Mainz-Comeback als "Schlüsselmoment" für Bayerns Triple-Traum

Im Jubel-Trubel-Heiterkeit-Gedränge hatte ein Bayern-Profi eine rot-weiße Badelatsche verloren. Die gute Adilette, das Fuß-Erholungsprogramm nach Auswechslungen. Sie gehörte Luis Díaz, der nach Auflösung des Jubelknäuels um Jamal Musiala vor der Bayern-Bank zum Linienrichter lief und die abtrünnige Badelatsche, die sich selbstständig gemacht hatte, wieder einsammelte. Grinsen allüberall. Harry Kane hatte zum 4:3 getroffen. Spiel gedreht. Bayern war zurück. Musiala happy. Die Adilette zurück. Und Díaz happy.
Aus dem 0:2 beim SC machten die Münchner vor drei Wochen in Freiburg in der Schlussphase noch ein 3:2. In Mainz nun aus dem 0:3 ein 4:3. Der Wahnsinn hat Methode. Ein neuerliches Aha-Erlebnis, das für die Triple-Mission noch essenziell werden könnte, hofft Trainer Vincent Kompany. Wenn man irgendwann, in einem Halbfinal-Rückspiel oder in einem Endspiel, "ein Wunder braucht, dann musst du vorher schon mal das Gefühl haben, dass es passieren kann. Du musst diesen Glauben haben." Für den Bayern-Trainer könnten solche "Schlüsselmomente" am Saisonende "der Unterschied zwischen einem Titel mehr oder weniger" sein. Bei der Frage: Single, Double oder Triple?
Bayern dreht zuletzt ein 1976 ein 0:3 in Bochum
Nach 45 Minuten drohte in Mainz Bayerns erste Liga-Auswärtsniederlage seit 497 Tagen – ausgerechnet vor dem Hinspiel in Paris. "Was in der ersten Halbzeit schiefgelaufen ist? Alles", sagte Kompany. Sie hätten sich "in der Pause ordentlich den Kopf waschen lassen", meinte Leon Goretzka, "man kann sich vorstellen, dass der Trainer nicht so ganz zufrieden war in der ersten Halbzeit". Kompany lächelte und flunkerte: "Es war auch viel Lob dabei." Wie der 40-Jährige in seiner Kabinenansprache die gewünschte Reaktion herauskitzelte? "Nicht nur mit Taktik, da ist viel Emotion dabei", so der Belgier. An der Ehre gepackt hat er sie also.
Nicolas Jackson (53.), Michael Olise (73.), Jamal Musiala (81.) und Harry Kane (83.) drehten die Partie auf links und sorgten dafür, dass man erst das dritte Mal in der Bundesliga-Historie nach einem Pausenrückstand von drei oder mehr Toren noch punkten konnte – zuletzt 1976 beim 6:5 nach 0:3 in Bochum, also vor 50 Jahren!
"Sie haben gefeiert, als wäre es ein Relegationsspiel gewesen"
Kompany freute sich besonders über die Emotionen nach dem Siegtor und dem Abpfiff: "Sie haben gefeiert, als wäre es ein Relegationsspiel gewesen. Ich liebe das." Was Goretzka bestätigte: "So war es ein bisschen geiler, als wenn wir das Spiel 3:0 gewonnen hätten. Wir haben gezeigt, warum wir diese Saison so stark sind." Ex-Kapitän Oliver Kahn, der einst "Eier, wir brauchen Eier" gefordert hat, würde heute feststellen: Diese Bayern haben die Eier.
Die hübschen, statistischen Nebeneffekte: Der eigene Torrekord in der Liga wurde weiter pulverisiert wie man so schön sagt: 101 waren es 1971/72, drei Spieltage vor Schluss sind es aktuell 113 Treffer. Auch der Punkte-Rekord ist in Reichweite, die 91 Punkte aus der bislang historisch besten Bundesliga-Saison 2012/13 unter Trainer Jupp Heynckes – übrigens ein Triple-Jahr.
FC Bayern ist gerüstet für Paris
Bayern ist gerüstet für die ultimative Herausforderung in der Champions League gegen Titelverteidiger Paris St. Germain, beginnend mit dem Hinspiel am Dienstag (21 Uhr, Prime Video). Gegen den Favoriten wie man an der Säbener Straße den Franzosen einsingen will. Schlägt Mentalität im Halbfinale Qualität?
"So zu reagieren, ist der Wahnsinn", freute sich FCB-Sportdirektor Christoph Freund und sagte: "Die Mannschaft ist ganz was Besonderes. Das gibt uns viel Energie für Dienstag." Siegtorschütze Kane betonte: "Für uns war es wichtig, das Momentum und dieses Gewinnergefühl zu behalten." Torschütze Jamal meinte vor den Duellen mit PSG: "Mit so einem Gefühl reinzugehen, tut schon gut." Ebenso hilfreich: Die Erfahrung des 2:1-Erfolgs im Prinzenpark in der Gruppenphase im November, den man eine Halbzeit lang zu zehnt verteidigte. Und wenn die Münchner in Paris mit ein oder zwei Toren in Rückstand geraten sollten – sie wissen, was sie zu tun haben.