Sepp Maier: "Ich hätte den Bundestrainer abgemurkst"

Die Torwart-Legende über Klinsmanns Umgang mit Kahn, nächtliche Exzesse mit Beckenbauer und Breitner – und wieso er seinen 65. Geburtstag in Berlin feiert
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Bayerns Torwart-Legende Sepp Maier.
dpa Bayerns Torwart-Legende Sepp Maier.

Die Torwart-Legende über Klinsmanns Umgang mit Kahn, nächtliche Exzesse mit Beckenbauer und Breitner – und wieso er seinen 65. Geburtstag in Berlin feiert

Herr Maier, am kommenden Samstag feiern Sie Ihren 65. Geburtstag...

SEPP Maier: ...ach, hören'S auf!

Für viele Menschen bedeutet das den Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand.

Ich will gar keinen Ruhestand haben. Denn dann wird man alt, noch älter vom Geist her, meine ich. Wenn man nix mehr plant in seinem Leben, kann man sich gleich eingraben lassen. Man hat Ziele, ob mit 20 oder 65 Jahren. Es muss sich immer etwas bewegen, solange es geht. Und wie heißt es so schön bei Udo Jürgens: ,Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an'. Da habe ich also noch ein Jahr Zeit.

Der Fußball bestimmte über 50 Jahre lang Ihr Leben, bis Sie im letzten Jahr als Torwarttrainer beim FC Bayern gemeinsam mit Oliver Kahn aufgehört haben. Vermissen Sie die tägliche Arbeit mit Kahn?

Das weniger. Ich muss aber zugeben, dass es ein Einschnitt war, als ich beim FC Bayern aufgehört habe. Ich war seit meinem 15. Lebensjahr beim FC Bayern – aber es musste 'mal sein. Ich kann ja nicht bis ich hundert bin dort sein. Aber Wehmut war schon dabei.

Dabei wollten Sie ja eigentlich Schauspieler werden. War der Fußball eine passende Ersatz-Bühne für einen wie Sie?

Ich glaube, beides liegt nahe beieinander. Wenn man etwas im Fußball-Geschäft erreichen will, muss man sich auch ein bisschen im Schauspiel-Geschäft auskennen. Der Umgang mit den Leuten ist gleich.

Welcher war der schönste Moment in Ihrer Karriere?

Da gab es viele. Die ganzen Titel mit dem FC Bayern und natürlich der Gewinn der Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land. Das waren schon die Highlights in meinem Leben.

Es gab auch Enttäuschungen.

Die gibt es auch, aber die steckt man weg. Wenn die Leute mich ansprechen, sprechen sie nie von schlechten Zeiten, sondern nur von der Gloria. Das andere ist vergessen, und so sollte man es als Sportler auch halten.

Sie haben einmal erzählt, dass Sie früher im Trainingslager mit Franz Beckenbauer und Paul Breitner in der Nacht vor Spielen noch eine Schweinshaxe gegessen hätten und Weißbier dazu getrunken haben. War das tatsächlich so?

Na klar, logisch. Wir haben früher gegessen, was uns geschmeckt hat. Die Spieler von heute müssten mal wieder zu diesen alten Gewohnheiten zurückkehren – vielleicht spielen sie dann besser. Lockerer wären sie auf alle Fälle, wenn sie ein paar Weißbier drin haben.

Franz Beckenbauer holte Sie 1987 als Torwarttrainer zur Nationalmannschaft, Jürgen Klinsmann hat Ihr Engagement im Oktober 2004 sehr abrupt beendet. Ist eine Aussöhnung zwischen Klinsmann und Ihnen denkbar?

Ja, sicher. Wir haben uns im internen Kreis längst darüber unterhalten. Das ist kein Problem mehr.

Aber es war damals ein tiefer Stich für Sie?

