Sammer traut sich was: Er weist Hoeneß zurecht

Wegen Gomez-Kritik: Sport-Vorstand greift den Präsidenten an. „Das hat uns nicht gefallen!” Heynckes ist genervt, die Fragerunde wird abgebrochen.
| Patrick Strasser
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Sammer weist Hoeneß zurecht
Rauchensteiner/Augenklick Sammer weist Hoeneß zurecht

Wegen Gomez-Kritik: Sport-Vorstand greift den Präsidenten an. „Das hat uns nicht gefallen!” Heynckes ist genervt, die Fragerunde wird abgebrochen

HAMBURG Matthias Sammer stand am Spielfeldrand und flachste mit Philipp Lahm. Kurz vor dem Elfmeterschießen im „Ligatotal!"-Cup-Halbfinale am Samstag gegen Werder Bremen (Endstand 4:6) hatten der Sportvorstand und der Mannschaftskapitän Spaß. Muss auch sein. Als Ventil.

Denn die Stimmungslage beim FC Bayern ist drei Wochen vor dem Ligastart angespannt bis gereizt. Ein Thema überlagert die Bemühungen von Trainer Jupp Heynckes, die Mannschaft in Ruhe auf den Angriff auf Double-Sieger Borussia Dortmund vorzubereiten: die öffentliche Schelte von Uli Hoeneß an Mario Gomez. Man müsse dem Nationalstürmer ein „gewisses Phlegma" austreiben, hatte der Präsident gesagt, Gomez sei „gut, nicht sehr gut. Wenn er sehr gut wäre, wären wir Champions-League-Sieger.”

Nun kommt Schärfe rein. Sportvorstand Sammer hat Hoeneß seine Meinung übermittelt. Klar und unmissverständlich. „Dass Mario öffentlich kritisiert wird, lassen wir nicht zu", sagte der Ex-Sportdirektor des DFB in „Sat.1". Zwar habe der Präsident „alle Rechte", aber „so richtig hat uns das nicht gefallen. Das ist doch klar." Die Hierarchie achtet Sammer, Hoeneß' Kritik jedoch weist er entschieden zurück. Der 44-Jährige wählte bewusst die Formulierung, das habe „uns” nicht gefallen. Um in dieser Sache eine Allianz der Verantwortlichen gegen Polter-Uli aufzubauen? Sammer: „Der Präsident ist eine Persönlichkeit, die diesen Verein sehr geprägt hat. Aber wie er selbst sagt: Wenn wir den Schritt von gut zu sehr gut machen wollen, müssen wir das in allen Teilen des Vereins machen.” Was wollte Sammer damit sagen? Sind die Hoeneß-Auftritte nur gut, nicht sehr gut? Sammer erklärt: „Wir brauchen absolute Geschlossenheit, müssen alle geschlossen nach außen wirken." Eine deftige Ansage an Hoeneß, der sich nicht äußern wollte am Wochenende.

Es war Hoeneß, der Sammer für dessen neuen Posten als Sportvorstand begeistern konnte. Doch solch einen verbalen Konter hatte sich Vorgänger Christian Nerlinger in seinen drei Jahren nicht erlaubt. Sammer kontra Hoeneß - ein erster Ellbogentest, manche sehen den Beginn eines Machtkampfes heraufziehen. Der letzte, der sich öffentlich gegen Hoeneß positioniert hatte, war Louis van Gaal.

Der aktuelle Konflikt nervt die Bayern-Verantwortlichen, besonders Heynckes. „Das ist kein Thema mehr, es ist abgearbeitet. Ich sage dazu nichts mehr", meinte der Coach in Hamburg und echauffierte sich nach weiteren Fragen: „Ich kann dem Präsidenten nicht verbieten, dass er sich äußert." Daraufhin schaltete sich Mediendirektor Markus Hörwick ein und beendete die Debatte um die Außendarstellung – indem er die Fragerunde lächelnd, aber mit deutlichen Worten abbrach: „Wir müssen aufpassen!"
Heynckes' inhaltlichen Vorwurf an Hoeneß lautet nach wie vor: „Früher konnte man einen Spieler mit so etwas noch einmal motivieren, das ist heute vorbei." Hoemeß, ein Motiovator von gestern? Auch

Sammer sprang Gomez, der bei der EM drei Tore erzielt hatte und letzte Saison Zweiter der Liga-Torschützenliste wurde, zur Seite: „Mario trainiert engagiert, er ist heiß und griffig, wir müssen ihm wieder mehr Vertrauen geben. Er ist bei uns eine Konstante, natürlich muss er auch den Beweis antreten."

Wenn er denn kann. Am Samstag wurde Gomez, der zum Zoff um ihn nichts sagen wollte, wegen Sprunggelenkblessur vorzeitig ausgewechselt, am Sonntag reiste er zurück nach München. Das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung steht noch aus.

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