Patzer mit Folgen: Neuer und Alaba wanken gegen PSG

Neuer patzt, Alaba wackelt - zwei eigentliche Säulen des FC Bayern zeigen beim 2:3 gegen Paris äußerst ungewohnte Schwächen. Flick verteidigt seinen Torhüter vehement: "Er ist der Beste auf der Welt."
von  Julian Buhl
Zeigten sich gegen PSG nicht von ihrer besten Seite: Alaba (l.) und Neuer. (Archivbild)
Zeigten sich gegen PSG nicht von ihrer besten Seite: Alaba (l.) und Neuer. (Archivbild) © Stefan Matzke/sampics/Pool via Peter Schatz (Stefan Matzke/sampics/Pool)

München - In den 90 Minuten zuvor schenkten sie sich gegenseitig nichts. Unmittelbar nach dem 2:3des FC Bayern gegen Paris Saint-Germain war die auf dem Platz ausgetragene Rivalität aber Vergangenheit.

Benjamin Pavard, der seine Fußballschuhe schon gegen Badelatschen getauscht hatte, und Kylian Mbappé, der mit einem Doppelpack zum Bayern-Schreck avanciert war, umarmten sich. Die beiden französischen Weltmeister wechselten noch ein paar Worte, bevor es zu den nächsten Interviews am Spielfeldrand ging. Auch mit Eric Maxim Choupo-Moting, seinem ehemaligen Teamkollegen bei PSG, klatschte Mbappé, der die Man-of-the-Match-Trophäe mit sich rumtrug, auf dem Weg zur nächsten TV-Station noch ab und tauschte sich kurz aus. Auch wenn sie ihren Kumpel zuvor nicht stoppen konnten, an Pavard und Choupo-Moting war die Niederlage der Münchner am Allerwenigsten festzumachen.

Anzeige für den Anbieter Sky Fluid über den Consent-Anbieter verweigert

Sie gehörten gemeinsam mit Thomas Müller und Joshua Kimmich noch zu den besten Bayern. Pavard bereitete Choupo-Motings Kopfballtreffer zum 1:2 mit perfekter Flanke vor. Der Neuzugang, von PSG gekommen, gefiel als Vertreter des verletzten Robert Lewandowski, sein zweites Kopfballtor verhinderte nur die Latte (2.). Müller trieb sein Team unentwegt an und traf per Kopf zum zwischenzeitlichen 2:2 - der deutsche Champions-League-Rekordspieler (123 Einsätze) erzielte damit sein 48. Königsklassentor. Kimmich kreierte alleine zehn (!) Torchancen. Die vier hielten Bayerns Hoffnung auf den Halbfinaleinzug noch am Leben und gehörten deshalb zu Recht nach dem Spiel zu den gefragtesten Gesprächspartnern.

Neuer und Alaba gaben keine Interviews

Manuel Neuer und David Alaba waren da längst wortlos in den Katakomben der Arena verschwunden, nachdem ausgerechnet die beiden Säulen des Sextuple-Siegers bei der Final-Revanche gegen PSG mächtig ins Wanken geraten waren. Neuer, der im Champions-League-Endspiel (1:0 für Bayern) noch schier unüberwindbar schien und dessen Mitwirken der damalige PSG-Trainer Thomas Tuchel anschließend als "Wettbewerbsverzerrung" bezeichnet hatte, leistete sich einen seiner sehr seltenen Patzer. Umso schwerer fiel es ins Gewicht, dass ihm Mbappés erster Schuss durch die Beine ins Tor flutschte.

"Das war aus kurzer Distanz. Als Torwart sieht man da schlecht aus, aber Manu hat schon so viele Bälle für uns gehalten. Er ist ein Weltklasse-Torhüter, der Beste auf der Welt", verteidigte Bayern-Coach Hansi Flick seine Nummer eins vehement und verwies auch auf den schneeregennassen Ball und Rasen: "Das ist eine Sache, die man vorher hätte verteidigen können." Dass er mit der indiskutablen Abwehrleistung seiner Mannschaft insgesamt alles andere als zufrieden war, daraus machte Flick aber keinen Hehl. "Wir haben auch Fehler gemacht, die schmerzen ganz besonders, alle drei Tore waren zu verhindern", sagte er. Müller hatte Ähnliches beobachtet und meinte: "Wir haben uns bei den Gegentoren sicher nicht super angestellt."

Das galt auch und vor allem für Abwehrchef David Alaba, der später ins Mittelfeld vorrückte. Wie beim 0:1 ließ der sich mehrfach viel zu einfach von Neymar, Mbappé und Co. überspielen. Auch beim 2:3, als Jérôme Boateng Mbappés Schuss durch die Beine bekam, kam der Österreicher zu spät. Der nach dem feststehenden Abschied vom FC Bayern weiter offene Poker um seinen neuen Verein scheint nicht spurlos an Alaba vorüberzugehen. Das glaubt zumindest sein Landsmann Andreas Herzog. "Wo er landen wird, steht in den Sternen", sagte der Ex-Bayern-Star bei Sky, "nach dem langen Hin- und Her muss jetzt mal eine vernünftige Lösung her. Das ist auch wichtig für seine Leistung auf dem Feld in der entscheidenden Saisonphase."