"Hat momentan nicht das Momentum": FC-Bayern-Star Díaz muss ordentlich Kritik einstecken

Linker Flügel, rechter Flügel. Im Bundestag gänzlich unterschiedliche Welten, auf dem Fußballplatz nicht so sehr, was die Anforderungen betrifft. Eins-gegen-Eins-Duelle gewinnen, Tore vorbereiten oder in die Mitte ziehen und abschließen. Bei Bayern die Welt von Michael Olise (24) auf rechts und von Luis Díaz (29) auf links.
Olise spielte gegen Elversberg auf der Zehn
Momentan treten die beiden grundverschieden auf. Der eine leichtfüßig und locker, der andere unglücklich bis verkrampft. Beim 2:1 in Elversberg verzichtete Bayern-Trainer Vincent Kompany auf sein Weltklasse-Flügelduo, brachte Ismael Saibari (25) als Linksaußen und Teenager-Shootingstar Lennart Karl (18) auf Rechtsaußen. Díaz durfte zunächst mal pausieren, Olise schickte Kompany auf die Zehn. Auf die Position, die er bei der WM in Nordamerika für die französische Nationalelf ausfüllte. Kompany wollte mal sehen, wie das in seinem Team funktioniert – an der langen Leine.
Liberté, Freiheit. "Michael ist in seiner freien Rolle am stärksten", sagte der belgische Coach vor dem Anpfiff bei DAZN und betonte: "Wichtig ist, dass er in den richtigen Räumen ist, dass er zum Tor kommt. Wir haben viele Tore geschossen in letzter Saison von Michael aus der Position außen und innen. Die Hauptsache ist für mich, er bleibt gefährlich."
Lässigkeit von Olise würde Díaz aktuell helfen
Einen Heber aus zentraler Position setzte Olise beim Stand von 1:1 an die Unterkante der Latte. Olise ist kein Mann großer Worte, sagte letzte Woche in einem TV-Interview: "Ich schieße, und entweder geht der Ball rein oder nicht." Die Lässigkeit würde momentan wohl Luis Díaz helfen. Der Kolumbianer leidet an Ladehemmung, der neben einer Verletzung für Offensivspieler schmerzvollsten Problematik. In den ersten sechs Saisonspielen (fünf von Beginn an) kommt der 29-Jährige auf nur ein Tor, sprich eine Torbeteiligung.
In der vergangenen Saison, der ersten von Díaz nach seinem Wechsel im Sommer 2025 vom FC Liverpool nach München, erreichte er sensationelle 49 Torbeteiligungen (26 Treffer, 23 Vorlagen) in 51 Pflichtspielen, verpasste lediglich vier Partien wegen Sperren. Ein Dauer(b-)renner.

Ballack: "Egal wie, du musst den Ball reinmachen"
Eine Szene war symptomatisch für Díaz` momentanen Anti-Lauf: Zwei Minuten nach seiner Einwechslung in der 65. Minute hätte er für den Ausgleich sorgen müssen. Zentral vor Elversberg-Keeper Nicolas Kristof verzögerte er den Schuss, brauchte zu lange, bediente seine Nebenleute Jamal Musiala (links von ihm) und Harry Kane (rechterhand) nicht. Der umständliche Versuch mit der Hacke scheiterte am Keeper. Kane drehte sich entnervt ab.
DAZN-Experte Michael Ballack sagte im TV: "Zu verspielt. Egal wie, du musst den Ball reinmachen. Wenn es gelingt, ist es traumhaft. Wenn nicht, ist es leichtfertig vergeben." Díaz weiß das.

Eberl: "Lucho hat momentan nicht das Momentum"
Schon beim 0:0 auf Schalke und beim 5:0 gegen Bodø/Glimt in der Champions League vergab Díaz einige Möglichkeiten. Sportvorstand Max Eberl sagte: "Was soll ich als Abwehrspieler, der nie ein Tor geschossen hat, Lucho Díaz sagen, wie er besser ein Tor schießen soll? Lucho hat momentan nicht das Momentum. Er überlegt wahrscheinlich auch: Nehme ich den Ball direkt oder nehme ich ihn noch einmal an? Dann ist der Ball schon da."
Er wollte es lieber allgemein halten, schob nach: "Wir haben heute einige Chancen verpasst. Irgendwann wird auch sein Knoten wieder platzen." Am Freitag im Heimspiel gegen Union Berlin? Danach steht für Díaz eine anstrengende Länderspielreise nach Südamerika mit drei Partien gegen Mexiko, Paraguay und Peru an.
Urbig verteidigt Díaz
Torhüter Jonas Urbig meinte zu Díaz: "Ich nehme ihn sehr gut wahr. Er ist immer gefährlich, immer fleißig und immer gewillt, sich zu verbessern und Tore zu schießen. Deswegen ist es für mich nur eine Frage der Zeit, bis er wieder die Tore macht, die er auch in der vergangenen Saison gemacht hat. Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben." Will sagen: Nur Geduld.