Ja, klar. Ich war schließlich fast 20 Jahre dabei. Aber es ging mir nicht so sehr um meine Person, sondern um die von Oliver Kahn. Ich glaube, es war nicht fair, was Klinsmann bei der WM 2006 mit ihm gemacht hat. Oliver Kahn hatte sich nichts zuschulden kommen lassen, er hat seine Leistung gebracht. 2006 ist er deutscher Meister und Pokalsieger mit dem FC Bayern geworden, während Jens Lehmann bei Arsenal zeitweise auf der Bank saß. Und dann spielt Lehmann bei der WM im eigenen Land. So etwas kann es normalerweise nicht geben.

Wie hätte der Torwart Maier an Kahns Stelle reagiert?

Stellen Sie sich vor, das wäre 1974 passiert. Ich hätte den Bundestrainer abgemurkst. Wann hast du als Spieler schon einmal die Chance, eine Weltmeisterschaft im eigenen Lande zu spielen! Die kriegt Oliver Kahn nie wieder.

Wie ist der Kontakt zu Kahn? Spielen Sie zusammen Golf?

Wir telefonieren ab und zu. Aber Oliver hat auch viel zu tun, ist viel unterwegs. Und wo will man jetzt Golf spielen? Ist ja Winter. Aber die Zeit für uns Zwei kommt auch wieder – nicht mehr auf dem Fußballplatz, sondern auf dem Golfplatz.

Glauben Sie, dass Oliver Kahn noch einmal in den Fußball zurückkehrt?

Das glaube ich schon. Denn mit seinem Wissen und mit seiner Einstellung sollte er dem Fußball erhalten bleiben.

Beim FC Bayern? Womöglich als Torwarttrainer oder als Manager?

Nein, Torwarttrainer wird er nie machen. Er hat die Geduld nicht, die ich mit ihm haben musste. Ich sehe ihn eher im Management - oder gleich als Präsident.

Und Sie sieht man doch noch auf der Show-Bühne, nämlich mit der Musik-Show „Das Überraschungsfest der Volksmusik“.

Ja. Zehn Vorstellungen hatten wir schon, insgesamt sind es 49. Nächste Woche geht es wieder für zehn Tage auf Tournee. Und an meinem Geburtstag gastieren wir in Berlin.

Sie stehen an Ihrem 65. Geburtstag auf der Bühne, statt privat zu feiern?

Ja, ist doch lustig. Es sind viele Leute da zum Feiern – und ich muss nichts bezahlen (lacht).

Sie gelten als Gaudibursch, können aber auch wütend und angeblich sogar jähzornig werden. Wann denn?

Was heißt jähzornig? Ich bin ein Mensch und kein Politiker, der schweigt oder gar nichts sagt. Ich komme gerne auf den Punkt - und zwar richtig. Bei mir muss es raus, sonst kriege ich ein Magengeschwür. Das kommt zwar nicht immer gut an, aber ich bin eben eine ehrliche Haut.

Glauben Sie, dass der FC Bayern ewig die Nummer 1 im deutschen Fußball sein wird?

Solange Uli Hoeneß da ist, schon. Ich hoffe, er macht noch lange weiter. Er ist Mister Bayern, er ist der Vater der großen Bayern-Familie. Uli hat viel Ahnung vom Fußball-Geschäft und ist gar nicht so, wie er manchmal dargestellt wird. Er ist herzensgut. Und er hat mir 1979 das Leben gerettet, was ich ihm nie vergessen werde.

Sie meinen nach Ihrem schweren Auto-Unfall, der Ihre Karriere als Torwart beendete?

Dass ich nicht mehr Fußball spielen konnte, war das wenigste. Ich hatte 20 Jahre gespielt. Aber ich bin wieder gesund geworden. Uli hat mich damals aus dem Krankenhaus geholt und zu einem Spezialisten gebracht. Einen Tag länger hätte ich damals nicht mehr überlebt. Das waren bittere Momente – aber ansonsten bin ich ein Glückskind.

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