Markus Babbel: „Philipp Lahm hat jetzt 300 Prozent mehr Lebensqualität“

Markus Babbel tritt am Samstag mit den Allstars des FC Bayern gegen Man United an. In der AZ spricht er über die Partie, das Debakel 1999, den Rücktritt von Lahm aus der Nationalelf und mögliche Nachfolger.
| Rainer Nachtwey
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Markus Babbel im AZ-Interview
Ron Stoklas Markus Babbel im AZ-Interview

AZ: Herr Babbel, Sie werden beim Legendenspiel gegen die Manchester United Legends für die FC Bayern Allstars auflaufen. Wie groß ist die Vorfreude, wieder im Bayern-Trikot aufzulaufen?

Markus Babbel: Die Vorfreude ist auf jeden Fall da. Allein schon, weil man die alten Kameraden wieder sieht. Nicht nur auf Bayern-Seite, sondern auch von Manchester United. Mit Andy Cole und Dwight Yorke habe ich noch bei Blackburn zusammen gespielt. Da freut man sich einfach, wenn man sich wiedersieht.

Was können Sie den Fans denn für dieses Spiel versprechen?

Babbel (lacht): Zumindest eine Anzahl an Spielern, die viel erreicht haben. Von Manchester United sind viele dabei, die zig Mal Meister waren, die Champions League gewonnen haben, den FA Cup. Auf unserer Seite mit Paul Breitner ein Weltmeister, meine Wenigkeit als Europameister, Giovane Elber als Champions-League-Sieger und und und. Zahlreiche Deutsche Meister. Beide Teams sind sehr namhaft bestückt. Allerdings muss ich die Erwartungen auch ein wenig zurückschrauben, denn das Tempo wird sicher nicht mehr so hoch sein, wie es früher war (lacht).

 

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Wenn der Name Manchester fällt, denken viele Bayern-Fans, an das verlorene Finale 1999. Wie geht es Ihnen dabei?

 

Ach ja, schlussendlich ist das abgehakt. Natürlich hatten wir damals eine Wahnsinns-Chance, den Pokal zu gewinnen, der für mich immer noch das Größte ist, das man erreichen kann. Wir waren so knapp davor und innerhalb von zwei Minuten ist uns das Ding aus der Hand gerissen worden. Das war natürlich sehr, sehr bitter. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich heute noch großen Groll hege.

 

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Die Weltmeister sind zurück, zeigen sich nach der Teamvorstellung auch noch mal im Training. Wie erging es Ihnen in den ersten Einheiten nach dem EM-Titel 1996?

 

Für mich war das nicht einfach. Ich habe dann auch keine gute Saison gespielt. Ich bin nicht an meine Leistungsgrenze gekommen, auch vom Kopf her. Ich hätte länger Urlaub, eine bessere Vorbereitung gebraucht. Man hat einen unglaublichen Erfolg gefeiert, man kommt mit dem Pokal nach Hause, ein großes Glücksgefühl und mit dem ersten Trainingstag ist das Ganze wieder gegessen. Das wird die große Kunst sein, dass der Pep Guardiola die Jungs richtig aufbaut, damit sie dann auch über das Jahr weg funktionieren können. Am Anfang wird sicher kein großer Unterschied zu sehen sein, aber dann in den schwierigen Phasen November, Dezember oder April, Mai muss ich vom Kopf her topfit sein. Aber wenn es einer hinbekommt, dann Pep Guardiola.

Philipp Lahm kennen Sie aus seinen jungen Jahren, haben mit ihm beim VfB zusammengespielt. Haben Sie damals schon erahnen können, dass er so eine Karriere hinlegt, um als Kapitän den WM-Pokal in die Höhe zu stemmen?

Absolut. Ich war damals schon verwundert, dass so ein Spieler überhaupt an den VfB ausgeliehen wird. Aber es war für ihn nicht unwichtig. Wer weiß, ob er diese Karriere eingeschlagen hätte, wenn er in München geblieben wäre. So hat er die Spielpraxis, die Wettkampfhärte bekommen und ist als gestandener Bundesliga-Profi zurückgegangen zum FC Bayern. Es war wunderbar mitanzusehen, wie er von Jahr zu Jahr eine Schippe draufgelegt hat. Er hat eine unfassbare Konstanz in seinen Leistungen.

