Wigald Boning im AZ-Interview: "Es ist Zeit für einen Werder-Sieg"

Bremen-Fan Wigald Boning spricht im AZ-Interview über den Saisonauftakt gegen den FC Bayern, seine Leidenschaft für Grün-Weiß – und erklärt, warum er gern in der Allianz Arena zelten würde.
| Maximilian Koch
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Komiker mit grün-weißer Fanliebe: Wigald Boning ist Anhänger des SV Werder Bremen.
dpa Komiker mit grün-weißer Fanliebe: Wigald Boning ist Anhänger des SV Werder Bremen.

München - Der Komiker ("Die Doofen") und Moderator (49) Wigald Boning lebt in München. Seit seiner Kindheit ist er jedoch Fan von Werder Bremen. Vor dem Eröffnungsspiel der neuen Bundesligasaison zwischen dem FC Bayern und seinem SVW (20.30 Uhr, ARD, Sky und im AZ-Liveticker) hat der 49-Jährige mit der Abendzeitung über seine grün-weiße Leidenschaft gesprochen.

AZ: Herr Boning, Sie sind seit Kindestagen Anhänger von Werder Bremen. Da haben Sie doch nichts dagegen, dass wir Ihr Fan-Wissen testen?
Wigald Boning: Bitteschön.

Also gut: Können Sie die Stadionhymne singen?
(lacht) Nee, schon mal schlecht. Die habe ich nicht parat.

Lesen Sie auch: FC Bayern als Meisterschaftsfavorit - und wer wird Zweiter?

Gar nichts?
Nee.

Boning und die Band namens "Bremen"

Warum haben Sie eigentlich nie selbst ein Werder-Lied geschrieben?
Ich hab’ in einer Band gespielt, die Bremen hieß, das war so 1987/88. Da gab es ein ganzes Album, das sich nur mit Bremer Themen beschäftigt hat. Auch das Weserstadion und Werder tauchen da mehrfach auf.

Ok, zurück zum Wissenstest: Wer hat die meisten Bundesliga-Tore für Werder geschossen?
(überlegt lange) Das ist gar nicht so einfach. Völler?

Falsch. Ein Tipp: Derjenige spielt aktuell sogar noch.
Dann Pizarro natürlich.

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Genau, mit 103 Treffern, dann kommt Marco Bode, Völler ist auf Platz drei. Zum Abschluss noch eine sehr unangenehme Wissensfrage: Gegen wen gab es die höchste Niederlage?
Wahrscheinlich gegen Bayern München.

Richtig, 2013 war das. 0:7. Noch gar nicht so lange her.
Ich saß im Stadion und schaute zu.

Kein Pizarro, kein Kruse - wer trifft? "Gute Frage. Aber eine Notelf verliert nie."

Haben Sie Sorge nach dem blamablen Pokalauftritt von Werder in Lotte, dass der Rekord am Freitag gebrochen wird?
(lacht) Naja, ich bin ein Meister des Zweckoptimismus. In unglücklichen Lebenslagen ist es ja von großem Vorteil, wenn man einen positiven Nebeneffekt überbetont. Und das heißt in diesem Fall: Werder kann sich voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren.

Mit Claudio Pizarro und Max Kruse fällt aber der Stamm-Sturm aus. Wer soll denn ein Tor für Werder schießen?
Tja, gute Frage. Aber eine Notelf verliert nie. Das ist auch einer dieser Sprüche, auf die man immer zurückgreifen kann, wenn es nicht läuft (lacht).

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Sie leben in München. Gehen Sie Freitag ins Stadion?
Ja, ich bin dabei, ich stehe im Werder-Block.

Mit Ihren Söhnen?
Ja, beide kommen mit, einer ist Werder-Fan, der andere hält zu Bayern. Auf jeden Fall wird sich einer aus der Familie freuen.

