Nach Triumph bei Real Madrid: FC Bayern nimmt historischen Rekord ins Visier

Durststrecke beendet, hoch die Tassen! Die Stimmung auf dem Bankett für die Sponsoren und Vips war gelöst als die Mannschaft des FC Bayern, die Fluchbesieger des Bernabéu-Stadions, nach Mitternacht in den Festsaal des Hotels "Four Seasons" in der Innenstadt von Madrid eintraf.
Triumph in Madrid, aber nur "erste Halbzeit"
"Wir haben hier das erste Spiel seit 25 Jahren gewonnen. Damals, 2001, war es Giovane Elber mit dem 1:0 und heute diese Mannschaft mit 2:1", begann Bayerns Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen seine Rede und wurde von tosendem Applaus unterbrochen. Doch dieser Triumph sei "nur die erste Halbzeit" des Viertelfinals, sagte Sportvorstand Max Eberl.
Bei aller Freude und aller Euphorie: Ja, es gibt tatsächlich noch ein Rückspiel – kommenden Mittwoch in der Allianz Arena (21 Uhr, DAZN). Man habe, so Dreesen, "eine fantastische Ausgangslage, über die wir sehr zufrieden sein dürfen". Der CEO der Münchner schickte eine Warnung hinterher. "Wir führen erst 1:0." Und Real – auch dieses Real? Habe laut Dreesen die Qualität, ein solches Spiel jederzeit zu drehen.
Zwischen Euphorie und Warnungen vor dem Rückspiel
Das Hinspiel sei nur der "erste Schritt" gewesen, betonte ein weiterer Mahner, der Matchwinner Manuel Neuer. Auf uns, sagte der Kapitän und Torhüter, "wartet noch ein hartes Stück Arbeit". In Madrid zieht man sich nach der ersten Pleite gegen die Bayern nach zuvor neun Partien ohne Niederlage längst an Plattitüden hoch. "Wenn eine Mannschaft in München gewinnen kann", meinte Real-Coach Álvaro Arbeloa, "dann ist es Real Madrid." Doch in der Allianz Arena, glaubt Neuer, werde "die Stimmung vor unseren Fans noch besser sein als hier".

Kontrastprogramm: Bundesliga-Alltag am Millerntor
Vor dem zweiten europäischen Festakt, einer womöglich erneuten Gala dieser Hochglanz-Bayern, müssen die Münchner am Samstag in der Bundesliga beim FC St. Pauli antreten, bei einem Abstiegskandidaten. Aufm Kiez. Anderes Milieu, anderer Gegner. Sämtliche drei Duelle seit dem Wiederaufstieg der Hamburger 2024 verliefen mühsam, eng. 1:0 auf St. Pauli im November 2024. Im letzten Jahr gewann Bayern in der Arena von Fröttmaning mit 3:2 bzw. 3:1 (nach Rückstand). Da sind andere Tugenden gefragt. Und andere Spieler.
Vincent Kompany muss rotieren, wird rotieren. Nach den zahlreichen vergebenen Chancen in Madrid könnte der Bayern-Trainer das Pauli-Spiel nutzen, um bei den Offensiv-Stars für bessere Laune zu sorgen. Zwar trafen Luis Díaz und Harry Kane im Bernabéu, dennoch vergaben die Münchner teils leichtfertig einen höheren Erfolg. War dieses 2:1 in einem Viertelfinal-Hinspiel bei Real in Sachen Torausbeute gar zu wenig? "Wir haben auswärts in Bernabéu gewonnen", betonte Eberl und sagte: "Das schaffen nicht so viele."
Jagd auf den historischen Torrekord
Bei ein wenig verbesserter Chancenverwertung winkt am Millerntor der neue Allzeit-Torrekord der Bundesliga-Historie. Noch ein Treffer, das wäre der Einhunderterste, zur Egalisierung des Rekordes aus der Gerd-Müller-Ära (Saison 1971/72). Noch zwei zur angestrebten neuen Bestmarke von 102.
Aber wen schont Kompany auf St. Pauli fürs Real-Rückspiel? Er könnte bis auf Joshua Kimmich, der will doch immer nur spielen, eine ganze Elf austauschen. In der Offensive freuen sich Jamal Musiala sowie Lennart Karl und Nicolas Jackson (letztere kamen in Madrid nicht zum Einsatz) auf ihre Chance. So könnten die nimmermüden Díaz und Michael Olise ebenso pausieren wie der zuletzt angeschlagene und sichtbar noch nicht wieder zu 100 Prozent fitte Torjäger Kane. Auch Alphonso Davies (20-Minuten-Einsatz in Madrid) sowie Leon Goretzka, Tom Bischof (beide lediglich in der Nachspielzeit eingewechselt) sowie Hiroki Ito, Raphaël Guerreiro und Min-jae Kim sind am Samstag Kandidaten für die Startelf.
Rotation mit Blick auf Real und die Ziellinie
Der 2:1-Erfolg in Madrid zeige, "dass wir viel schaffen können", hob Trainer Kompany hervor. Diesen "Glauben" müsse die Mannschaft nun "mitnehmen in das nächste Spiel". Für die Überquerung der Ziellinie beim neuen Torrekord. Aufm Kiez.