Thilo Kehrer: "Die Jungs wissen, wie es ist, ein Finale zu verlieren"

Nationalspieler Thilo Kehrer von Paris Saint-Germain spricht in der AZ über die Endspielpleite in der Champions League und die Reaktionen der siegreichen Bayern. "Niklas Süle war sehr einfühlsam."
| Patrick Strasser
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"Alles gegeben", sagt Kehrer (l.) über die CL-Finalpleite von Paris gegen die Bayern um Coman.
Matthew Childs/Pool Reuters/AP/dpa "Alles gegeben", sagt Kehrer (l.) über die CL-Finalpleite von Paris gegen die Bayern um Coman.

München - AZ-Interview mit Thilo Kehrer: Der deutsche Nationalspieler (23) wechselte 2018 von Schalke 04 zu Paris Saint-Germain. Mit den Hauptstädtern unterlag er im Finale der Champions League dem FC Bayern mit 0:1.

AZ: Herr Kehrer, neun Tage ist es erst her, dass Sie im Finale der Champions League mit Paris Saint-Germain dem FC Bayern gegenüberstanden und mit 0:1 verloren. Nun bereiten Sie sich seit Montag mit der Nationalelf auf den Start der Nations League vor. Ist es gut für den Kopf, dass es sofort weitergeht oder eher negativ für den Körper, was die physische Belastung betrifft?

THILO KEHRER: Natürlich war ich direkt nach dem Endspiel und in den Tagen danach sehr enttäuscht, wir hatten alles gegeben und versucht. Die Bayern hatten mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle über das Spiel, mehr Chancen - wir vielleicht einen Tick bessere Gelegenheiten, aber das ist nun Geschichte. Rein körperlich gesehen hatten wir ja wegen der Corona-Pandemie und dem Abbruch der französischen Liga im März eine längere Pause, ich fühle mich nicht erschöpft.

Und mental?
Ich war nicht sauer. Im Finale gewinnt nur einer, die andere Mannschaft verliert. Das ist Teil des Sports. So riesengroß die Enttäuschung auch ist, irgendwann muss man da umschalten. Mit ein paar Tagen Abstand überwiegt auch die Anerkennung, die man erfährt. Auch wenn man verloren hat, ist das Erreichen eines Champions-League-Finals nicht nur ein negatives Gefühl. Für mich ist es gut, hier bei der Nationalelf wieder dabei zu sein und die Jungs zu sehen, das ganze Team. Ich richte den Blick nach vorne, wir haben neue Ziele.

Hat Ihnen Niklas Süle von den Bayern vielleicht den ein oder anderen Spruch gedrückt?
Der Niki ist ein sehr, sehr Lieber. Von daher war er einfühlsam. Wir sind hier in Stuttgart jetzt Teamkollegen, in einem anderen Umfeld. Die Jungs wissen, wie es ist, ein Finale zu verlieren.

Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung seit dem Wechsel im August 2018 vom FC Schalke zu PSG? Unter Trainer Thomas Tuchel haben Sie letzte Saison drei Titel in Frankreich gewonnen.
Titel strebt man als Fußballer an, das ist etwas Schönes. Ich bin nach meiner Fuß-Verletzung gut zurückgekommen, habe kurz vor und jetzt nach der Corona-Pause viele Spiele machen können, bin gut im Rhythmus. Nun will ich auch wieder in der Nationalelf zeigen, was ich kann und dass ich mich weiterentwickelt habe.

Ihr letztes von bisher sieben Länderspielen haben Sie im Juni 2019 bestritten, beim 8:0 gegen Estland - als Rechtsverteidiger. Ist das Ihre Position unter Bundestrainer Joachim Löw?
Ja, ich sehe mich eher auf der rechten Seite als in der Innenverteidigung. Aber ich bin flexibel und lege mich da nicht fest. Ich spiele dort, wo ich aufgestellt werde. Wir haben viele junge Spieler hier und sind in einer Phase, in der wir weiter zusammenwachsen und unser Potenzial weiter ausschöpfen wollen.

Da Lukas Klostermann von RB Leipzig geschont wird, könnten Sie gegen Spanien und am Sonntag in Basel gegen die Schweiz zum Einsatz kommen.
Ich denke, dass meine Chancen nicht so schlecht sind, die Belastungen der Spieler sind ja unterschiedlich verteilt. Ich würde mich freuen, wenn ich beide Spiele machen könnte.

In Stuttgart steht das erste Geister-Länderspiel der Geschichte an: Wie kann man in Zeiten von Corona vor und in einem Match überhaupt Spannung aufbauen?
Es ist eine mentale Frage, da es ohne Fans etwas ganz anderes ist, eine ganz andere Atmosphäre in den Stadien herrscht. Wir sind Profis, müssen uns auch hier an die Situation anpassen, aufs Spiel und die Aufgaben währenddessen konzentrieren. Die Motivation kommt von innen heraus, muss daher ein bisschen höher sein, weil die Stimmung von den Rängen fehlt.

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