Tor-Wahnsinn beim FC Bayern – jetzt winkt der Rekord

Die Torbestmarke des FC Bayern in einer Saison stammt aus Kaisers Zeiten. Doch am Millerntor wackelt sie nun aber gewaltig.
Patrick Strasser |
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Bayerns Topscorer und Topstürmer: Michael Olise (li.) und Harry Kane
IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON 2 Bayerns Topscorer und Topstürmer: Michael Olise (li.) und Harry Kane
Kaiserliche Bestmarke: Der Torrekord des FC Bayern um Franz Beckenbauer (rechts, beim Einschuss gegen Braunschweigs Torhüter Bernd Franke) steht seit 1971/72 bei 101 Treffern. Nun wankt er.
imago/WEREK 2 Kaiserliche Bestmarke: Der Torrekord des FC Bayern um Franz Beckenbauer (rechts, beim Einschuss gegen Braunschweigs Torhüter Bernd Franke) steht seit 1971/72 bei 101 Treffern. Nun wankt er.

Beim FC Bayern ist in dieser Bundesliga-Saison fast jeder fünfte Schuss ein Treffer – also ungefähr die Quote der englischen Nationalmannschaft bei Elfmeterschießen. 519 Torschüsse hat der FCB laut "bundesliga.com" in bisher 28 Spielen abgegeben, 100 waren drin. Elf davon Elfmeter, wovon zehn aufs Konto von Harry Kane gehen (einen verwandelte Jamal Musiala). Es hätten auch schon 110 Treffer sein können. Die Spielverderber Pfosten und Latte verhinderten das, sprich zehn Aluminium-Treffer.

Diesen Samstag könnte Historisches geschehen am Millerntor in Hamburg. Beim Auswärtsspiel der Bayern (18.30 Uhr, Sky) beim FC St. Pauli streben die Münchner den neuen Allzeit-Torrekord der Bundesliga an. Noch ein Treffer, es wäre der Einhunderterste, hieße: Einstellung des Rekordes aus der Gerd-Müller-Ära (Saison 1971/72) unter Trainer-Legende Udo Lattek. Noch zwei Tore und man verbindet die neue Bestmarke von 102 Treffern in den Annalen des Vereins künftig mit Vincent Kompany. Und das nach nur 29 Spieltagen!

18 verschiedene Bayern-Torschützen in dieser Saison

18 verschiedene Torschützen haben sich bisher in der bajuwarischen Rekordjagd verdient gemacht – im Ranking von unten nach oben (so viel Zeit und Ehre muss sein): Jamal Musiala, Dayot Upamecano, Hiroki Ito, Min-jae Kim (je ein Tor), Jonathan Tah, Josip Stanisic, Tom Bischof (jüngster Neuling auf der Liste mit seinem Doppelpack beim 3:2 am Ostersamstag in Freiburg), Joshua Kimmich, Leon Goretzka (je zwei), Aleksandar Pavlovic, Konrad Laimer, Raphael Guerreiro plus Eigentore eines Gegners (je drei), Nicolas Jackson (vier), Lennart Karl (fünf), Serge Gnabry (acht), Michael Olise (elf), Luis Díaz (15) und natürlich Harry Kane mit 31.

Das letztgenannte Offensiv-Trio, platziert auf Rang eins, drei (hinter Stuttgarts Deniz Undav/18 Tore) und sechs der Liga-Torschützenliste, hat mit zusammen 57 Buden öfter getroffen als 15 Bundesliga-Mannschaften – lediglich Bayer Leverkusen (58) und Borussia Dortmund (60) stehen besser da. Und noch ein Vergleichswert in Sachen Torausbeute-Wahnsinn: Mittelstürmer Kane traf sechs Mal mehr als der Gegner am Samstag, der FC St. Pauli, und zwei Mal öfter als der FC Heidenheim, ebenso oft wie Werder Bremen (31).

Kaiserliche Bestmarke: Der Torrekord des FC Bayern um Franz Beckenbauer (rechts, beim Einschuss gegen Braunschweigs Torhüter Bernd Franke) steht seit 1971/72 bei 101 Treffern. Nun wankt er.
Kaiserliche Bestmarke: Der Torrekord des FC Bayern um Franz Beckenbauer (rechts, beim Einschuss gegen Braunschweigs Torhüter Bernd Franke) steht seit 1971/72 bei 101 Treffern. Nun wankt er. © imago/WEREK

In 26 von 28 Bundesliga-Spielen trafen die Münchner doppelt

Weitere, beeindruckende Werte der gierigsten Bayern der Vereinsgeschichte:

Doppelt gemoppelt: In 26 von 28 Spielen dieser Bundesliga-Spielzeit trafen die Münchner mindestens doppelt. 22 Mal sogar mindestens dreifach. Eingestellter Bundesliga-Rekord. Ein Eigener, natürlich – wie in der vorherigen Saison.

Schützenfeste: 16 Mal gewannen die Bayern mit drei Toren Unterschied oder mehr. Den höchsten Sieg gab’s zu Hause: 8:1 im Januar gegen Wolfsburg. Auswärts: 5:0 im Dezember in Stuttgart.

Bayern letztmals ohne eigenen Treffer im Februar 2025 gegen Leverkusen

Über ein Jahr ohne Nullrunde: Das letzte Bundesligaspiel ohne Torerfolg? Am 15. Februar 2025 auswärts 0:0 bei Bayer Leverkusen.

Wie schaut’s denn nun aus mit dem Torrekord, Trainer? "Drei Punkte", lautete die kurze und knappe Antwort von Vincent Kompany am Freitagvormittag an der Säbener Straße. Man wollte ihn locken. Erstmals über die Marke von 101 Toren in der Bundesliga-Geschichte kommen? Der Bayern-Chefcoach ließ sich nicht locken: "Drei Punkte helfen uns schon, glaube ich. Oder? Drei Punkte heißt: Torrekord?" Schelm Kompany gab sich unwissend.

Er lächelte, öffnete fragend die Hände und antwortete auf den Hinweis, wie es laufen könnte: "Drei Punkte erst einmal – und viel Respekt für St. Pauli. Wenn man die letzten Spiele gegen uns (3:1 und 3:2 zu Hause, 1:0 auswärts, d.Red) sieht, war es immer unglaublich schwer. Sie verteidigen sehr kompakt und gut. Es ist schwer zu verstehen, warum sie da unten stehen." Da war er wieder, der Realo. Der Understatement-Vinnie. Wenn der Rekord am Samstagabend fällt, wird Kompany Lobeshymnen verteilen wie Popcorn. 100, 101, 102.

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