Heilsbringer Hansi Flick: Bayern-Trainer sammelt auch in Doha Pluspunkte

Gelassen, souverän, optimistisch: Hansi Flick kommt mit seiner positiven Art bei Team, Bossen und Fans gut an. Nur die Verletztenmisere stört die bayerische Harmonie in Doha. Ein Rechtsverteidiger wird weiterhin gesucht.
| Maximilian Koch
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Auch bei den Fans ist Hansi Flick extrem beliebt.
Auch bei den Fans ist Hansi Flick extrem beliebt. © imago

Doha - Manchmal ist selbst Hansi Flick (54) machtlos, auch wenn dem Trainer des FC Bayern gerade ziemlich viel gelingt. Am Mittwoch kam Flick ein wenig gefrustet vom Trainingsplatz – aus nachvollziehbaren Gründen: Er hatte keine guten Nachrichten zu verkünden. Serge Gnabry (24), der an Achillessehnenproblemen leidet, werde in Doha nicht mehr mit der Mannschaft trainieren können, teilte Flick mit. Somit wird der Offensivstar auch das Testspiel beim 1. FC Nürnberg am Samstag verpassen.

"Echt mau!": Bayern hat ein Flügelproblem

Gleiches gilt für Kingsley Coman (Kapseleinriss im linken Knie), der definitiv in den ersten beiden Bundesliga-Partien gegen Hertha BSC (19. Januar) und Schalke (25. Januar) fehlen wird. Erst am Mittwoch wurde beim Franzosen die Schiene am Gelenk entfernt. Flicks treffender Kommentar zur personellen Situation auf der Außenbahn: "Echt mau!" In der Tat, Bayern hat ein deftiges Flügelproblem.

Doch wer, wenn nicht Flick, sollte es lösen können? Der Coach macht einen sehr gelassenen und souveränen Eindruck im Trainingslager, als könne ihn überhaupt nichts aus der Ruhe bringen. Nach den Einheiten plaudert er mal mit Fans, schreibt Autogramme, lässt Fotos mit sich machen. Der Kontakt zu den mitgereisten Reportern ist entspannt, es wird auch mal gelacht, ein Späßchen gemacht.

Auch bei den Fans ist Hansi Flick extrem beliebt.
Auch bei den Fans ist Hansi Flick extrem beliebt. © imago

Flicks Art kommt an – in erster Linie natürlich bei den Spielern. Man musste nur mal Thomas Müller (30) zuhören. Flicks Ansprache vor der Mannschaft sei "sehr positiv", sagte Müller, "er hat sehr klare Vorstellungen, die er umgesetzt haben will. Und das ist ganz entscheidend."

So ein Leitfaden sei schließlich eine wichtige Hilfe, ergänzte Müller und wählte einen lustigen Vergleich: "Wenn dich deine Frau/Freundin zum Einkaufen schickt und du einen Einkaufszettel dabei hast, weißt du genau, was du im Supermarkt zu tun hast. Wenn sie dir sagt: 'Geh mal einkaufen, damit wir ein schönes Abendessen haben', stehst du vor den Regalen, und die Gefahr, dass das Abendessen eher nix wird, ist groß." Ein klassischer Müller. Und ein Hinweis darauf, wie Flick die Spieler in wenigen Wochen hinter sich gebracht hat: mit Klarheit, Authentizität und einem spielerischen Plan.

Flick bekommt viel Lob von den Bayern-Stars

Nicht nur Kapitän Manuel Neuer (33) kann sich deshalb gut vorstellen, dass Flick über den Sommer hinaus Cheftrainer bleibt. Die Arbeit mit dem Coach mache "sehr viel Spaß", sagte Neuer in Doha. "Und es ist für mich natürlich auch ausschlaggebend, wer langfristig Trainer wird." Mit Flick, der Neuer als "weltbesten Torhüter" bezeichnete, würde der Keeper ganz sicher auch in Zukunft zusammenarbeiten wollen.

Vielen Teamkollegen geht es genauso. Joshua Kimmich etwa erklärte: "Die Art und Weise, wie wir spielen, ist wieder attraktiver geworden. Wir attackieren und pressen höher, zwingen den Gegner zu Fehlern. Wir Spieler sind zufrieden." Neben dem taktischen Fortschritt im Vergleich zur Niko-Kovac-Zeit wird besonders Flicks menschliche Seite gelobt.

"Ich finde bei ihm sehr auffällig, dass er seinen Umgang nicht nur auf die Mannschaft beschränkt, sondern sich immer wieder um die Mitarbeiter kümmert und versucht, sie mit ins Boot zu holen", sagte Kimmich: "Am Ende sind zwar wir Spieler diejenigen, die Verantwortung auf dem Feld tragen, aber die Mitarbeiter drumherum geben jeden Tag ihr Bestes, damit wir so gut wie möglich performen können. Er macht das wirklich gut, indem er auch ihnen die nötige Wertschätzung gibt."

Flick wünscht sich noch einen Rechtsverteidiger

Zuletzt hat man solche Sätze übrigens über Jupp Heynckes (74) gehört, der Flick eine Ära bei Bayern zutraut und einst - wie der Coach von 2020 - dreimal täglich in Doha trainieren ließ. Am Ende der Saison 2012/13 holten die Jupp-Bayern das Triple.

Flick erinnert mit seiner positiven Art an Triple-Trainer Jupp Heynckes.
Flick erinnert mit seiner positiven Art an Triple-Trainer Jupp Heynckes. © imago

Dieses Ziel hat auch Flick. "Mit dem aktuellen Kader sind wir bei dieser Verletzungssituation nicht optimal für die Rückrunde aufgestellt", sagte der aber der "SZ" und mahnte damit die Verantwortlichen: Wir brauchen auf jeden Fall noch Verstärkung. Er "denke da an mindestens zwei Spieler – auf jeden Fall einen für die Defensive und vielleicht auch für die offensive Außenbahn." Denn auch wenn Flick für Bayern bislang wie ein Heilsbringer daherkommt – ein Wunderheiler ist er nicht.

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