Neuers Abschiedstournee: Fußschmerz und die große Frage nach der Nummer 1

Manuel Neuers unklare Fußverletzung verschärft die Torwartfrage beim FC Bayern: Kronprinz Jonas Urbig sammelt Bewährungschancen, während Ex-Keeper wie Jens Lehmann und Oliver Kahn Zweifel an seiner Eignung als dauerhafte Nummer eins bei Bayern und in Klopps Nationalteam anmelden.
Patrick Strasser |
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Der verletzte Bayern-Kapitän Manuel Neuer sitzt im Trainingsanzug auf der Bank – seine Zukunft im Tor und der Zeitpunkt des Comebacks bleiben offen.
Der verletzte Bayern-Kapitän Manuel Neuer sitzt im Trainingsanzug auf der Bank – seine Zukunft im Tor und der Zeitpunkt des Comebacks bleiben offen. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg

Die Uhr tickt – für Manuel Neuer. In seinem letzten Vertrags- und Karrierejahr beim FC Bayern. Auch kurzfristig wegen seiner Fußverletzung. Wann kann der 40-Jährige nach seiner Fußverletzung wieder ins Tor? Gegen RB Leipzig am Samstag (18.30 Uhr, Sky) sicher nicht. Am Donnerstag und Freitag konnte Neuer nur individuell trainieren, blieb im Leistungszentrum. "Es ist etwas am Fuß. Er soll ein besseres Gefühl bekommen und trainieren, wenn er kann“, sagte Trainer Vincent Kompany am Freitagvormittag an der Säbener Straße: Klingt nicht danach, als wäre es nur eine Frage von Stunden …

Unklare Diagnose und Erinnerungen an frühere Fußbrüche

Der Verein hat seit Anfang der Woche keine konkrete Verletzung kommuniziert. Vor dem Champions-League-Spiel in Stavanger (3:3) sprach Kompany davon, dass "es nicht so schlimm“ und "eigentlich gar keine richtige Verletzung“ sei. Dafür zieht es sich ganz schön. Und wenn bei Neuer (Foto: dpa) und dessen Verletzungsgeschichte von einer Fußverletzung die Rede ist, stöhnen die Fans laut auf. Denn zwischen Frühjahr und Herbst 2017 brach sich Neuer dreimal innerhalb kurzer Zeit den linken Mittelfuß. Der dritte Bruch, ein Haarriss an derselben Stelle im linken Fuß, bedeutete eine monatelange Pause, die ihn beinahe die WM-Teilnahme 2018 kostete.

Aktuell ist die Situation anders. Man ist sehr vorsichtig, will angesichts der Anzahl der englischen Wochen mit Spielen alle drei, vier Tage "kein unnötiges Risiko nehmen, wenn er sich nicht zu 100 Prozent gut fühlt“, wie Kompany in Norwegen sagte. Und man hat ja Jonas Urbig. Den Stellvertreter und Kronprinzen, der nach Neuers Karriereende im kommenden Sommer ohnehin die Nummer eins wird. Wenn er jetzt schon – auch in kniffligen Spielen wie in Stavanger und nun gegen Leipzig – Erfahrungen sammelt, umso besser. Urbig (23) als künftige Nummer eins bei Bayern und in der Nationalmannschaft, nachdem ihm Bundestrainer Jürgen Klopp Anfang Oktober in gleich zwei Nations-League-Partien Spielpraxis verschafft hatte?

Manuel Neuer (l.) und sein designierter Nachfolger Jonas Urbig:  Beim FC Bayern tickt die Uhr für den verletzten Kapitän, während der junge Kronprinz Erfahrung sammelt.
Manuel Neuer (l.) und sein designierter Nachfolger Jonas Urbig: Beim FC Bayern tickt die Uhr für den verletzten Kapitän, während der junge Kronprinz Erfahrung sammelt. © IMAGO/Nordphoto / Hafner

Lehmann zweifelt an Urbigs langfristiger Rolle als Nummer eins

"Ich glaube nicht, dass Urbig auf Dauer die Nummer eins bei Bayern München wird, weil er zu jung ist“, sagte Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann in der Sky-Sendung "Triple – der Hagedorn-Fußballtalk“ und erklärte seine Sicht der Dinge so: "Er ist ein großes Talent, aber in der Regel ist das schwierig, als Nummer zwei im bequemen Windschatten einer Weltklasse-Nummer-eins selbst die Nummer eins zu werden.“ Lehmann, 2008 Vize-Europameister, sagte weiter: "Er spielt ab und zu, aber da ist noch so etwas wie sein Vater. Der ist noch da, der löscht mal einen Brand, aber ansonsten kann er sich hier entfalten.“ Kommende Saison, ohne Platzhirsch Neuer, ändere sich die psychologische Ausgangslage, so Lehmann: "Es ist etwas total anderes, wenn er auf einmal jedes Spiel machen muss. Oder wenn da vielleicht jemand ist, den man auch noch verpflichtet, der ihm Feuer gibt und auch spielen will.“

Die Bayern-Bosse suchen für die Zeit nach der Ära Neuer und dem wahrscheinlichen Parallel-Rücktritt des ewigen Ersatzkeepers Sven Ulreich (38) im Sommer 2027 eine erfahrene Nummer zwei hinter Urbig. Kandidaten sind Bernd Leno (34/FC Fulham), Finn Dahmen (28/Augsburg) und Daniel Heuer Fernandes (33/HSV). Bayern-Legende Oliver Kahn, Vizeweltmeister 2002, der bei Urbig "gute Spiele“ und "Talent“ ausmacht, sagte bei Sky: "Die Nummer eins zu sein bedeutet, es gibt keinen Manuel Neuer mehr und man hat die vollkommene Verantwortung. Das ist eine ganz andere Situation. Solange die Konstellation so ist, kann ich nicht sagen, ob Urbig wirklich die Qualität hat, die Nummer eins bei Bayern München zu sein.“

Alte Torwart-Helden, junge Kronprinzen und die Frage nach Klopps Nummer eins

Die Ex-Keeper zweifeln. Wohl auch, weil ihr persönlicher Weg – ob beim Karlsruher SC oder Bayern, ob bei Schalke, Dortmund oder Arsenal – steinig und schwer war. Alte Helden sehen junge Überflieger-Hüpfer meist besonders kritisch.

Wer wird nun die Nummer eins bei Klopp? Marc-André ter Stegen (34/Ajax Amsterdam) oder doch schon Urbig? Lehmann findet: "Ich glaube, er wird nochmal einen Umweg gehen müssen.“ Als Lehrling, als Nummer zwei – wie aktuell bei Bayern. In Urbigs Fall tickt die Uhr auch. Aber ihm läuft die Zeit nicht davon.

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