"Nicht die Wirbelsäule aufbrechen": Lahm kritisiert Nagelsmanns Kimmich-Entscheidung

Aus fünf mach zwei: Bevor die deutsche Mannschaft am Dienstag von Frankfurt aus Richtung Chicago aufbricht, ist das zentrale Mittelfeld einer der Bereiche für Julian Nagelsmann, in dem er am meisten Auswahl hat. Bayerns Aleksandar Pavlović beansprucht nach einer starken Saison einen Stammplatz für sich, auch Leon Goretzka würde nur allzu gern am 14. Juni gegen Curacao in der Startelf stehen.
Nmecha hinterlässt ausgezeichneten Eindruck
Doch speziell der scheidende Münchner hat viel Konkurrenz: Dortmunds Felix Nmecha hinterließ im Mannschaftstraining einen ausgezeichneten Eindruck, der 1,90-Meter-Mann beeindruckte mit seiner Physis, Präsenz und Technik. Und dann wären da ja auch noch der Stuttgarter Angelo Stiller sowie Pascal Groß von Brighton & Hove Albion.
Das Duo dürfte aber zunächst in der zweiten Reihe stehen, Pavlović ist die Nummer eins bei Nagelsmann in der Rolle als tief spielender Sechser vor der Abwehr. "Wir werden auf jeden Fall ein sehr gutes Doppelsechs-Pärchen haben", versprach der Bundestrainer. Doch wer bekommt den Platz neben Pavlović im Herzstück der Mannschaft?

Nagelsmann: "Felix ist ein Topspieler"
BVB-Star Nmecha, dem Nagelsmann das Prädikat "Weltklasse" verlieh, auf den der Coach extra lange nach einer Knie-Verletzung aus dem März gewartet hatte, hatte viele auffällige Aktionen in Herzogenaurach, er wurde immer von seinen Mitspielern gesucht. "Felix ist ein Topspieler, der alles mitbringt, eines Tages auf dieser Position einer der Besten auf der Welt zu werden", sagte Nagelsmann über den 25-Jährigen.
Gut möglich, dass der Rückkehrer den Vorzug vor Goretzka erhält. Den 31-Jährigen wird es nach der WM wohl nach Italien zur AC Mailand ziehen. In den vergangenen Monaten war Goretzka im Nationalteam neben Pavlović gesetzt, aber jetzt drängt Nmecha mit Macht ins Team. "Wir haben verschiedene Optionen, auch auf verschiedene Situationen im Spiel zu reagieren", sagte Nagelsmann: "Wir werden sehr gute Herausforderer haben, die hinten dran sind."
Kimmich auch eine Option fürs Mittelfeld
Wie Goretzka, Stiller und Groß. Auch der Mainzer Nadiem Amiri könnte dort spielen, wenngleich er offensiv wertvoller ist. Und eine Option sollte man ebenfalls nicht vergessen: Joshua Kimmich. Beim FC Bayern spielte der 31-Jährige eine herausragende Saison als Sechser, doch im Nationalteam wird Kimmich hinten rechts in der Viererkette gebraucht. Der Kapitän ist sogar der einzige nominelle Rechtsverteidiger im 26-Mann-Kader.

Eine diskutable Entscheidung – das meint zumindest Philipp Lahm. "Ich würde die Wirbelsäule der Mannschaft mit Neuer, Tah und Kimmich nicht dadurch aufbrechen, dass ich ihn auf die rechte Außenverteidigung verschiebe", sagte der Weltmeister-Kapitän von 2014 der "Sport Bild": "Deshalb würde ich ihn im Mittelfeld spielen lassen."
Lahm wünscht sich Kimmich im Mittelfeld
Kimmich habe "die gesamte Saison im Mittelfeld gespielt. Zusammen mit Aleksandar Pavlović hat er viele Spiele bestritten, und Bayern scheiterte in den Champions-League-Halbfinals nur knapp. Kimmich agiert seit Jahren auf höchstem Niveau im Mittelfeld."

Lahm würde daher Kimmich neben Pavlović ins Mittelfeld ziehen und Waldemar Anton rechts verteidigen lassen – ähnlich wie Deutschland 2014 mit Benedikt Höwedes und Jérôme Boateng. "Damals haben wir manchmal mit zwei Innenverteidigern auf den Außenverteidigerpositionen gespielt. Das ist auch eine Option."
Lahm für Anton und Raum
Jetzt habe man neben Anton auf der linken Seite David Raum, "der sehr offensiv agiert", so Lahm: "Mit Anton, der defensiver ist, hätte man das Gleichgewicht zwischen Angriffsdrang auf einer Seite und defensiver Stabilität auf der anderen." Vielleicht wird das eine Option im Turnierverlauf – zunächst aber plant Nagelsmann mit Kimmich hinten rechts.