Nach erneutem DFB-Debakel: Diese vier Bayern-Stars könnten Deutschlands Zukunft prägen

Diese Mannschaft hat eine Perspektive. Sagte man – damals. Es war ja auch eine Perspektiv-Mannschaft, die Bundestrainer Joachim Löw im Sommer 2017 zum Confed-Cup nach Russland mitnahm. Zur Generalprobe für die WM ein Jahr darauf.
Gibt's jetzt nicht mehr – dieses Turnierchen und eine DFB-Mannschaft mit Perspektive. Das damalige Team um Kapitän Julian Draxler begeisterte mit ihrer jugendlichen Leichtigkeit und Unbekümmertheit, gewann vier von fünf Partien, holte den Pokal.
Unter Klopp: Vier FC-Bayern-Talente könnten die EM 2028 prägen
In Löws Kader neben drei 2014-Weltmeistern (Matthias Ginter, Shkodran Mustafi und Draxler): Sieben Spieler, die auch im Kader der EM 2016 gestanden hatten – damals erreichte der amtierende Weltmeister immerhin das Halbfinale, verlor gegen Gastgeber Frankreich. Ein HALBFINALE! So weit kam kein DFB-Team in den fünf darauffolgenden Turnieren, das Viertelfinale bei der Heim-EM 2024 war das höchste der Gefühle.
Vor neun Jahren auch dabei: Joshua Kimmich, Antonio Rüdiger, Leon Goretzka. Drei der Sechzehntelfinal-Verlierer. Zur einst als Generation Gold gehypten Gruppe zählten auch Leroy Sané und Serge Gnabry, der von Bundestrainer Julian Nagelsmann für diese WM nominiert worden wäre, hätte er sich nicht im April einen Ausriss der Adduktoren am Oberschenkel zugezogen. Die Vertreter der Jahrgänge 1995/96 konnten wenigstens mit dem FC Bayern einen großen Triumph einfahren, gewannen 2020 die Champions League. Im DFB-Team? Ebbe!
Hummels: "Auf Spielerseite kann ich mir vorstellen, dass einige von sich aus zurücktreten"
"Es ist für mich kein Zufall, dass seit der EM 2016 kein einziges starkes Turnier mehr dabei war. Wir reden von einem Jahrzehnt", meinte Mats Hummels, Experte bei MagentaTV. Der frühere Nationalspieler, in Brasilien 2014 Weltmeister, fügte – ohne Namen zu nennen – hinzu: "Auf Spielerseite kann ich mir schon vorstellen, dass einige von sich aus zurücktreten werden, und dann, glaube ich, muss es Entscheidungen geben, dass auch Spieler, die vielleicht erst Anfang 30 sind, jetzt aber schon vier, fünf, sechs Turniere ihre Chance hatten, für Deutschland gute Ergebnisse zu erzielen, dass man da auch ran muss."

Beim möglichst radikalen Neuaufbau unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp, der nach der zeitnahen Entlassung von Nagelsmann übernehmen soll. Klopp, der Entert(r)ainer, in einer Person Fußball-Erklärer, Motivationsredner und Reizfigur muss eine hungrige Perspektiv-Mannschaft aufbauen und für Aufbruchstimmung mit Blick auf die EM 2028 in Großbritannien und Irland sorgen. Auf wen könnte Klopp bei der Operation "Junge Wilde" bauen? Vier Spieler des FC Bayern dürften in den kommenden Jahren zentrale Rollen im DFB-Team übernehmen.
Nathaniel Brown wird beim FC Bayern weiter reifen
Tor: Jonas Urbig (22) vom FC Bayern dürfte bei der EM in zwei Jahren die Nummer eins sein. Dahinter Elfmeterkiller Noah Atubolu (24), dessen Wunschziel die Premier League ist, und Mio Backhaus (22), von Werder Bremen nach Freiburg gewechselt.

Abwehr: Der Mittelfranke Finn Jeltsch (19/VfB Stuttgart) könnte einer der Innenverteidiger der Zukunft sein – und von den erfahrenen Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah lernen. Nathaniel Brown (23) wird durch seinen Wechsel von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern weiter reifen und bald gesetzt sein als Linksverteidiger. Und rechts hinten? Puh! Ridle Baku vom VfL Wolfsburg? Ist schon 28 Jahre alt. Zu beobachten: die Entwicklung von Frankfurts Talent Elias Baum (20).
Hinter Woltemade lauert Tresoldi
Mittelfeld: Neben Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic, die nach ihrem jeweils ersten Turnier (mindestens) eine zweite Chance verdient haben, drängen Bayer Tom Bischof (21) mit seinem starken linken Fuß und der flexible Assan Ouédraogo (20) ins Team. Der Leipziger war von Nagelsmann nachnominiert worden, wurde allerdings als einziger Feldspieler nicht eingesetzt. Und was wird eigentlich aus Kapitän Kimmich, der "nicht aufgeben will"?

Flügelspieler: Die Entdeckung der vergangenen Saison, Lennart Karl (18), gehört die Zukunft als Rechtsaußen - vor der WM war er kurzfristig ausgefallen. Zu Florian Wirtz und Jamal Musiala kommen freche Talente wie Said El Mala (19/noch beim 1. FC Köln) und Brajan Gruda (22), in der Rückrunde von Brighton an Leipzig ausgeliehen.
Sturmspitze: Hinter Nick Woltemade lauert als Herausforderer U21-Nationalstürmer Nicolò Tresoldi (21) vom FC Brügge.