Interview

"Kommt darauf an": FC-Bayern-Legende van Bommel über einen möglichen Trainerjob-Anruf von Hoeneß

Vor dem letzten Gruppenspiel des FC Bayern bei der PSV Eindhoven spricht Mark van Bommel in der AZ über das Duell seiner beiden Ex-Klubs, Platzverweise und einen möglichen Anruf von Uli Hoeneß.
von  Patrick Strasser
Der frühere Bayern-Leader Mark van Bommel hebt die Qualitäten von Trainer Kompany hervor.
Der frühere Bayern-Leader Mark van Bommel hebt die Qualitäten von Trainer Kompany hervor. © Harry Langer/dpa

AZ: Herr van Bommel, Ihr Sohn Ruben ist 21 Jahre alt, bereits U21-Nationalspieler der Niederlande und wechselte letzten Sommer von AZ Alkmaar zurück zur PSV Eindhoven. Momentan fällt er wegen eines im Herbst erlittenen Kreuzbandrisses aus.
MARK VAN BOMMEL: Das dauert noch ein paar Monate. Ruben war gut drauf vor der Verletzung, hat in sechs Spielen der Eredivisie drei Tore geschossen. Dazu einmal in der Champions League getroffen, bei seinem Debüt, dem 1:3 von PSV gegen Union St. Gilloise im September. Es war top, dass er so gut in die Saison gestartet ist. Jetzt weiß jeder, was er kann. Aber er muss sich nun die Zeit nehmen, um nach der Reha wieder auf sein Niveau zu kommen.

Nimmt Ruben noch Kritik an von seinem Papa, der nun Trainer ist? Das ist ja immer so eine Sache in einer Vater-Sohn-Beziehung.
Ich habe nicht so viel zu kritisieren, muss ich sagen. Aber natürlich sprechen wir immer wieder mal über seine Spiele. Schon bevor ich etwas sage, weiß Ruben ganz genau, warum und über welche Situation es geht.

"Bayern gegen PSV waren immer tolle Spiele, heiße Duelle"

Wie ruhig können Sie sein, wenn Sie ihn von der Tribüne oder im TV beobachten?
Das ist einfach toll, wenn du deinen eigenen Sohn siehst - im gleichen Stadion, in dem ich selbst sieben Jahre gespielt habe. Du weißt genau, wie es sich anfühlt, dort unten auf dem Platz zu stehen. Normalerweise sitze ich ganz ruhig da. Oft schaue ich speziell auf Ruben: Wie bewegt er sich? Warum macht er diesen Laufweg? Oder ich denke spontan: Warum schießt du jetzt nicht? Wenn er dann ein Tor erzielt, schaue ich genau, was danach passiert. Wie jubelt er? Wie feiert er mit seinen Mitspielern? Aber ich bin natürlich riesig stolz.

Ihr Sohn hat in der PSV-Jugend gespielt als Sie Cheftrainer der Profi-Mannschaft waren.
Ich konnte ihn mit dem Auto oft von unserem Wohnort Meerssen mitnehmen. Nachdem ich in meiner zweiten Saison Ende des Jahres 2019 entlassen worden bin, wurde es für ihn schwierig. Er musste um 6 Uhr aufstehen, den Zug um 6.35 Uhr nehmen, eine Stunde Fahrt. Erst um 19 Uhr war er zurück. Gefühlt war er ständig unterwegs. Als Jugendlicher war Ruben sehr schnell, aber eher klein, ist nur sehr langsam gewachsen. 2020 ist er in die Jugend der MVV Maastricht gewechselt, ganz in der Nähe, wo wir leben. Und auf einmal, etwa ab der Corona-Zeit, hat er einen Wachstumsschub bekommen, ist nun 1,92m groß - und immer noch schnell. Er läuft über 35 km/h, ist fix im Umschaltspiel. Ein schlauer Spieler. Normalerweise ist man schnell und nicht so schlau. Und wenn man langsam ist, ist man schlau. Deshalb war ich immer so langsam (lacht).

Die Bayern sind nach sechs Siegen in sieben Spielen bereits fix für das Achtelfinale qualifiziert, es geht in Eindhoven aber noch um die endgültige Platzierung in der Ligaphase - sie wollen Platz zwei sichern.
Bayern gegen PSV waren immer tolle Spiele, heiße Duelle. Ich kann mich noch gut an mein allererstes Champions-League-Spiel erinnern. Im September 1999 haben wir mit PSV 1:2 bei den Bayern verloren - im Olympiastadion. In der 90. Minute habe ich eine Rote Karte bekommen, nach einem Foul an Lothar Matthäus.

Van Bommel: "Bayern darf Eindhoven keinesfalls unterschätzen"

Eine von mehreren in Ihrer Karriere.
Ja, schon. Das stimmt (schmunzelt).

Sie wurden in Ihrer Zeit beim FC Bayern von August 2006 bis Januar 2011 von Trainer Ottmar Hitzfeld als „Aggressive Leader“ bezeichnet und haben im zentralen Mittelfeld den Ton angegeben. 13 Platzverweise waren es insgesamt, vier Mal Gelb-Rot.
Gar nicht mal so viel, oder? Man darf nicht vergessen, dass ich zwanzig Saisons gespielt habe - im Verhältnis ist das völlig in Ordnung.

Wie gut ist das Team der PSV Eindhoven unter Trainer Peter Bosz aktuell?
Eine sehr starke Mannschaft. Deswegen stehen wir, ich sage wir, auch so weit vorne in der Eredivisie - 16 Punkte vor Feyenoord Rotterdam. Das ist ganz schön viel nach etwas mehr als der Hälfte der Saison. Das Wichtigste in meinen Augen ist: PSV will unter Peter immer Fußball spielen, das Spiel machen. Und wenn man gegen einen großen Verein wie Bayern antritt, darf man keine Angst haben, sein eigenes Spiel durchzuziehen. Bayern darf Eindhoven keinesfalls unterschätzen.

