Skandal mit Ansage: Der Hopp-Eklat war alles andere als überraschend

Eine TV-Doku deckt auf: Der große Hopp-Eklat von Sinsheim im Februar 2020 war alles - bloß nicht überraschend. Die Klubs und selbst der DFB wussten vorab von den Schmäh-Plakaten der Bayern-Ultras.
| Krischan Kaufmann
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Unterstützung für Dietmar Hopp (l.): Karl-Heinz Rummenigge war jedoch wohl von den Schmähungen ebenso wenig überrascht wie der TSG-Mäzen.
Unterstützung für Dietmar Hopp (l.): Karl-Heinz Rummenigge war jedoch wohl von den Schmähungen ebenso wenig überrascht wie der TSG-Mäzen. © dpa

Noch längst ist nicht abzusehen, wie sehr Corona am Ende dem deutschen Fußball geschadet haben wird. Einem der einflussreichsten Protagonisten der Bundesliga hat das Virus aber zumindest eine Verschnaufpause verpasst: Dietmar Hopp (80). Seitdem die Stadien aufgrund der Pandemie leer bleiben müssen, sind auch die Schmäh-Plakate gegen den Mehrheitseigner der TSG 1899 Hoffenheim verschwunden.

Es war ein Skandal - aber einer mit Ansage!

Allerdings lässt nun eine ZDF-Dokumentation die Geschehnisse beim Skandal-Spiel am 29. Februar 2020 in Sinsheim gegen den FC Bayern in einem neuen, sogar etwas zweifelhaften Licht erscheinen. Zumindest berichtet Reporter Jochen Breyer, der die Doku zusammen mit Jürn Kruse erstellt hatte, in einem Interview mit der "taz", dass bei jenem denkwürdigen 0:6 die publikumswirksamen Reaktionen vonseiten der Klubs offenbar inszeniert waren.

"Was mich am meisten überrascht hat: Dass vor dem Spiel in Sinsheim offenbar fast alle Bescheid wussten, was passieren würde, die TSG Hoffenheim, der FC Bayern und der DFB", sagte Breyer. Er habe sich in dem 45-Minuten-Beitrag um eine vielschichtige Aufbereitung der damaligen Geschehnisse bemüht. Man dürfe zwar nicht vergessen, dass am Anfang des Ganzen ja immer noch die Schmähungen der Fans standen, doch Breyer skizzierte: "Dass die Reaktionen der Verantwortlichen offenbar auch geplant waren und dass dabei an der einen oder anderen Stelle überzogen wurde, das veränderte meinen Blick auf diesen Tag und diesen Konflikt."

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Skandal-Spiel: Münchner Ultras mit beleidigenden Plakate gegen Hopp

Die Hoffenheimer und Münchner Spieler waren aufgrund beleidigender Plakate gegen Hopp von Schiedsrichter Christian Dingert in die Kabine geschickt worden, das Spiel wurde zwar fortgesetzt - allerdings mit Ballgeschiebe der Spieler beider Teams. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge und Hopp hatten sich nach dem Abpfiff im strömenden Regen auf den Platz begeben und demonstrativ den Hoffenheim-Fans applaudiert, die sich gegen die Schmähungen gewandt hatten. Der Ende diesen Jahres scheidende Vorstandsvorsitzende des Rekordmeisters legte hinterher verbal gegen seine eigenen Fans sogar noch kräftig nach.

Beleidigung als Reaktion auf Kollektivstrafen: Zwei Tage zuvor hatten die Münchner Ultras die Bayern über ihre Pläne informiert.
Beleidigung als Reaktion auf Kollektivstrafen: Zwei Tage zuvor hatten die Münchner Ultras die Bayern über ihre Pläne informiert. © dpa

"Das war das hässliche Gesicht von Bayern München. Dafür gibt es keine Entschuldigung", betonte Rummenigge damals. DFB-Präsident Fritz Keller ergänzte abends im Aktuellen Sportstudio des ZDF: "Wir sind am Tiefpunkt angekommen." Was Keller an diesem Abend allerdings verschwieg: Die Eskalation dieses nun schon fast ewigen Konflikt zwischen den Ultras und Hopp kam für niemand überraschend.

FC Bayern, Hopp, Hoffenheim und DFB wussten von Aktion

Die Bayern-Fangruppierung Schickeria, die für die Doku sogar erstmals ihr Schweigen bricht, hatte zwei Tage vor dem Spiel Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß über die Pläne eingeweiht. Sie waren als Reaktion auf eine Kollektiv-Strafe gegen den BVB gedacht, die zwei Jahre lang in Hoffenheim ohne Fans wegen wiederholten Schmähungen gegen Hopp antreten muss.

"Ich habe ihnen gesagt, dass ich das überhaupt nicht akzeptieren kann", erklärte Hoeneß in der Doku und gab damit die Vorab-Info zu. Auch Hopp, Hoffenheim und sogar der DFB seien vorab in Kenntnis gesetzt worden, berichtete das ZDF. Hoeneß betonte, dass man Täter und Opfer nicht verwechseln dürfe: "Es gibt nur ein Opfer und nur eine Gruppe, die schuldig ist." Wie Hopp heute darüber denkt, ist nicht bekannt. Im Gegensatz zu den Ultras wollte sich der Milliardär aktuell nicht zu den damaligen Vorkommnissen äußern.

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