Ist sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft der richtige Schritt?

Absolut. Das war ja kein Prozess, der von heute auf morgen stattfand. Und so ein Abgang ist natürlich ein Traum. Was er jetzt kennenlernen wird, ist eine Erhöhung seiner Lebensqualität von 300 Prozent. Diese Tage, wenn Länderspielpause ist, die werden ihm richtig gut tun. Bei mir war das so. Diese Zeit, wenn du mal durchschnaufen kannst, ist goldwert. Die wird ihm wahnsinnig gut tun.

 

Wer sollte Philipp Lahm als Kapitän beerben?

Für mich gibt es genau zwei. Bastian Schweinsteiger, der es allein aufgrund seiner Anzahl an Länderspielen und seiner Leistungen verdient hätte, und Manuel Neuer. Beide haben ein gewisses Standing - auch außerhalb Deutschlands, die sind höchst anerkannt im Ausland. Beide bringen eine unglaubliche Erfahrung mit. Basti noch mehr als Manuel. Aber Manuel hat sich auch mit der WM ein unglaubliches Standing erarbeitet.

Was erwarten Sie von den Bayern zum Saisonstart? Wird der holprig?

Das ist der Sinn eines großen Kaders und der FC Bayern ist exzellent bestückt. Das wird eben auch der Spagat für Pep Guardiola sein, die Jungs zu schonen, die noch Nachholbedarf haben, sie aber im richtigen Moment dann wieder zu bringen und nicht das Gefüge wieder kaputt zu machen. Ich habe in New York das Spiel gegen die Mexikaner gesehen. Da haben acht WM-Fahrer gefehlt, aber was da auf dem Platz stand, das ist allererste Sahne. Und man hat nicht das Gefühl, da fehlt was. Das hat sehr, sehr harmonisch, sehr eingespielt gewirkt. Dann kommt ein junger Gaudino hinterher, da sieht man einfach, der Junge hat einen Riesenpotenzial. In ein, zwei Jahren ist der eine feste Größe, wenn er sich so weiterentwickelt. Aber Bayern hat den weltbesten Trainer, der bekommt das hin. Er hat die Erfahrung mit Barcelona, deswegen mache ich mir da keine große Sorgen. Ich glaube nicht, dass es so ein Spaziergang wie letztes Jahr wird, aber sie werden sich durchsetzen.

Hat sich Pep Guardiola wegen der Aussage: „Wenn ich keinen Erfolg habe, sitzt nächstes Jahr ein anderer hier“ selbst zu sehr unter Druck gesetzt?

Nein. Es ist sicher ein gewisser Druck da, das weiß er auch. Es wird keine leichte Saison, weil viele Spieler so lange gefehlt haben. Das sind ja nicht irgendwelche Pappnasen, sondern richtig gute Spieler. Aber der FC Bayern hat sich ja ganz klar positioniert, egal wie es laufen wird. Das ändert ja nicht, dass Pep Guardiola ein außergewöhnlich guter Trainer ist. Ich hatte das große Vergnügen, mich einmal länger mit ihm zu unterhalten. Er ist ein Mann, der mit allem was er in sich trägt, für den Verein arbeitet. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, selbst wenn es am Anfang nicht so laufen sollte.

Aber wirkt er nicht auch ein bisschen angespannt wegen der schleppenden Vorbereitung? Gegen die MLS-Allstars hat er zum Schluss dem Coach den Handschlag verweigert, weil dessen Team so hart gespielt hat.

Da würde ich mich auch richtig aufregen. Da bringst du deine Nationalspieler 10 Minuten vor Schluss und denen fällt nichts Besseres ein, als einen noch mal aus den Latschen zu treten. Also ganz ehrlich: Da habe ich höchstes Verständnis dafür. In so einem Spiel. Es ist ja nicht schlecht, wenn es mal ein bisschen härter zur Sache geht, aber dann bitteschön mit den Spielern, die schon länger dabei sind, die die Wettkampfhärte schon haben. Aber nicht mit Spielern, die gerade aus dem Flieger ausgestiegen sind, und gerade einmal zehn Minuten auf dem Platz stehen.

 

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