"Wollen erst mal eine Anfallsarmut haben": Was bedeutet der Eberl-Satz für Musialas Comeback?
Die Bilder von Jamal Musiala an der Säbener Straße oder auf der Tribüne der Allianz Arena lassen eigentlich auf Gutes hoffen. Der Offensivstar des FC Bayern hat stets ein Lächeln auf den Lippen, wenn er im Mannschaftstraining wieder den Bällen nachjagt, wenn er sich entspannt mit einem Ordner unterhält oder neben seiner Schwester Latisha aus der eigenen Loge heraus das Spiel verfolgt wie am Freitag beim 5:1 gegen den VfB Stuttgart.

Musiala, der in den Testspielen gegen RB Leipzig und den 1. FC Heidenheim zweimal zusammengebrochen war, sieht glücklich und zufrieden aus, entspannt. Der 23-Jährige strahlt aus: Es geht mir gut! Und das ist das Wichtigste bei der ganzen Geschichte.
Ungewisse Rückkehr von Musiala
Doch natürlich stellt man sich beim FC Bayern auch die Frage, wann und wie Musiala wieder einsetzbar ist. Vor gut zwei Wochen hatte der Nationalspieler öffentlich bekannt gegeben, dass er an Absencen leide, die infolge einer neurologischen Dysfunktion entstehen würden. Der Klub führte die jüngsten Zwischenfälle auf eine Umstellung der Medikation bei Musiala zurück. Im Kader stand Bayerns Zehner seit der Partie in Heidenheim nicht mehr. Ob sich das in naher Zukunft ändert?

Kompanys behutsamer Plan mit dem Star
Musiala sei "vielleicht" eine Option für das Ligaspiel bei Aufsteiger FC Schalke 04 am Samstag (18.30 Uhr/Sky). "Aber ich möchte dem Jungen nicht mehr Druck machen, als er jetzt schon hat", sagte Trainer Vincent Kompany nun am Rande des Pokalspiels beim VfL Osnabrück: "Es geht ihm gut, es geht ihm besser. Wenn es so weiterläuft, wird es nicht mehr lange dauern. Das hoffen wir natürlich."
Bislang haben die Neuzugänge Nathaniel Brown und Ismael Saibari Musiala gut vertreten, auch Lennart Karl ist wieder fit. Bald kehrt zudem Serge Gnabry zurück.

Eberl über medizinische Vorsicht und DFB-Rolle
Aber klar: Auf die speziellen Momente des bayerischen Topverdieners wollen die Münchner nicht verzichten, Musiala soll in den großen Spielen den Unterschied ausmachen. Dafür muss er körperlich und mental auf Topniveau sein. Und das könnte womöglich Zeit beanspruchen.
"Nach den beiden Vorfällen auf dem Platz wollen wir erst mal für eine gewisse Zeit eine Anfallsarmut haben", sagte Sportvorstand Max Eberl. "Dass es ganz vergeht, ist der Wunsch. Wenn die da ist, wird er bald auch wieder auf dem Platz stehen. Die Ärzte geben da ihr Go, Jamal gibt sein Go. Und wenn er wieder auf dem Platz steht, wird er für Deutschland eine große Rolle spielen."

Saibaris Aufstieg bei der WM
Ganz sicher, das hat Bundestrainer Jürgen Klopp bereits angekündigt. Zunächst aber muss Musiala bei Bayern wieder in Tritt kommen. Und so lange stehen andere Spieler wie Saibari im Fokus. Den Transfer des Marokkaners für rund 50 Millionen Euro von der PSV Eindhoven hatten die Münchner schon vor der WM nahezu perfekt gemacht. Ein cleverer Schachzug – denn Saibari spielte bei dem Turnier groß auf.
"Wir sind sehr, sehr froh, dass es vor dem Brasilien-Spiel schon durch war", sagte Eberl. Im WM-Gruppenspiel gegen die Seleção agierte Saibari überragend und erzielte einen Treffer.

Von Wunschspieler Gordon zu Saibari
Übrigens: Eigentlich war Saibari gar nicht erste Wahl bei der Suche nach einem neuen Offensivspieler. "Wir haben es erst bei Anthony Gordon versucht. Das war uns irgendwann zu teuer", verriet Eberl. Der Engländer entschied sich für einen Wechsel von Newcastle United zum FC Barcelona, als Ablöse waren 80 Millionen Euro fällig.
"Dann hatten wir mit Ismael einen Top-Kandidaten, bei dem wir gesagt haben, er ist ein bisschen anders als Gordon. Nicht nur für die Außenbahnen, sondern er kann vier Positionen vorne spielen", ergänzte Eberl. "Dann hatten wir das Gefühl, das kann richtig gut passen."
Zumal Saibari jetzt auch als Musiala-Vertreter von großer Bedeutung ist.

