Hitzfeld im AZ-Interview: Das sind die schönsten Meisterschaften

Vor genau 20 Jahren holte der FC Bayern am letzten Spieltag doch noch den Titel, weil Leverkusen in Unterhaching verlor. 
| Maximilian Koch
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Leverkusens Ballack trifft gegen Haching zum 0:1 ins eigene Netz.
imago 2 Leverkusens Ballack trifft gegen Haching zum 0:1 ins eigene Netz.
Die Bayern um Sergio, Lizarazu und Effenberg (v.l.) mit Schale.
imago 2 Die Bayern um Sergio, Lizarazu und Effenberg (v.l.) mit Schale.

München - AZ-Interview mit Ottmar Hitzfeld: Der 71-Jährige wurde als Bayern-Trainer fünfmal Meister, 2001 Champions-League-Sieger. Dreimal, u.a. im Jahr 2000, holte sein Team das Double. Am Mittwoch feiern er und der FC Bayern ein besonderes Jubiläum.

20 Jahre Haching-Wunder

AZ: Herr Hitzfeld, am 20. Mai 2000 gewann der FC Bayern eine der emotionalsten Meisterschaften seiner Historie. Mit dem 3:1-Sieg gegen Werder Bremen zog Ihre Mannschaft noch an Leverkusen vorbei. Hatten Sie noch an diese Wende am letzten Spieltag geglaubt?
OTTMAR HITZFELD: Als Trainer hat man immer den Auftrag, bis zur letzten Sekunde alles zu unternehmen, um erfolgreich zu sein. Nur so ist es möglich, ein kleines Wunder wie 2000 zu schaffen. Alle Zeitungen haben vor dem letzten Spieltag geschrieben, dass Leverkusen Meister wird. Deshalb musste ich die Leine im Training straffen. Denn es bestand ja durchaus die Gefahr, dass meine Spieler sich fragen würden: Warum sollen wir überhaupt noch mit 100 Prozent trainieren? Leverkusen hätte ja bereits ein Unentschieden zum Titel genügt, war vor dem letzten Spieltag der klare Meisterfavorit.

Was Bayer nicht gelang. Wann war Ihnen klar, dass das Wunder wahr werden kann?
Als Unterhaching 1:0 in Führung ging durch Michael Ballacks Eigentor, wurde es sehr laut im Stadion. Es war unüberhörbar, dass etwas passiert war. Uli Hoeneß und ich schauten uns an und dachten: Da tut sich was. In diesem Moment haben wir gespürt, dass wirklich noch was drin ist. Wir selbst haben unsere Aufgabe erfüllt, bereits nach 15 Minuten führten wir 3:0.

Leverkusens Ballack trifft gegen Haching zum 0:1 ins eigene Netz.
Leverkusens Ballack trifft gegen Haching zum 0:1 ins eigene Netz. © imago

Am Ende gab es einen souveränen Bayern-Sieg, während Leverkusen tatsächlich verlor.
Selbst beim 2:0 für Unterhaching durch Markus Oberleitner war ich mir noch nicht sicher, ob es für uns reichen würden. Leverkusen hatte noch genügend Zeit, um auszugleichen. Aber zum Glück haben wir es geschafft. Es war auch für uns eine anstrengende Saison, bei Bayern musst du möglichst immer Meister werden.

Sie haben Michael Ballack später beim FC Bayern trainiert. Hat ihn dieses Eigentor noch länger beschäftigt?
Solche Erlebnisse verfolgen dich das ganze Leben lang. Es war ein einschneidender Moment. Aber es lag nicht nur an Ballack. Leverkusen hat auch mitbekommen, dass wir schnell gegen Bremen geführt und damit Druck gemacht haben. Unser frühes 1:0 war psychologisch ganz wichtig.

"Es war insgesamt eine tolle Mannschaft"

Hätten Sie es für möglich gehalten, dass ein Jahr später in Hamburg der nächste Titelkrimi anstehen würde?
Es war zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellbar, dass wir 2001 nochmal so ein Drama erleben würden. Ich glaube auch, dass es für Schalke noch schlimmer war als für Leverkusen. Die Schalker Fans feierten ja schon auf dem Rasen. Für uns waren es jeweils große Triumphe 2000 und 2001. Diese Meisterschaften sind doch die schönsten, emotionaler, als wenn man 15 Punkte Vorsprung hat.

Waren diese Titel nur durch einen besonderen Willen der Spieler möglich?
Wir hatten große Persönlichkeiten in der Mannschaft, die diesen Druck aushalten konnten, die nie aufgegeben haben. Spieler mit Charakter. Oliver Kahn im Tor und Kapitän Stefan Effenberg als großer Stratege haben das Team angeführt. Es war insgesamt eine tolle Mannschaft mit einigen Führungsspielern.

Die Bayern um Sergio, Lizarazu und Effenberg (v.l.) mit Schale.
Die Bayern um Sergio, Lizarazu und Effenberg (v.l.) mit Schale. © imago

Könnte es in dieser Saison zwischen Bayern und dem BVB einen ähnlich spannenden Meisterkampf geben wie 2000?
Es sind noch einige Spiele zu absolvieren, deshalb ist alles möglich im Titelkampf. Bayern präsentiert sich sehr stabil, aber auch Dortmund ist gut drauf, hat im Derby gegen Schalke souverän gewonnen. Und das ohne die Stammkräfte Marco Reus, Axel Witsel und Emre Can. Der BVB hat zuletzt gute Transfers getätigt und ist in der Breite stark besetzt.

Wie wichtig wird das direkte Duell am 26. Mai?
Es ist ganz wichtig, in dieser Partie Stärke zu demonstrieren. Wenn Bayern nicht verlieren sollte, würde man Platz eins festigen. Wenn Bayern gewinnen sollte, wäre dies eine Vorentscheidung im Titelkampf.

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