Eine Nacht im Zelt in der Arena? "Gerne"

Im vergangenen Jahr haben Sie eine Zeit lang nur im Zelt geschlafen, unter anderem übernachteten Sie auch im Bremer Weserstadion. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Es gab ein Brainstorming der Werder-Botschafter in Bremen. Und da war mir recht schnell klar, dass ich am liebsten im Weserstadion schlafen würde. In Hotels habe ich in der Zeit ja gar nicht übernachtet. Ich musste noch länger mit dem Platzwart verhandeln, aber am Ende sagte er zu. Das war ein ganz besonderes Erlebnis.

Warum wollten Sie eigentlich über Monate im Zelt schlafen?
Es gab letzten Sommer so ein paar ganz heiße Tage, ich habe ja eine Wohnung in der Münchner Innenstadt, da war es richtig heiß. Ich dachte mir: Gehst einfach zu so einer Kiesbank auf der Isar und schläfst da. Nach der ersten Nacht kam mir Idee, dass das ein glorioses Lebenskapitel ist, wenn man mal eine Zeit lang draußen schläft. Und so war es auch.

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Würden Sie auch in einem anderen Stadion schlafen – in der Allianz Arena?
Da würde ich sehr gerne übernachten. Man bekommt einen ganz neuen Eindruck von Orten, wenn man dort schläft. Ich habe zum Beispiel neulich auch auf der Bühne der Semperoper in Dresden übernachtet – total interessant. Die Gerüche dort, dass das Licht die ganze Nacht brennt. Man träumt ganz andere Sachen an solchen Orten.

Hat man als in Bayern lebender Werder-Fan Sympathien für den FC Bayern?
Ja, die sind vorhanden. Ich habe die Rivalität in den 80ern auch nie verstanden, dieses Hoeneß gegen Lemke, dieses Wir-hier-unten-und-Ihr-da-oben, das war eine Form von Sozialkitsch. Bayern ist ein ganz herausragend geführter Verein mit einer familiären Unternehmenskultur, die mir gut gefällt.

Der Sportler Boning - Bergsteigen, Ultramarathon, Mountainbike

Sie sind sportlich sehr aktiv, gehen Bergsteigen, laufen Ultramarathon, fahren Mountainbike. Aber Fußball haben Sie nie gespielt. Warum?
Ich wurde einmal als Leichtathlet des DSC Oldenburg zum Probetraining beim VfB Oldenburg eingeladen. Einige Aspekte gefielen uns Leichtathleten aber nicht – zum Beispiel, dass man den Trainer siezen musste, da war ein ganz harter Drill. Es wurde auch viel rumgebrüllt. Da waren wir Oberschüler vom Leichtathletik-Verein vielleicht ein wenig zu arrogant für die Fußballer.

Also hatten Sie eher die Einzelkämpfer-Einstellung von Werders Trainer-Legende Otto Rehhagel?
Ja, ich bin auch heute gern allein unterwegs und vermisse da auch wenig.

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Hatten Sie mal persönlich mit Rehhagel zu tun?
Nein, leider nicht. Ich bettele Werder immer wieder an, dass ich mal mit ihm zusammengebracht werde (lacht). Aber ich war mal im Theater in Bremen, da kam Rehhagel mit seiner Frau und es gab sofort Standing Ovations. Das war beeindruckend, da konnte man sehen, was für eine Wichtigkeit Otto Rehhagel für Bremen hatte und immer noch hat.

Zum Abschluss: Wie geht die Partie am Freitag aus?
Ich tippe auf einen knappen Sieg für Werder. Es wird wohl kein Kantersieg, aber es ist an der Zeit, dass Werder mal wieder gewinnt. Natürlich muss vieles zusammenkommen, vielleicht ist Bayern noch nicht so sortiert, nachdem sich unter dem neuen Trainer einiges verändert hat. Bei uns muss alles passen und bei Bayern muss fast alles schiefgehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt – das könnte auch ein Rehhagel-Spruch sein, aber er ist nicht von ihm.

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