La Bestia Gomez

Der Matador lässt Bayern träumen – dank seines späten Führungstores, einem Treffer des Willens. Der ehemalige Chancentod jagt jetzt auch Rekorde.
| Patrick Strasser
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München - Augen zu und drin. So einfach kann Fußball sein. Angeschossen, reingeschossen. In der 90. Minute traf Mario Gomez zum 2:1 gegen Real Madrid, verbesserte die Ausgangslage fürs Rückspiel kommenden Mittwoch kolossal. Aber wie bloß?

„Ich bin einfach blind durchgelaufen, weil ich mir dachte, der wird jetzt reinkommen“, sagte der Mittelstürmer über den Pass von Philipp Lahm. Schon war er drin. „Ich weiß gar nicht, mit welchem Körperteil ich den reingemacht habe“, meinte Gomez. Wenig später – wohl anhand der Fernsehbilder – definierte der 26-Jährige genauer: „Ich habe einfach gemacht, was ein Stürmer machen muss und den Staksen reingehalten.“ Sah eher nach einem Kniefall aus.

Reiner Zufall? Von wegen. Selten hatte sich ein Stürmer ein Tor derart erarbeitet. Gomez ging weite Wege und feuerte aus allen Lagen. Voller Adrenalin und Wut über vergebene Chancen trommelte er mit der Faust auf den Boden – doch er ließ sich nicht entmutigen. Im Boxen würde man sagen: ein Punktsieg. Gomez hatte das Schicksal bearbeitet – bis es schwach wurde. Ein Triumph des Willens.
Und als es kurz vor knapp soweit war, setzte er noch schnell zu seiner speziellen Jubelgeste an, dem Stierkampf, der Corrida, entlehnt. Gomez feierte im Stile von Altmeister Raul, ganz so, als habe er das rote Tuch in der Hand. Im ersten Gefecht hatte er Real erledigt. Mario, der Matador. „Wieder einmal stolpert Real Madrid in der Hölle von München. Immer diese Deutschen“, ereiferte sich „El Mundo“ und lamentierte: „Dabei trägt der Schütze des Siegtores der Bayern einen spanischen Namen: Gómez.“

Geboren in Reutlingen, sein Vater stammt aus Andalusien. Für die Spanier ist er nun ein rotes Tuch: la Bestia Gomez.

„Er braucht Flanken und antizipiert gut. Er ist da genau an der richtigen Stelle gewesen“, schwärmte Trainer Jupp Heynckes, „Mario hat insgesamt ein klasse Spiel gemacht. Er war läuferisch stark, hat den Ball gut gehalten, ist in die Zweikämpfe gegangen.“ Trotz der vorher vergebenen Chancen hatte sein Coach an ihn geglaubt und darauf verzichtet, Ivica Olic einzuwechseln.

Denn Gomez darf man nie abschreiben. Körpersprache, Willen und Durchsetzungsvermögen sind sein großes Plus. Früher Chancentod, jetzt Gegnertod. Und auf dem Weg zum Rekordbrecher. Zwölf Tore in einer Champions-League-Saison hatten bis zum gestrigen Abend nur zwei Spieler erzielt: Ruud van Nistelrooy (2002/03) und Lionel Messi, letztes Jahr (12) und diese Saison (14). In der Bayern-Historie der ewigen Tore-Rangliste ist Gomez mit 21 Treffern auf Platz fünf geklettert, nur Giovane Elber (23), Dieter Hoeneß (26), Karl-Heinz Rummenigge (30) und der unerreichbare Gerd Müller (66) sind noch vor ihm.

Gomez’ Vertrag haben die Bayern bis 2016 verlängert, seine Quote von 40 Toren in 46 Pflichtspielen dieser Saison ist gigantisch. Er macht sie. Nun auch blind.

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