Paul Wanner ist in Eindhoven angekommen

Wie hat sich Paul Wanner, der letzten Sommer von Bayern zur PSV gewechselt ist, mittlerweile entwickelt?
Er hat anfangs nicht so viel gespielt, aber wenn, dann hat man sofort gesehen, dass er ein technisch hochwertiger und schlauer Spieler ist. Es hat ein bisschen gedauert. Aber jetzt ist Paul angekommen und auf dem Weg, ein wichtiger Spieler zu sein.

Was ist in den Niederlanden für PSV wichtiger? In der heimischen Liga vor Ajax Amsterdam und Feyenoord zu stehen oder in der Champions League in die K.o.-Runden zu kommen?
Die Meisterschaft. Erstens wegen der Rivalität zwischen den drei großen Vereinen und zweitens, weil du dann die Qualifikation für die Ligaphase der Champions League sicher hast - und damit Millionen an Einnahmen. Das ist sehr wichtig für einen holländischen Verein.

FC Bayern spielt aktuell "hervorragend"

Kommen wir zu den Bayern. Trotz des Dämpfers in der Liga, der überraschenden 1:2-Heimpleite gegen den FC Augsburg: Wie weit kann die Mannschaft in dieser Saison in der Champions League kommen?
Sie spielen aktuell hervorragend, sind über Jahre hinweg die Besten in Deutschland, wurden zwölf Mal hintereinander Meister, oder?

Elf Mal - von 2013 an. 2024 kam ihnen Bayer Leverkusen zuvor.
Ja, leider schon. Aber wie Sie gesagt haben: Da war Leverkusen mal ein Jahr dran. Wenn man gute Spieler hat und einen guten Trainer, dann läuft es fast von alleine.

Eine Frage an den Trainer Mark van Bommel: Was haben Sie gedacht, als der FC Bayern im Sommer 2024 Vincent Kompany von Premier-League-Absteiger FC Burnley geholt hat.
Seine Spielidee kannte ich schon aus seiner Zeit bei RSC Anderlecht. Und Kompany hat zuvor unter Pep Guardiola bei Manchester City gespielt und von ihm gelernt. Das ist sein großer Vorteil - sonst wären die Bayern wohl nicht auf ihn gekommen.

AZ-Reporter Patrick Strasser traf Mark van Bommel bei der Fußball-Skills-Kampagne "Move Like a Pro" von FedEx am Mariss-Jansons-Platz in München.
AZ-Reporter Patrick Strasser traf Mark van Bommel bei der Fußball-Skills-Kampagne "Move Like a Pro" von FedEx am Mariss-Jansons-Platz in München. © privat

Mark van Bommel hat noch Kontakt zu Uli Hoeneß

Wie kriegt Kompany das hin an der Säbener Straße bei einem stets ungeduldigen, unruhigen Umfeld?
Er hat eine gute Ausstrahlung und weiß, dass vor allem eines zählt: Ruhig bleiben und Ruhe ausstrahlen. Auch an der Seitenlinie, da darfst du als Bayern-Trainer nicht zu aufgedreht sein.

Wenn am Mittwoch die PSV die Bayern fordert - für wen schlägt Ihr Herz?
Das ist eine gemeine Frage, so kenne ich Sie noch von früher (lacht). Das ist schwierig. Ich habe viereinhalb Jahre für Bayern gespielt, war zweieinhalb Jahre Kapitän. Für Eindhoven habe ich sieben Jahre gespielt, war sechs Jahre Kapitän. Für mich und meine Emotionen ist es besser, dass Ruben nicht spielt. Ich hoffe, PSV in die K.o.-Runde kommt. Die Bayern live zu sehen, ist immer reizvoll und interessant. Man kann etwas lernen. Was mich sehr freut: Der Vorstand hat mich ins Stadion eingeladen.

Gibt es noch Kontakt?
Nicht viel - abgesehen von Events wie dem Legenden-Turnier neulich im SAP Garden. Zu Uli (Hoeneß,d.Red.) natürlich. Es ist immer schön, wenn man sich sieht. Thomas Müller spielt jetzt in Vancouver. Er war der letzte Akteur, mit dem ich noch zusammengespielt habe.

Van Bommel über möglichen Trainerjob: "Ich bin nicht ungeduldig, aber habe Lust"

Wie geht es mit Ihrer Trainerkarriere weiter? Nach zwei Jahren bei Royal Antwerpen und dem Doublegewinn 2023 haben Sie im Mai 2024 den Verein vorzeitig verlassen.
Im ersten Jahr bin ich ruhig geblieben, obwohl es ein paar Anfragen gab. Aber ich wollte nicht bei einem Verein mitten in der Saison einsteigen - das ist immer kompliziert, du hast sofort nach ein paar Tagen das erste Spiel. Letzten Sommer wollte ich wieder anfangen, aber dann hat sich Ruben das Kreuzband gerissen. Für mich war dann die Entscheidung klar: Ich bleibe bei meinem Sohn, bis er wieder auf die Beine kommt. Ich nehme mir gerne die Zeit. Wenn nichts kommt, dann kommt nichts. Ich bin nicht ungeduldig, aber habe Lust. Es wäre schön, wieder eine Mannschaft zu übernehmen und meine Idee, Fußball zu spielen, zu vermitteln.

Vielleicht ruft eines Tages Uli Hoeneß an. Oder Max Eberl.
Das kann sein.

Dann sagen Sie nicht nein.
Das kommt darauf an, was sie fragen.

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