WM-Aus für Schlotterbeck: So ändert sich das Spiel der DFB-Elf

Nach dem Ausfall von Nico Schlotterbeck verändert sich Abwehrzentrale der DFB-Elf. Wegen Antonio Rüdiger muss Jonathan Tah wie im Klub seine Position wechseln.
von  Patrick Strasser
Nico Schlotterbeck verletzte sich am Samstag im zweiten WM-Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste.
Nico Schlotterbeck verletzte sich am Samstag im zweiten WM-Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste. © IMAGO/Bahho Kara (www.imago-images.de)

Die deutsche Nationalmannschaft muss bereits den zweiten Ausfall nach Lennart Karl beklagen. Der Jungstar des FC Bayern hatte sich kurz vor dem letzten Testspiel des DFB-Teams in Chicago gegen die USA (2:1) einen Muskelbündelriss im Oberschenkel zugezogen. Für den 18-jährigen Rechtsaußen wurde Offensivspieler Assan Ouédraogo nachnominiert.

Diesmal kann Bundestrainer Julian Nagelsmann keinen Spieler anrufen und ins WM-Camp nach Winston-Salem bitten, weil die WM im vollen Gange ist. Umso bitterer, dass mit Nico Schlotterbeck nun ein absoluter Stammspieler für den Rest des Turniers verletzt ausfällt. Der 26-Jährige verletzte sich am Samstag im zweiten WM-Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste (2:1) während der ersten Halbzeit, hielt bis zur Pause durch – musste dann ausgewechselt werden.

Schlotterbeck bleibt vorerst im Teamquartier der DFB-Elf

Erst am Montagmittag gab der DFB die genaue Diagnose bekannt. Schlotterbeck erlitt eine Innenbandverletzung im linken Sprunggelenk und wird mehrere Monate ausfallen. 

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 "Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau. Es hätte seine WM werden können. Wir haben gestern alle versucht, ihn aufzubauen – zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt. Es ist ein schönes Zeichen, dass er zunächst hier im Mannschaftskreis bleibt, denn er hat auch neben dem Platz Einfluss", wird Nagelsmann in einer Pressemitteilung des DFB zitiert.

Schlotterbecks Innenbandverletzung: So trifft das DFB-Team der Ausfall bei der WM

Wie bitter für Schlotterbeck, der sich einen Stammplatz erkämpft und Antonio Rüdiger im Verbund mit seinem Nebenmann im Abwehrzentrum, Jonathan Tah vom FC Bayern, verdrängt hatte. Somit endet für den Dortmunder seine zweite WM sogar noch während der Vorrunde. 2022 in Katar war für die gesamte Mannschaft nach der Gruppenphase Schluss. Schlotterbeck kam lediglich bei der 1:2-Pleite zum Auftakt gegen Japan über die volle Spielzeit zum Einsatz. 

Nico Schlotterbeck während der WM 2022 in Katar.
Nico Schlotterbeck während der WM 2022 in Katar. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON (www.imago-images.de)

Dabei war er einer der Hauptschuldigen des Siegtreffers durch Takuma Asano kurz vor Schluss. Bundestrainer Hansi Flick nahm den traurigen Schlotterbeck aus der Startelf, brachte für ihn BVB-Verteidiger Niklas Süle.

Nachdem ein echter Stammspieler für den Rest des Turniers verletzungsbedingt ausfällt, muss sich auch Jonathan Tah neu orientieren.
Nachdem ein echter Stammspieler für den Rest des Turniers verletzungsbedingt ausfällt, muss sich auch Jonathan Tah neu orientieren. © IMAGO/DeFodi.de (www.imago-images.de)

Nun kann Schlotterbeck wenigstes hoffen, dass seine Mitspieler auch ohne ihn möglichst weit kommen. Wie sehr er der Defensive fehlt, hatte Nagelsmann bereits im Frühjahr nichtsahnend beschrieben: "Schlotti ist aktuell unser einziger Linksfuß, und wir hatten schon Riesenprobleme in der Spieleröffnung, wenn er nicht gespielt hat. Er ist ein unfassbar wichtiger Spieler. Trotzdem müssen wir uns darauf vorbereiten, was passiert, wenn er mal nicht spielen kann." So kommt's nun.

Der Geläuterte fügt sich: "Ich muss für alle Szenarien bereit sein"

Des einen Leid, des anderen Freud'. Denn nun schlägt – unverhofft kommt oft – die Stunde des alten Platzhirschen, der wieder ins Rampenlicht rückt: Antonio Rüdiger. Der Verteidiger dessen Vertrag bei Real Madrid kürzlich um ein weiteres Jahr bis 2027 verlängert wurde, hatte sich tadellos in seine Rolle als Ersatzmann und Herausforderer gefügt. Was ihn im Kreise der Nationalelf hoch angerechnet wird. "Jeder hat seine Zeit, jetzt ist deren Zeit – es sei den Jungs gegönnt. Ich kann nur unterstützen", sagte der Vize-Kapitän letzte Woche im DFB-Teamquartier in Winston-Salem.

Antonio Rüdiger im Spiel gegen die Elfenbeinküste.
Antonio Rüdiger im Spiel gegen die Elfenbeinküste. © IMAGO/Bahho Kara (www.imago-images.de)

Der Geläuterte fügte sich – nun muss er plötzlich, wie schon nach seiner Einwechslung gegen die Elfenbeinküste wieder liefern und auf den Punkt da sein. "Ich muss für alle Szenarien bereit sein – und das war ich", sagte Rüdiger nach der Partie. Dabei fehlt dem 33-Jährigen Spielpraxis und Rhythmus. Das letzte Spiel über 90 Minuten bestritt er mit Real am 17. Mai beim FC Sevilla (1:0). Nach mehreren Wochen auf der Bank im Klub wie in der Nationalelf kam er beim WM-Auftakt gegen Curacao erst in der 73. Minute ins Spiel.

Im dritten Gruppenspiel am Donnerstag in New Jersey gegen Ecuador (22 Uhr, ARD und MagentaTV) ist Rüdiger neben Tah also gesetzt, damit das neue, alte Duo wieder Spielpraxis sammeln kann. Wobei Tah dabei die Seite wechseln muss. Neben Linksfuß Schlotterbeck hatte er stets rechts im Abwehrzentrum gespielt – mit Rüdiger rückt Tah auf links. Eine Umstellung für den 30-Jährigen – beim DFB ist er nun ein Linker. Diese Rolle jedoch kennt er vom FC Bayern. Dort spielt der Franzose Dayot Upamecano auf der rechten Innenverteidigerseite.

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