Großer München-Block möglich: Tritt bei der WM ein "FC Bayern light" an?

Der FC Bayern spielt eine herausragende Saison, wovon auch die deutsche Nationalmannschaft bei der WM im Sommer profitieren könnte. Theoretisch wäre sogar eine Startelf mit acht Stars des Rekordmeisters möglich. Ein Gedankenspiel der AZ.
von  Bernhard Lackner
Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Bundestrainer Julian Nagelsmann. © IMAGO/Gerhard Schultheiß

1974 gab es einen, 1990 ebenfalls und 2014 sowieso: Wenn der FC Bayern mit einem starken Block in der Nationalmannschaft vertreten war, war über die vergangenen Jahrzehnte immer wieder der WM-Titel drin. So auch in diesem Jahr?

Nun, knapp drei Monate vor Beginn der Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko ist rund um das DFB-Team von Euphorie nur wenig zu spüren – dafür hat das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann seit der Heim-EM vor zwei Jahren schlicht auch zu wenig Eigenwerbung betrieben. Wer einen genaueren Blick auf den Kader für die anstehenden Länderspiele gegen die Schweiz (27. März) und Ghana (30. März) wirft, dem muss aber eigentlich nicht bange sein.

Insgesamt hat Bundestrainer Nagelsmann sechs Spieler des FC Bayern nominiert – und die kommen mit ordentlich Rückenwind zur Nationalmannschaft. Der Rekordmeister spielt bislang eine herausragende Saison, hat die deutsche Meisterschaft so gut wie in der Tasche, ist im DFB-Pokal noch aussichtsreich vertreten und gehört in der Champions League zum Favoritenkreis. An Selbstvertrauen mangelt es also nicht.

Setzt Nagelsmann bei der WM auf einen "FC Bayern light"?

"Bayern spielt national und international eine Top-Saison, sie verkörpern eine großartige Mentalität. Das betrifft die Trainer, aber auch die Spieler. Deswegen greifen wir gerne auf diesen Block zurück", begründete Nagelsmann seine Entscheidung. Auch von der offensiven, pressinglastigen Spielweise, auf die Trainer Vincent Kompany bei den Bayern setzt, könne das DFB-Team profitieren.

Die Vorteile einer Blockbildung bei der Nationalmannschaft liegen auf der Hand: die Spieler kennen sich aus dem Verein in- und auswendig, Automatismen und Abläufe sind einstudiert und auch die Hierarchie auf dem Platz ist klar. Setzt Nagelsmann bei der WM im Sommer auf eine Art FC Bayern light? Möglich wäre es!

Tatsächlich wäre bei der Endrunde im Sommer sogar eine deutsche Elf mit acht Spielern des deutschen Rekordmeisters möglich. Mit Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Leon Goretzka, Serge Gnabry und Jamal Musiala, der die anstehenden Länderspiele aufgrund von Sprunggelenksproblemen verpasst, haben im Normalfall alleine schon fünf Münchner ihren Platz in der Startelf sicher.

Keine Denkverbote: Warum nicht schon bei der WM auf Urbig setzen?

Treibt man das Gedankenspiel noch ein bisserl weiter, könnte Nagelsmann im Tor auch auf Jonas Urbig setzen. Der 22-Jährige hat seit seinem Wechsel nach München im Winter vergangenen Jahres eine extrem positive Entwicklung genommen. Dass die sich häufenden Verletzungsprobleme von Manuel Neuer bei den Bayern für keine schlaflosen Nächte sorgen liegt auch an ihm. Im Gegensatz zu seinen Torwart-Konkurrenten Oliver Baumann und Alexander Nübel kann sich Urbig auch auf allerhöchstem Niveau in der Champions League beweisen.

Dass Nagelsmann sich tatsächlich für den 22-Jährigen entscheidet, ist freilich unwahrscheinlich – schließlich hat Platzhirsch Baumann stets gute Leistungen gezeigt und sich nichts zu Schulden kommen lassen. Nach der WM im Sommer werden die Karten im DFB-Tor aber ohnehin neu gemischt, spätestens dann wird Urbig ohnehin ein Kandidat fürs DFB-Tor werden. Warum sich nicht jetzt schon auf einen zukunftsfähigen Keeper festlegen? Denkverbote darf es bei der Nationalmannschaft jedenfalls nicht geben.

Hoffenheims Oliver Baumann hat im DFB-Tor derzeit die Nase vorn.
Hoffenheims Oliver Baumann hat im DFB-Tor derzeit die Nase vorn. © IMAGO

Bischof könnte die Außenverteidiger-Problematik lösen

Selbiges muss auch für die Personalie Tom Bischof gelten. Der zweimalige A-Nationalspieler wurde zwar nicht für die anstehenden Länderspiele nominiert, ist aber nah dran, wie Nagelsmann am Donnerstag verriet. Dank seiner Vielseitigkeit bringt der 20-Jährige jedenfalls ein interessantes Gesamtpaket mit: Bischof ist gelernter Mittelfeldspieler, hat bei Bayern in dieser Saison aber auch schon häufiger auf beiden Außenverteidigerpositionen gespielt. Genau dort liegen die Baustellen der Nationalmannschaft, weshalb mit Kimmich auf der Rechtsverteidigerposition geplant wird. Den linken Part der Viererkette könnte Bischof einnehmen – dort hat allerdings zuletzt Leipzigs David Raum den Vorzug erhalten, auch Frankfurts Nathaniel Brown ist da noch vor Bischof zu sehen.

Tom Bischof absolvierte beim Final-Four der Nations League im vergangenen Jahr seine ersten beiden Länderspiele.
Tom Bischof absolvierte beim Final-Four der Nations League im vergangenen Jahr seine ersten beiden Länderspiele. © IMAGO/Pressefoto Rudel

Besteht das DFB-Herzstück aus Bayern-Spielern?

Interessant wird auch sein, wie Nagelsmann im zentralen Mittelfeld plant. Auf der Doppelsechs hat Goretzka aktuell die besten Karten, daneben gelten Bayern-Kollege Aleksandar Pavlović (fällt für den jetzigen Lehrgang wegen einer Verletzung aus) und Felix Nmecha von Borussia Dortmund als aussichtsreichste Kandidaten. Entscheidet sich Nagelsmann für Pavlovic, hätte er zusammen mit Goretzka und Musiala oder auch den frisch erstnominierten Lennart Karl davor als Zehner ein gut aufeinander abgestimmtes Bayern-Trio als Herzstück seiner Nationalmannschaft.

Treibt man das Gedankenspiel auf die Spitze, könnte der Bundestrainer bei der WM im Sommer also auf folgende Startelf setzen:

Urbig - Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Bischof - Goretzka, Pavlovic - Gnabry, Musiala (Karl), Wirtz - Undav

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