Nach Maßnahme von FC-Bayern-Trainer Kompany: Elversberg-Coach lacht sich "kaputt"

Fünf Tage nur trennen die beiden Vincents. Darauf wies ein Reporter der Saarbrücker Zeitung die Trainer hin, als sie sich in einem provisorischen Container auf dem Parkplatz neben der Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde aufs Podium zur Pressekonferenz gesetzt hatten. Geboren 1986, der Elversberger Trainer Wagner am 5. April. Der Münchner Coach Kompany am 10. April.
FC Bayern fehlte in der ersten Hälfte die Energie
Sie blickten sich an, nickten sich zu. Ach, echt? Zwei Widder, zwei Vincents. Und zwei Gewinner. Trotz des 2:1-Erfolgs der Bayern beim Aufsteiger. Kompany lobte die Gastgeber und den freundlichen Empfang am Hotel und im Stadion. Selten war eine Atmosphäre in einem Bundesliga-Stadion so wenig Anti-Bayern wie hier in Spiesen-Elversberg.
Oder war das alles nur ein Trick der Saarländer, um den schier übermächtig erscheinenden Rekordmeister einzulullen? In Halbzeit eins schienen die Münchner mehr Respekt vor den mit zwei Siegen an den ersten beiden Spieltagen gestarteten Elversbergern zu zeigen als umgekehrt. Den Bayern fehlte die Energie.
Kompany wechselt nach Ausgleich vierfach
Drei Tage nach dem 5:0 zum Champions-League-Auftakt gegen Bodö/Glimt sprach Kompany von einem "gefährlichen Spiel", sagte: "Mental waren wir am Anfang einen Schritt zu langsam. Es darf nicht passieren, dass eine Halbzeit verloren geht." Nach 45 Minuten führten die Bayern dank des Treffers von Lennart Karl mit 1:0. Andere Anspruchswelten.
Wenig Torgefahr, ein geringeres Tempo. Mangelndes Passspiel, fehlende Zweikampfhärte. Als die mutigen Hausherren den Ausgleich erzielten, reichte es Kompany. Er brachte mit Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Luis Díaz und Alphonso Davies vier Neue. Als würde ein Eishockey-Trainer die erste Reihe bringen, die er zuvor geschont hatte. Im Grunde genommen unfair.

Kane lobt Elversberg für gute Leistung
"Mit dem Vierfachwechsel rollte der bayerische Zorn auf uns zu", meinte Wagner und fügte hinzu, er habe sich an der Seitenlinie "kaputtgelacht". Weltstar Harry Kane erledigte dann die tapferen Underdogs aus dem 13.000-Einwohner-Dorf im 9.300-Zuschauer-Stadion mit einem Weltklasse-Tor. Es wehte ein Hauch von Ballon d'Or durch den kleinsten Bundesliga-Standort, den es bisher gab.
"Das war nicht einfach, sie sind eine gute Mannschaft", sagte Kane, "wir haben unser höchstes Niveau noch nicht erreicht." Schon beim 0:0 auf Schalke, einem anderen Aufsteiger, hatte sich der Double-Gewinner erstaunlich schwergetan. Noch ein Spiel (am Freitag gegen Union Berlin) haben die Bayern bis zur ersten Länderspiel-Pause, diese Saison erstmals drei Wochen lang.
Das war nicht einfach, sie sind eine gute Mannschaft.
Rotation des FC Bayern fußt auf Weitblick
Kommt die Souveränität und die Tor-Leichtigkeit der vorigen Saison dann im Oktober tatsächlich zurück? Kompany wirkte entspannt, sagte: "Es zählt immer alles, nicht nur die drei Punkte. Aber das war heute die Priorität für uns. Am Ende kann ich diesen Sieg trotzdem schätzen." Was hilft schon die schönste Frühform? Auch Erkenntnisse wie die von Elversberg können auf dem Weg zum Triple wichtig werden.
"Die Jungs, die sich das von der Bank angeschaut haben, haben auch gesehen, was fehlt", sagte er, "das ist manchmal ein Luxus, wenn man reinkommt." Innerbetrieblicher Anschauungsunterricht. Seine Rotation mit sieben Neuen fußt auf Weitblick. Die Saison ist noch lang. "Die Jungs, die reinkamen, hatten mehr Energie und waren im Eins-gegen-eins direkter", fand Kane, der glücklich war, dass man nun zu viel mehr Torchancen kam, zwingender, zielstrebiger war.

Eberl zieht Lehren aus Spiel gegen Elversberg
Daher warnte Sportvorstand Max Eberl: "Gewonnen - das ist das Allerwichtigste. Aber die Lehre ist auch, dass es mit ein bisschen weniger auch echt gefährlich werden kann." Die Mannschaft habe "einen Touch zu wenig gemacht" nach dem 1:0. "Man sieht, wie intensiv dieses Spiel geworden ist und dann ist es egal, ob es Elversberg, Dortmund, Real Madrid ist: Du musst immer an deine 100 Prozent kommen."
Gefährliche Siege – in dieser Welt würde der andere Vincent, der Wagner, gerne leben. Der Coach der "Elv" lehnte Glückwünsche trotz der starken Leistung ab, meinte: "Um Gottes Willen, wir haben verloren. Nah dran ist die Schwester von Sch...."