Neuer fehlt in Stavanger: FC Bayern setzt auf Kronprinz Urbig

Manuel Neuer reist mit dem FC Bayern nach Stavanger, bleibt dort aber nur Zuschauer. Plötzlich rückt Kronprinz Jonas Urbig in den Fokus – während Klubbosse und Vereinsikonen Neuers Status als unantastbare Nummer eins vehement verteidigen.
Patrick Strasser |
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Manuel Neuer (l.) mit seinem Stellvertreter Jonas Urbig nach dem Remis in Augsburg.
Manuel Neuer (l.) mit seinem Stellvertreter Jonas Urbig nach dem Remis in Augsburg. © IMAGO/Benedict Christ

Er flog mit nach Stavanger – und blieb dann im Mannschaftshotel "Radisson Blu Atlantic". Für Manuel Neuer war es somit eine gebrauchte Dienstreise nach Norwegen. Beim Abschlusstraining vor Ort auf Kunstrasen in der Lyse Arena von Stavanger war der Bayern-Torhüter nicht dabei.

Kompany erklärt Neuers Schonung

"Manu hat nach dem Augsburg-Spiel etwas am Fuß gespürt. Dann weiß man nie, wie lang das dauern wird", klärte Trainer Vincent Kompany am frühen Montagabend auf und sagte: "Ich glaube nicht, dass es so schlimm ist. Eigentlich ist es gar keine richtige Verletzung. Er hat am Montag und Dienstag nicht trainiert. Daher macht es keinen Sinn in dieser Phase der Saison, ein unnötiges Risiko zu nehmen, wenn er sich nicht zu 100 Prozent gut fühlt."

Nun spielt Jonas Urbig am Dienstag (21 Uhr, Prime Video) – wie ursprünglich angedacht. "Manu ist hier, weil sich die Situation so entwickelt hat", sagte Kompany, "wir dachten, er kann trainieren." Der dritte Mann, Sven Ulreich, ist auch im Kader, bei Champions-League-Reisen nehmen die Münchner stets drei Torhüter mit.

Somit kann sich Neuer schonen, auskurieren und muss sich nicht – wie einst in der Jugend – auf Kunstrasen hinschmeißen. Ist ja auch besser für die Gelenke des 40-Jährigen. "Mit Jonas sind wir im Plan", betonte Kompany, "jede Minute ist gut für seine Entwicklung." Und wer weiß, wie lange Neuer am Ende ausfällt. Ausgerechnet jetzt. War sein haarsträubender Patzer, den Robin Fellhauer am Samstag zur Führung des FC Augsburg gegen die Bayern (2:2) nutzte, ein weiterer, diesmal ziemlich dicker Kratzer an seinem Denkmal?

Eberl stärkt Neuer den Rücken

"Für uns gibt es da gar keine Zweifel an Manu", sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl am Montagvormittag und betonte: "Manu ist unsere Nummer eins und wird es auch bleiben. Und was dann in Zukunft passiert, wird man sehen."

Ein Patzer mit Folgen? Nicht, wenn es nach Max Eberl (r.) geht: Der Sportvorstand des FC Bayern stellt klar, dass die Bosse keine Sekunde an ihrer Nummer eins Manuel Neuer zweifeln.
Ein Patzer mit Folgen? Nicht, wenn es nach Max Eberl (r.) geht: Der Sportvorstand des FC Bayern stellt klar, dass die Bosse keine Sekunde an ihrer Nummer eins Manuel Neuer zweifeln. © IMAGO/Ulrich Wagner

Die Verantwortlichen bemühen sich intensiv, ihren Kapitän und Torhüter mit warmen Worten zu streicheln. Zu eiskalt war die 8,4-Sekunden-Dusche für den Weltmeister von 2014. "Das war natürlich unglücklich. Aber Manuel Neuer war und ist einer der besten Torhüter der Welt", sagte Bayern-Präsident Hainer bei "Bild-TV" und fügte hinzu: "So ein Fehler kann immer passieren." Eine Alterserscheinung? Nein, nein, so Hainer. Der 40-jährige Neuer sei "fit wie ein Turnschuh. Er muss das abhaken, das macht er auch. Wir sind froh, dass wir ihn haben."

Rückendeckung von Hoeneß und der Vereinsführung

Für Uli Hoeneß, den Ehrenpräsidenten und Vereinspatron, läuft Neuers Zeit noch nicht ab. "Nein, ganz und gar nicht", sagte er, "jeder darf hin und wieder mal einen Fehler machen."

Der Legenden-Status von Neuer soll unantastbar bleiben, obwohl in Jonas Urbig der designierte Kronprinz längst auserkoren ist. Der scheint momentan das Momentum auf seiner Seite zu haben. Der 23-jährige Urbig entwickle sich "herausragend", so Eberl, "Manu hat einen sehr, sehr großen Anteil daran und ist trotzdem unsere Nummer eins." Ob Urbig, der mittlerweile zwei Länderspiele gemacht hat, in der Nationalelf die Nummer eins wird, bevor er nach Neuers Rücktritt zum Saisonende beim FC Bayern aufrückt?

Matthäus sieht Urbig auf dem Weg zur Doppel-Nummer-eins

DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus imponiert bei Urbig "die Art und Weise, wie er Fußball spielt – mit einer Leichtigkeit fängt er die Bälle ab. Das ist alles so ein bisschen Manuel Neuer. Ich glaube, dass Urbig sehr viele Einsatzzeiten bekommt in dieser Saison. Im Hinblick auf die EM 2028 hat er alle Voraussetzungen, in beiden Mannschaften die Nummer eins zu werden. Er lernt jetzt noch von Manuel Neuer und irgendwann löst er ihn ab, ob es noch im Laufe dieser Saison ist oder dann spätestens nach dieser Saison." Urbig, zweigleisig auf der Überholspur.

Stars gegen den Underdog Viking schonen – an die Maßnahme von Kompany glaubt Eberl nicht: "Dass er jetzt per se sagt: Kunstrasen, ich lasse den und den draußen – das habe ich bis jetzt nicht gehört." Verlieren verboten in Stavanger – no way in Norway!

Schließlich wollen die Münchner in die Top acht der 36er-Tabelle und damit die Playoffs vermeiden. Eberl: "Wir müssen und wollen das Spiel gewinnen. Dieses neue Modell bedeutet: Du musst immer deine Punkte machen."

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