Vor 25 Jahren: Als sich Giovanni Trapattoni verwechselte

Vor genau 25 Jahren verwechselt sich Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni in Frankfurt legendär.
| Patrick Strasser
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Nach dem Spiel in Frankfurt restlos bedient: Trainer Giovanni Trapattoni, sein Assistent Klaus Augenthaler und Manager Uli Hoeneß (v.l.).
dpa Nach dem Spiel in Frankfurt restlos bedient: Trainer Giovanni Trapattoni, sein Assistent Klaus Augenthaler und Manager Uli Hoeneß (v.l.).

München - Die Duelle des FC Bayern mit der Frankfurter Eintracht hatten in den letzten knapp zwei Jahren stets einen Hauptdarsteller: Niko Kovac. Im Mai 2018 gewann er den DFB-Pokal. Mit der Eintracht, gegen die Bayern. Wenige Monate später holte er den DFL-Supercup. Mit den Bayern, gegen die Eintracht. Im Mai 2019 gewann er in der Liga 5:1, wurde Meister. Im November 2019 verlor er 1:5, wurde entlassen.

Legendärer Verwechsler von Giovanni Trapattoni

Trainerschicksale. Wie auch Wechselfehler, die in der Geschichte des Fußballs zu den folgenreichsten Patzern der Männer an der Seitenlinie gehören. Einer der spektakulärsten Fälle war der Lapsus von Giovanni Trapattoni, der ihm auf den Tag genau vor 25 Jahren widerfuhr.

Der Italiener, stets mit einer Vorliebe für junge, ungeschliffene Talente, wechselte am 15. April 1995 im Frankfurter Waldstadion einen vierten Amateur-Spieler ein. Auf ewig mit diesem Wechselfehler verbunden: Didi Hamann, heute Experte für TV-Sender Sky.

So kam es zu der Verwechslung

Am 26. Spieltag stehen die Bayern als Tabellensechster mit "Trap", ihrem Defensiv-Fanatiker, mächtig unter Druck. Man hatte von den letzten sieben Spielen nur eins (bei fünf Unentschieden) gewonnen. Grund sind unter anderem dicke Personalprobleme. Nach Frankfurt reisen die Münchner mit nur zwölf einsatzfähigen Profis, in der Startelf stehen neun.

Zwei Amateure beginnen: Torhüter Sven Scheuer, der den verletzten Oliver Kahn vertritt, und Sammy Kuffour. Als nach 25 Minuten Thomas Helmer vom Platz humpelt, bringt Trapattoni mit Marco Grimm den dritten Spieler aus der vereinseigenen Amateurabteilung.

Alles soweit noch korrekt. Die Bayern machen eine gute Partie, führen in der zweiten Halbzeit durch die Treffer von Markus Schupp, Marcel Witeczek und Christian Ziege mit 3:2, als das Schicksal in der 73. Minute seinen Lauf nimmt. Es ist 16.56 Uhr, als der Coach Angreifer Witeczek herausbeordert und den damals 21 Jahre jungen Dietmar Hamann, ebenfalls Vertragsamateur, ins Spiel schickt.

Das Fatale: Auch die beiden Profis Alain Sutter und Michael Sternkopf waren Joker-Kandidaten, doch Trapattoni wählte die - vermeintliche - Nummer sicher, um das 3:2 über die Zeit zu bringen: den defensiven Mittelfeldspieler Hamann.

Mehr als drei Amateure sind jedoch nur nach vorheriger Sondergenehmigung erlaubt – und die hatte der sonst an alles denkende Manager Uli Hoeneß nicht eingereicht. Bayerns Pressechef Markus Hörwick eilt von der Tribüne in den Innenraum, er erkennt das drohende Unheil – zu spät.

Traps Wechselfehler: Hoeneß gibt Augenthaler Mitschuld

Das Kuriose: In der letzten Viertelstunde erhöhen die Bayern noch durch Dieter Frey und wiederum Ziege auf 5:2. Der höchste Erfolg aller Zeiten für die Münchner in Frankfurt wird zum Pyrrhussieg. Die Spieler winken den Fans zu und blicken verdutzt, als sie auf dem Weg in die Kabine von den Bossen um Geschäftsführer Karl Hopfner einen Maulkorb verhängt bekommen: Keine Interviews! Hoeneß & Co. ist klar: Dank Paragraph 25, Absatz 4, der Lizenzspielerstatuten, in denen es heißt, dass "der Einsatz eines nicht spielberechtigten Spielers nach sich zieht, dass das Spiel für den Verein als verloren zu werten" ist, sind die Punkte futsch.

Auf der Pressekonferenz gesteht der total bediente Trapattoni seinen Fehler ein. Hoeneß gibt Trap nicht die alleinige Schuld: "Das ist menschliches Versagen. Es ist auch meine Schuld und die von Klaus Augenthaler (dem Co-Trainer, d.Red.). Und peinlich ist es allemal." Die Eintracht legt Protest ein, das Sportgericht entscheidet auf 2:0 für die Hessen.

Apropos "Auge": Am letzten Spieltag 1995/96 wechselte Urbayer Augenthaler, damals Vertreter des erkrankten Trainers Franz Beckenbauer, gegen Fortuna Düsseldorf (2:2) falsch – und zwar gleich vier Mal (drei Feldspieler plus Torhüter Kahn). Künstlerpech. Und Glück: Weil das Ergebnis bedeutungslos für beide und die Tabelle war, verzichtete die Fortuna auf einen Protest.

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