Profiklubs bereiten sich auf Zuschauer-Rückkehr vor

Wie der FC Bayern haben mittlerweile alle Profiklubs Pläne hinsichtlich einer Zuschauer-Rückkehr in die Stadien erarbeitet. Das ist das Ergebnis der virtuellen Versammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL).
| sid/AZ
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
7  Kommentare Artikel empfehlen
Aktuell dürfen keine Fans in die Allianz Arena - auf die Rückkehr der Zuschauer sind die Bayern aber vorbereitet. (Symbolbild)
Aktuell dürfen keine Fans in die Allianz Arena - auf die Rückkehr der Zuschauer sind die Bayern aber vorbereitet. (Symbolbild) © imago images / Poolfoto

Frankfurt/Main - Christian Seifert führte seinen Kampf gegen die Furcht mit leicht verschwitztem Gesicht. "Natürlich darf man nicht leichtsinnig werden. Aber Angst vor dem, was passieren könnte, darf uns nicht lähmen", sagte der Boss der Deutschen Fußball Liga (DFL), als er am Donnerstag im heißen Scheinwerferlicht eines Frankfurter Hotelraums die Pläne des Profifußballs hinsichtlich einer Zuschauer-Rückkehr in die Stadien vehement verteidigte.

Nach dem virtuellen Treffen der 36 Klubchefs rund zwei Wochen vor dem Saisonstart gab Seifert zu Protokoll, dass mittlerweile alle Bundesligisten und Zweitligisten dem Beispiel von RB Leipzig gefolgt sind. "Alle Klubs haben Unterlagen erarbeitet und sind mit den Behörden im Gespräch", äußerte der DFL-Geschäftsführer, der von der "vermutlich anspruchsvollsten und schwierigsten Spielzeit in der Geschichte des Profifußballs" ausgeht.

FC Bayern: Bald wieder 24.000 Zuschauer in der Allianz Arena?

Auch der FC Bayern hat bereits ein detailliertes Konzept für eine Rückkehr der Zuschauer erarbeitet. Zusammen mit der Manchester Metropolitan University hat der deutsche Rekordmeister ein detailliertes Konzept zur Zuschauer-Rückkehr in die Allianz Arena ausgearbeitet. 

Das Konzept sieht vor, dass bis zu vier Personen, die sich kennen oder gemeinsam mit dem Auto angereist sind, auf der Tribüne nebeneinander sitzen können. Zwischen den jeweiligen Gruppen beziehungsweise Einzelpersonen würde dabei der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt bleiben. Durch die Öffnung von Rettungstreppen sollen Begegnungen im Parkhaus auf ein Minimum reduziert werden.

Schon vor der Versammlung am Donnerstag hatten die Reaktionen auf den bereits genehmigten Plan von RB gezeigt, dass sich der Profifußball bei diesem Thema in kaum gewohnter Einigkeit präsentiert. Der Vorstoß der Leipziger, die bei ihrem Bundesliga-Auftakt gegen den FSV Mainz 05 trotz der Corona-Pandemie vor 8.500 Fans auflaufen wollen, war von nahezu allen Seiten gelobt worden.

Seifert: Zuschauer-Rückkehr hätte Signalwirkung

"Die Fragen, ob Menschen in Bundesligastadien das falsche Zeichen ist, sind absolut berechtigt", gab Seifert zu, betonte aber auch: "Vielleicht hat aber eine andere Perspektive auch ihre Berechtigung. Nämlich, dass es ein wichtiges Zeichen ist. Ein Zeichen, dass sich Tausende Menschen an Verhaltensregeln halten wollen und können."

Dass sich die Klubs mit ihren Plänen nicht an den vorgesehenen Zeitplan der Politik halten, wonach eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien einen Vorschlag bis Ende Oktober präsentieren soll, scheint die Vereinsbosse kaum zu interessieren. Schon in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals (11. bis 14. September) werden Zuschauer in den Arenen sein.

Die große Mehrheit der Vereine will auch die Kröte der Wettbewerbsverzerrung aufgrund der regional unterschiedlichen Vorschriften schlucken, um den Trumpf des Fakten-Schaffens nicht aus der Hand zu geben. Für dieses Vorgehen plädierten unter anderem Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge von Bayern München und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund.

Für Seifert ist der Begriff Wettbewerbsverzerrung ohnehin "viel zu hoch geschossen": "Das trifft nicht den Kern, weil der Wettbewerb immer noch unter so außergewöhnlichen Voraussetzungen stattfindet." Dieser Meinung ist auch Vorstandsboss Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt: "Wir sind froh, dass wir überhaupt wieder Zuschauer in den Stadien haben."

Söder: Fan-Rückkehr "wäre ein schlechtes Signal"

Kritik an den Fußball-Plänen übten dagegen Fanvertreter und zahlreiche Politiker. "Jetzt wieder Fußballspiele mit Fans zu erlauben, während gleichzeitig die Infektionszahlen steigen, wäre ein schlechtes Signal", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder der "Passauer Neuen Presse": "Ein Verein mit Fans, die anderen ohne - das kann weder im Sinn der Liga noch des Sports sein."

Der CSU-Chef forderte deshalb wie zuvor bereits Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) "einheitliche Regeln" für die Bundesliga. Deutschlandweit geltende Vorschriften will die DFL auch. Das wäre schließlich für die Präsentation des Produkts hilfreich. "Grundsätzlich begrüßen wir, dass bundeseinheitliche Regeln getroffen werden sollen", sagte Seifert.

Einigkeit gab es am Donnerstag bei zwei Themen. So werden den Mannschaften auch in der kommenden Saison fünf Auswechslungen zur Verfügung stehen. Zudem gab es grünes Licht für das überarbeitete Hygienekonzept. Rund um den Spielbetrieb wird künftig beim Corona-Testungsschema eine Gliederung in drei Stufen der Pandemie-Aktivität vorgenommen werden. Laut Seifert wird der Profifußball etwa 3500 Tests pro Woche benötigen.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 7  Kommentare – mitdiskutieren Artikel empfehlen
7 Kommentare
Artikel kommentieren