Höppner: "Bei einem guten Spiel kriege ich Gänsehaut!"

Moderatorin Mareile Höppner ist Bambi-Gewinnerin und bezeichnet Leipzig als „ihre Herzens-Heimat“. In der AZ spricht sie über ihre Fußballleidenschaft, Frauen-Quoten und was sie so richtig sauer macht
| Interview von Cäcilia Fischer
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"Ich bin kein Event-Fußballgucker", sagt Moderatorin Mareile Höppner vor dem Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig
dpa/imago/Future image "Ich bin kein Event-Fußballgucker", sagt Moderatorin Mareile Höppner vor dem Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig

Moderatorin Mareile Höppner ist Bambi-Gewinnerin und bezeichnet Leipzig als "ihre Herzens-Heimat". In der AZ spricht sie über ihre Fußballleidenschaft, Frauen-Quoten und erklärt, was sie so richtig sauer macht.

Mareile Höppner Die 40-jährige Moderatorin ("Brisant") wurde 2013 mit dem Bambi ausgezeichnet. Sie unterstützt RB Leipzig.

AZ: Frau Höppner, Sie haben Leipzig als Herzens-Heimat bezeichnet, dort lange gewohnt – und lieben zudem Fußball. Dürfen wir jetzt unterstellen, dass Sie RB-Leipzig-Fan sind?
MAREILE HÖPPNER: So simpel ist das nicht. Immerhin kommt meine Mutter aus Bayern und ich bin mit dem HSV groß geworden. Mit ihm habe ich das Lieben und Leiden gelernt. Dann war ich bei vielen Bayern-Spielen dabei. Ich mag den Ehrgeiz, mit dem die Jungs spielen. Meine beste Freundin ist Bayern-Fan. Was RB Leipzig angeht: Ich begleite über Jahre den Aufstieg. Deshalb kenne ich die Diskussionen um den Verein. Aber ich sehe vor allem die Vorzüge für die Region, da geht endlich mal was. Generell tut RB der Liga gut und es ist wieder Spannung und Krimigefühl dabei. Insofern finde ich RB Leipzig wirklich gut.
 

Wie bewerten Sie die Aufregung, die um diesen Verein und dessen Spiele herrscht?
Ich bin persönlich wahnsinnig sauer auf Leute, die Fußball benutzen, um ihren Frust loszuwerden. Das macht mich auch traurig. Trotzdem finde ich gut, dass Fußball die Möglichkeit bietet, Aufmerksamkeit zu erzeugen für gesellschaftlich relevante Themen.
 

Wie etwa das Schicksal von Nationalspieler Robert Enke, der sich von Depressionen gegeißelt das Leben nahm?
Das hat mich sehr berührt. Dass sein tragischer Tod etwas losgetreten hat, war am Ende gut. Es wird immer Themen geben, über die im Fußball nicht öffentlich gesprochen wird. Homosexualität von Spielern ist sicher so ein Thema. Für mich ist in erster Linie entscheidend, was ein Spieler auf dem Platz macht. Wenn ihm aber wichtig ist, seine Sexualität zu thematisieren, warum nicht? Es wird dennoch viele Jahre dauern, bis im Fußball offen über Homosexualität gesprochen wird.
 

Wie steht es um die Fußball-Leidenschaft Ihres Sohnes, Ihres Mannes daheim?
Sie schauen schon auch mit Fußball, aber in der WM-Zeit habe definitiv ich die größten Augenringe (lacht).
 

Dann werden Sie also zur WM vor dem Fernseher sitzen. Oder eher Public Viewing?
Weniger. Ich schaue mir ein Spiel gern in Ruhe an, aber ich verabrede mich auch mal mit Freunden im Biergarten. Dann nur bitte ohne Ablenkung. Ich bin kein Event-Fußballgucker. Grundsätzlich schaue ich immer, wenn ich Zeit finde. Gerade bei einer WM kann man sehr viel Spaß haben mit einer Mannschaft, die man gar nicht auf dem Schirm hatte. Am Ende ist man total verknallt und grölt irgendwelche Fangesänge.
 

Jetzt klingen Sie wie die perfekte Spielerfrau...
Nein, perfekte Spielerfrauen tragen eher die perfekte Handtasche (lacht). Ich bin lieber Fußballfan.
 

Wenn Ihr Mann Arne Fußball-Profi gewesen wäre und um Ihre Hand angehalten hätte – hätten Sie ihn abgelehnt?
Mit Sicherheit nicht (lacht). Auch wenn es witzig gewesen wäre. Ich gucke gern Fußballern zu und bewundere ihre schönen Waden, aber im Ernst: Fußballer haben wenig Zeit. Ich finde es toll, einen Ehemann zu haben, der Sport mag, aber sonntags nicht auf dem Rasen stehen muss. Was bei meinem kleinen Sohn passiert, wird sich erst noch zeigen.
 

Hat er denn schon Fußball-Ambitionen?
Nein, er hat meine zwei linken Füße geerbt und wird definitiv kein Profispieler.
 

Geld regiert die Welt und den Fußball. Was sagen Sie dazu?
Das sind zum Teil bizarre Summen, die diskutiert werden müssen. Allerdings finde ich schlimm, wenn es da unsachlich zugeht und an den Spielern ausgelassen wird oder sogar mit Hetze im Stadion einhergeht.
 

Mit Bibiana Steinhaus hat die erste Bundesliga-Schiedsrichterin den Rasen erobert. Braucht Fußball eine Frauenquote?
Nein, ich bin absolut dagegen. Grundsätzlich bin ich aber für mehr Frauen im Fußball. Toll, dass wir Bibiana als Vorreiterin haben. Fußball ist eine starke Männerdomäne, aber das ändert sich langsam. Die Männer ändern sich ja auch.
 

Rührt es Sie, wenn ein Mann nach einem Spiel weint?
Warum nicht? Beim Fußball geht es um Emotionen. Da kann man sich wahnsinnig reinsteigern. So ein Spielverlust nimmt einen mit. Ich hab aber noch nicht erlebt, dass ich mitweine. Dafür habe ich nach einem Spiel im Stadion mal ein Kind weinen sehen und mitgeheult. Wie Kinder beim Fußball mitgehen, ist unheimlich niedlich. Pure Emotion! Und ja, das macht mich eher fertig (lacht).
 

Glauben Sie an den Fußball-Gott? Immerhin haben Sie Theologie studiert.
Manchmal glaubt man tatsächlich, da hat jemand seine Finger im Spiel, weil ein Spiel so verrückt läuft. Und Gott redet sicher bei vielem mit. Aber nicht im Fußball. Nein, ich glaube nur an Fußballer-Leistung.
 

Ronaldo wurde jetzt zum fünften Mal zum Fußballer des Jahres gewählt. Zu Recht?
Ja, den Titel hat er verdient, er ist ein genialer Spieler und soll ein unfassbar toller Teamplayer sein. Als Mann ist er eher ein Abtörner für mich. Ich war ein riesiger Fan von Philipp Lahm. Als der aufgehört hat, war ich wahnsinnig traurig. Er vereint alles, guten Fußball und Understatement. Zudem ist er immer bei sich geblieben. Ja, ich steh eher auf Spielemacher wie ihn: im Hintergrund für Ruhe sorgend, eloquent und sympathisch.
 

Und welchen Fußballer finden Sie sexy?
Generell gilt bei mir: Andere kriegen eine Gänsehaut bei George Clooney, ich halt bei einem guten Fußballspiel.

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