Rummenigge erzählt Beckenbauer-Anekdote über Breitner und Hoeneß: "Ihr zwei Deppen"
Sie waren bei den Gegnern gefürchtet und hatten bei den Fußball-Fans weit über München hinaus Legendenstatus: Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge (70), die ehrfurchtsvoll nur "Breitnigge" genannt wurden. An diesem Samstag wird Breitner nun 75 Jahre alt – und in der AZ gratuliert sein ehemaliger kongenialer Mitspieler Rummenigge.
"Als Paul 1978 zum FC Bayern zurückkam, wurde er für mich zum mit Abstand wichtigsten Mitspieler meiner Karriere", sagt Rummenigge voller Respekt und Anerkennung: "Wir haben uns auf dem Platz nahezu blind verstanden. Ein Blick genügte, und Paul wusste, wann ich startete und wohin er seinen langen Pass spielen musste. Diese Präzision war außergewöhnlich. Die Medien haben uns irgendwann 'Breitnigge' genannt – dieser Name hat eigentlich ziemlich gut gepasst."

Breitner hatte bereits von 1970 bis 1974 für Bayern gespielt, mit Deutschland wurde er 1974 in München Weltmeister. Danach ging es für den echten Bayer aus Kolbermoor zu Real Madrid und Eintracht Braunschweig, ehe er zu Bayern zurückkehrte. "Wir waren zeitweise sogar Zimmerkollegen, aber privat waren wir nie die engsten Freunde", erinnert sich Rummenigge: "Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis und großen Respekt voreinander. Auf dem Platz dagegen gab es zwischen uns eine Verbindung, wie ich sie mit kaum einem anderen Spieler erlebt habe."
Breitner galt als Revoluzzer, doch wollte er auch einer sein?
Zweifellos. Von keinem anderen Mitspieler wurde Rummenigge so zuverlässig wie von Breitner bedient. Gemeinsam mit Dieter Hoeneß bildeten sie ein magisches Dreieck. Was Breitner auch abseits des Platzes auszeichnete, war sein starker Charakter. Er ging immer seinen Weg, ließ sich nie verbiegen.
"Paul hatte sehr früh seinen Stempel weg: Mao-Bibel, Che-Guevara-Poster, die langen Haare – der Revoluzzer des deutschen Fußballs. Ich glaube aber gar nicht, dass er wirklich ein Revoluzzer sein wollte. Er wollte vor allem eines nie: sich vereinnahmen lassen", sagt Rummenigge: "Ein schweigender Paul wäre nicht Paul gewesen. Er hat gesagt, was er dachte, unabhängig davon, ob es ihm persönlich genutzt oder geschadet hat."

Rummenigge hätte Breitner nach der Karriere gerne bei Bayern gesehen
Vielleicht hat das Breitner auch den einen oder anderen Top-Job gekostet. "Paul hätte nach seiner aktiven Karriere meiner Überzeugung nach auch als Vizepräsident oder Trainer sehr viel bewirken können", glaubt Rummenigge: "Beim FC Bayern war er mehrfach für eine verantwortliche Position im Gespräch, und 1998 war er sogar kurzzeitig als neuer Bundestrainer vorgesehen. Dass daraus nichts geworden ist, finde ich bis heute schade. Denn Paul ist einer der größten Fußballfachleute, die ich kenne."
Und deshalb kann Breitner auf eine großartige Karriere zurückblicken. "Was ich an Paul immer besonders geschätzt habe: Er hat Menschen nie danach beurteilt, welchen Titel oder welche Position sie hatten", würdigt Rummenigge den Jubilar: "Er hatte ein Ohr für diejenigen, denen es nicht so gut ging, und sein langjähriges Engagement für die Münchner Tafel passt genau zu ihm. Paul war Weltklasse als Fußballer, manchmal unbequem, immer authentisch und vor allem immer sich selbst treu. Lieber Paul, ich wünsche Dir zum 75. Geburtstag vor allem Gesundheit – und bleib’ genau so, wie Du bist."

Wie Beckenbauer dafür sorgte, dass sich Hoeneß und Breitner wieder annäherten
Wichtig war für Breitner in den vergangenen Jahren die Versöhnung mit Uli Hoeneß. "Paul und Ulis Verhältnis war ja über Jahre belastet. Bei der Beerdigung von Gerd Müller saßen wir dann mit Franz Beckenbauer zusammen, und Franz sagte irgendwann in seiner unnachahmlichen Art: 'Wollt ihr zwei Deppen euch nicht langsam wieder vertragen?' Das war typisch Franz – und tatsächlich war das der Beginn einer Annäherung. Danach haben Uli, Paul und ich Franz regelmäßig in Salzburg besucht und gemeinsam mit ihm zu Mittag gegessen. Für mich war das sehr wichtig – denn am Ende saßen da vier Menschen zusammen, die über viele Jahre einen großen Teil der Geschichte des FC Bayern miteinander erlebt hatten. Und ich glaube – Paul hat es auch gefallen."
An diesem Samstag schaut Franz aus dem Himmel zu, wenn Paul Breitner seinen 75. Geburtstag feiert.

