Lewandowski-Gala: Oans, zwoa, druffa!

Mit fünf Toren in einer Halbzeit schießt Bayerns Robert Lewandowski den VfL Wolfsburg im Alleingang ab – und schreibt Bundesliga-Geschichte. „Es war ein unglaublicher Abend für mich“, jubelt er.
| Patrick Strasser
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Fünf Treffer in 9 Minuten: Robert Lewandowski.
dpa Fünf Treffer in 9 Minuten: Robert Lewandowski.

München - Einen Spieler einmal draußen lassen und so bis aufs Blut reizen? Ihn dann, nach einem 0:1-Rückstand, zur Pause bringen? Guter Plan. Hat also Trainer Pep Guardiola das Topspiel der Liga gegen den VfL Wolfsburg für den FC Bayern gewonnen, weil er Robert Lewandowski in seiner Torjäger-Seele kränkte und so in der zweiten Halbzeit einen gereizten Neuner auf den Rasen schicken konnte? Vielleicht. Ein bisschen. Ein Assist für Pep.

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Denn der Mann des Abends war natürlich der Vollstrecker. Ro-bert Le-wan-dow-ski. Fünf Mal, von Mal zu Mal euphorischer, brüllte der Stadionsprecher in der Allianz Arena den Namen des Mittelstürmers ins Mikrofon. Jeweils drei Mal, macht 15 Lewandowski-Echos der Fans. Der Pole erlebte wohl seine fußballerische Sternstunde, nicht nur im Bayern-Trikot. „Das war Wahnsinn“, sagt Lewandowski nach dem Spiel bei Sky. „Ich wollte einfach schießen, habe nicht überlegt. Ich wusste, dass wir einfach Gas geben müssen.“ Hat geklappt. Das Fazit: „Es war ein unglaublicher Abend für mich.“

Und Guardiola meinte: „Ich habe noch nie so eine Situation erlebt, nie als Spieler oder als Trainer. In neun Minuten fünf Tore – pffft! Für Robert bin ich sehr, sehr glücklich und zufrieden für ihn und den FC Bayern. Es war sehr, sehr wichtig für sein Vertrauen, für seine Zukunft. Er ist schon lange Zeit ein großer Spieler in Deutschland und in der Welt.“

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Die Fakten – wer kam da schon mit? Erst erzielte der Pole per Abstauber das 1:1 (51. Minute). Nur Sekunden später ließ er mit einem krachenden Rechtsschuss aus 25 Metern das 2:1 folgen – ehe er im Nachschuss dann auch noch zum 3:1 traf (55.). Der Lewandowski-Wahnsinn gegen Wolfsburg brachte den ersten Rekord: Nie in der Bundesliga-Historie gelang ein Hattrick schneller: Der 27-Jährige benötigte für seine Tore zum 1:1 bis 3:1 nur 3:22 Minuten. Und weiter ging die wilde Lewy-Fahrt: das 4:1 auf Flanke von Douglas Costa (57.). Nächste Zwischenbestzeit: Ein Viererpack binnen 5:19 Minuten.

Die 75 000 hörten nicht mehr auf zu raunen, Lewandowski hörte nicht mehr auf zu treffen. Als Bonus legte er noch ein Tor des Monats drauf. Der bis dato eher unauffällige, aber nun im Rausch mitgerissene Mario Götze hob den Ball auf die Neun, dem nun alles gelang: Seitfallzieher (60.), das 5:1. Letzte Zwischenbestzeit: fünf Buden in 15 Minuten. Das soll erstmal wieder einer nachmachen. „Das war ein tolles Erlebnis. Lewy hat Fußball-Geschichte geschrieben“, schwärmte Manuel Neuer.

Zur Einordnung: Es war der erste Fünferpack eines Bayern-Spielers seit Februar 1984, als Dieter Hoeneß gegen Braunschweig (6:0) einnetzte. Der legendäre Bomber der Nation, Gerd Müller, hatte satte vier Mal fünf Treffer in der Bundesliga erzielte, ein Sechserpack war ihm nicht vergönnt. Den schaffte der andere Müller. Dieter Müller war im August 1977 beim 7:2 gegen Werder Bremen sechs Mal für den 1. FC Köln erfolgreich.

Und in Sachen Hattrick: Bis gestern hatte ein gewisser Michael Tönnies als Schnellster drei Tore hintereinander in einer Halbzeit erzielt, Oliver Kahn wird sich nicht gerne dran erinnern: Am 27. August 1991 benötigte der Duisburger fünf Minuten für seine drei Tore beim 6:2 gegen den Karlsruher SC. „24 Jahre habe er den Hattrick-Rekord gehabt“, schrieb Tönnies: „Dass er jetzt weg ist, ist natürlich ein bisschen schade. Aber was Robert da hingezaubert hat, war einfach sensationell. Das haste dir verdient, Robert! Herzlichen Glückwunsch!“ Nun hat ihn Lewandowski geschnupft. Nach Abpfiff kamen alle Kollegen, um ihm gratulieren. Der Ball, den man schon als Hattrick-Torschütze mitnehmen darf, war seiner.

5:1 – damit hatten die Bayern, na ja vornehmlich Robert Lewandowski, die Machtverhältnisse in der Republik wiederhergestellt. Die erste Halbzeit? Vielleicht etwas für die Wolfsburger Vereins-DVD-Sammlung. Man gewann die ersten 45 Minuten 1:0 gegen Bayern. Wolfsburgs Millionen-Transfer Julian Draxler mit feinem Pass ans rechte Strafraumeck zu Daniel Caligiuri und der setzte den Ball wuchtig halbhoch ins kurze Eck von Manuel Neuer (27.).

Am Ende schunkelten die Fans mit Wiesn-Musik. Die Bayern haben nun die letzten neun Pflichtspiele in der Allianz Arena zur Oktoberfest-Zeit gewonnen. Oans, zwoa, druffa. Fünf Maß auf Robert.

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