Salihamidzic: "Lahm prägt eine Ära beim FC Bayern"

Bayern-Kapitän Philipp Lahm feiert am Dienstag seinen 31. Geburtstag. Im AZ-Interview gratuliert Hasan Salihamidzic dem Ex-Kollegen: "Ich habe gehört, dass es jetzt auch beim Schafkopf besser läuft..."
| Matthias Eicher
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Feiern die Meisterschaft 2006: Philipp Lahm, Hasan "Brazzo" Salihamidzic und die Bayern.
dpa Feiern die Meisterschaft 2006: Philipp Lahm, Hasan "Brazzo" Salihamidzic und die Bayern.

München - Hasan Salihamidzic hatte eine erfolgreiche Zeit beim FC Bayern: Der 37-Jährige spielte von 1998 bis 2007 in München und gewann 2001 die Champions League. Mittlerweile arbeitet er als TV-Experte. "Brazzo" bekam die Anfänge des jetzigen Bayern-Kapitäns Philipp Lahm hautnah mit und spricht im AZ-Interview über die Lahms Titelsammlung, seine Emotionsausbrüche und gratuliert dem ehemaligen Mannschaftskollegen.

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AZ: Herr Salihamidzic, erinnern sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Philipp Lahm?

HASAN SALIHAMIDZIC: Puh, das weiß ich nicht mehr genau. Aber das wird wohl auf dem Trainingsplatz gewesen sein...

Vermutlich im Jahr 2002, als Lahm ins Profi-Team der Bayern rückte...

Genau, bevor er zum VfB Stuttgart ausgeliehen wurde. Er war als Jungprofi ein bodenständiger und netter Kerl. Und genau so ist er immer geblieben.

Und in der Kabine? Sie waren ja früher kein Kind von Traurigkeit, um’s mal so auszudrücken. War er für Ihre Späße zu haben?

Auf jeden Fall, es war immer lustig mit ihm. Er ist einfach einer aus dem Volk, einer von uns. Im Bus haben wir immer Schafkopf gespielt. Der Jerry der Scholli und ich, mal der Uli (Jens Jeremies, Mehmet Scholl und Uli Hoeneß, Amn. d. Red.), mal der Thomas Linke. Damals hatte er was nachzuholen, aber ich hab’ gehört, dass es jetzt besser läuft bei ihm... (lacht)

In der Öffentlichkeit wirkt Lahm immer sehr kontrolliert und hat seinem Emotionen im Griff. Haben Sie es auch mal geschafft, ihn zu reizen?

Klar! Er konnte im Training auch mal Zähne zeigen, wenn man ihn provoziert hat. Da konnte er auch mal auch mal böse werden. Aber so muss das ja auch sein, sonst kannst du nichts erreichen im Profi-Fußball. Er ist ein super Junge. Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe. Wenn man mal zusammengespielt hat, bleibt das für ein ganzes Leben.

Haben Sie noch Kontakt?

Ja, wir haben öfter mal zusammen Golf gespielt. Getroffen habe ich ihn zum letzten Mal noch vor der WM. Ich freue mich immer, wenn wir uns sehen. Wir gehen aber nicht jede Woche los. Heute kannst Du es Dir auch gar nicht mehr leisten, hier ein Bierchen zu trinken, dort mal wegzugehen und so weiter. Man muss Vollprofi sein und das ist er.

A propos WM: Im Sommer hat Lahm neben fünf Meisterschaften, fünf DFB-Pokalsiegen und dem Champions-League-Titel die Weltmeisterschaft gewonnen. Besser geht’s kaum, oder?

Er hat mit seiner Karriere mehr erreicht, als sich jeder von uns und wohl auch er selbst je vorgestellt hat – das ist wirklich eine Bilderbuch-Karriere. Darauf darf er sehr stolz sein. Er prägt eine Ära bei den Bayern: Er ist schon ein Jahrzehnt dort und ist Kapitän. Das bei Bayern und Nationalmannschaft so durchzuziehen, da musst du schon bisschen was können. Und dann ist er nie verletzt. Ich weiß auch nicht, wie er das macht.

Einen Titel haben Sie allerdings öfter geholt als Lahm...

Stimmt, die Meisterschaft. Aber sein Weltmeister-Titel macht dafür einiges wett. Und das dürfte für ihn auch kein Problem sein. Mal sehen, wie lange er noch kann. Aber bestimmt lange genug, um mich da auch noch zu überholen.

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Mit dem WM-Sieg hat er seine Karriere im Nationalteam am Höhepunkt – und wie Sie in Bosniens Nationalelf im Altern von 30 Jahren – beendet. Den Schritt müssten Sie also nachvollziehen können.

Absolut. Ich hätte ihn gerne noch weiter im Nationaltrikot gesehen, aber ich weiß, dass er beim FC Bayern gefordert wird. die Belastung ist da einfach noch größer als bei anderen Vereinen. Ich habe auch mit 30 mit der Nationalmannschaft aufgehört, war allerdings viel öfter verletzt. Jetzt kann er mehr Zeit mit der Familie verbringen, seinen Sohn aufwachsen sehen. Die Familie hat bei mir dabei auch eine große Rolle gespielt.

Und die nächste Gemeinsamkeit: Sie haben auch mehrere Positionen gespielt. Lahm wurde von Pep Guardiola ins Mittelfeld versetzt. Wie schwer ist es, sich da anzupassen?

Es sind ganz andere Bewegungsabläufe. Das hat viel mit Spielintelligenz zu tun: Lahm ist ein super Fußballer, er versteht das Spiel, ist sehr zweikampfstark. Und technisch gut, beidfüßig, hat eine sehr gute Koordination. Da passt einfach alles. Man sieht das jetzt, wie er im Mittelfeld die Fäden zieht. Ohne ihm zu schmeicheln: Er kann alles!

Wie viele Jahre auf höchstem Niveau trauen sie ihm noch zu?

Es bringt viel, die Nationalelf wegzulassen. Ich denke, vier Jahre kann er noch machen, dann muss man sehen, wie der Körper reagiert. Ich habe mit 35 aufgehört, aber war viel öfter verletzt.

Und danach?

Es wird spekuliert, dass er in die Führungsetage der Bayern wechseln könnte. Das kann ich schwer beurteilen. Vielleicht hat er gar keine Lust. Wenn man so lange gespielt hat, braucht man womöglich auch mal eine Pause vom Fußball. Andererseits: Solche wie ihn braucht Bayern. Das muss er selbst wissen.

Was wünschen Sie Philipp Lahm denn zum seinem 31. Geburtstag?

Gesundheit. Alles andere hat er schon.

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