Im Streit gab Breitner 2018 sogar seine Karten für die Ehrentribüne der Allianz Arena zurück. Das Tischtuch war zerschnitten.

Ein Bild aus freundschaftlichen Zeiten: Uli Hoeneß und Paul Breitner kochen gemeinsam.
Ein Bild aus freundschaftlichen Zeiten: Uli Hoeneß und Paul Breitner kochen gemeinsam. © imago sportfotodienst

Rummenigge, noch so ein ewiger Wegbegleiter, knüpfte die losen Enden wieder aneinander. Der frühere Stürmer brachte die Streithähne, die so manches auseinandergebracht hatte, wieder zusammen. Auf der Trauerfeier für ihren Gerd. Die Vernunft siegte.

Das Verhältnis zwischen Hoeneß und Breitner ist "im Moment sehr gut"

"Paul weiß: Wenn er mich braucht, bin ich da." Das sagt Hoeneß heute – bzw. am Montag in Hamburg und nannte das Verhältnis "im Moment sehr gut." Breitner und Hoeneß – sie konnten, auf und neben dem Platz, nicht ohne einander, dann lange Jahre nicht miteinander. Beide Legenden des deutschen Fußballs, des FC Bayern. Gänzlich unterschiedliche Typen und Charaktere, die sich einst ergänzten und dank gegensätzlicher Meinungen befruchteten, dann entfremdeten. Am Samstag wird Paul Breitner 75, Uli Hoeneß folgt am 5. Januar.

Uli Hoeneß und Paul Breitner verbrachten zu aktiven Zeiten auch abseits des Platzes sehr viel Zeit miteinander.
Uli Hoeneß und Paul Breitner verbrachten zu aktiven Zeiten auch abseits des Platzes sehr viel Zeit miteinander. © imago sportfotodienst

Gemeinsam wurden sie mit dem DFB-Team Europameister 1972, Weltmeister 1974 und gewannen 1974 mit den Bayern den Europapokal der Landesmeister. In jenem Sommer ging Breitner zu Real Madrid, wurde zweimal spanischer Meister. Der Fußballer des Jahres 1981 war ein dynamischer, laufstarker, torgefährlicher Außenverteidiger (links), wechselte ins zentrale Mittelfeld. Bayerns Trainer Vincent Kompany hätte seine Freude an einem so spielintelligenten, polyvalenten und daher flexibel einsetzbaren Spieler. Einem, dessen Meinung konsequent zu vertreten stets wichtiger war als das, was andere über ihn sagten. "Ich habe jederzeit genau das gemacht, was ich machen wollte", sagte Breitner der AZ, "ich bin sehr, sehr zufrieden. Es war alles wunderbar."

Die vier Enkelkinder sorgen für große Freude bei seiner Frau Hilde und ihm. "Wir haben uns kennengelernt, da waren wir 14, 15 Jahre alt. Mit 19 haben wir geheiratet", so Breitner. Kein Auf und Ab wie mit Uli. "Hilde hat sich noch nie für Fußball interessiert", sagt er. Vielleicht klappt's deshalb so gut. Der 55. Hochzeitstag liegt hinter ihnen.

In seinem Wohnort trainierte er von 1986 an beim TSV Brunnthal 14 Jahre lang die Dorfjugend, von der F-Jugend bis zur A-Jugend. Die perfekte Qualifikation für das Amt des Bundestrainers? "Es gibt für mich kein Hätte, Täte, Wäre", erklärte er nun im FCB-Klubmagazin "Säbener 51".

Uli Hoeneß und Paul Breitner bei der Premiere der Serie "Gute Freunde: Der Aufstieg des FC Bayern".
Uli Hoeneß und Paul Breitner bei der Premiere der Serie "Gute Freunde: Der Aufstieg des FC Bayern". © IMAGO/Dave Bedrosian

Breitner: "Ich sollte die Nationalelf als Konkursverwalter übernehmen"

Zur AZ sagte der gerne als Rebell verschriene Breitner über die tollen Tage nach dem Viertelfinal-Aus des DFB-Teams bei der WM 1998 in Frankreich und dem Rücktritt von Berti Vogts: "Ich sollte die Nationalelf als Konkursverwalter übernehmen, als Übergangslösung den Karren aus dem Dreck ziehen – für neun bis zwölf Monate maximal." Daraus wurde nichts. 17 Stunden Bundestrainer über Nacht. Wer kann das schon von sich behaupten?

Breitner besuchte in den 60er-Jahren ein humanistisches Gymnasium in Traunstein, kann Altgriechisch und Latein, sagte: "Ich liebe diese beiden Sprachen nach wie vor." Homer habe er im Original gelesen. Marx und Mao auch.

Was er nicht kann: Einen Nagel in die Wand hauen. Aber eine Torte anschneiden. Alles Gute, Paul!

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