FC Bayern nach Niederlage gegen Real Madrid: Der Anfang vom Ende

Die Niederlage gegen Madrid und das drohende Aus markieren einen Wendepunkt für den FC Bayern. Viele Profis spielen auf den Zielgeraden ihrer Karrieren. Trainer Ancelotti muss sich Fragen stellen.
| Patrick Strasser
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Das Ende einer Ära? Der FC Bayern muss sich nach der Pleite gegen Real Madrid Fragen stellen.
Andreas Gebert/dpa Das Ende einer Ära? Der FC Bayern muss sich nach der Pleite gegen Real Madrid Fragen stellen.

München - Mit dem 1:2 gegen Real Madrid ging beim FC Bayern mehr verloren als nur ein Spiel, rein statistisch war es die erste Pleite nach 16 Heimsiegen in der Königsklasse. Schwerer wiegt, dass ein Ziel, der Traum vom erneuten Gewinn der Champions League, zerstört ist. Und womöglich war es der Anfang vom Ende einer großen Ära, der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Immer vorbehaltlich, den Bayern gelingt im Rückspiel am Dienstag in Madrid kein Fußball-Wunder.

Doch wer mag schon an eine sportliche Auferstehung zwei Tage nach Ostersonntag glauben? Carlo Ancelotti, der Trainer, zum Optimismus verpflichtet, muss das Flämmchen Hoffnung mit beiden Händen im aufgezogenen Gewittersturm schützen. "Wir sind noch am Leben", sagte der Italiener – wohl wissend, dass die Reanimation lediglich deshalb möglich ist, weil Real gegen Ende der Partie mittels verschwenderischer Chancenverwertung lebenserhaltende Maßnahmen für die Bayern betrieben hatte.

Peng. Plopp. Finalträume sind zerplatzt

Wie die Münchner hergespielt wurden, belegen die 16 Torschüsse von Madrid in der zweiten Halbzeit, Bayern kam auf zwei. Ohne Torwart Manuel Neuer hätte es ein Debakel von historischem Ausmaß gegeben. In diesem Viertelfinal-Hinspiel verdichtete sich die gesamte Saison, das Jahr eins der Ära Carlo Ancelotti. Man begann stark, souverän.

Die Bayern strahlten nach dem Kopfball-Treffer von Arturo Vidal zur 1:0-Führung genau das aus, was ihr Vordenker, der verantwortliche Mann an der Linie verkörpert: Da sein, wenn es darauf ankommt. Wie in der Liga gegen Leipzig und Dortmund, wie im Pokal gegen Schalke. Die Saat des Frühjahrsspezialisten Ancelotti schien aufzugehen. Doch dann zerstörten wenige Momente das große Ganze, das Mannschaftsgebilde brach krachend zusammen.

Vidal donnerte einen Elfmeter übers Tor, die Abwehr pennte beim Gegentor zum 1:1, schließlich sah Javi Martínez Gelb-Rot für zwei taktische Fouls. Paff. Peng. Plopp. Wie drei Seifenblasen. Hinfort sind die Träume. Die Hoffnung stirbt zuletzt, klar. Nur: Ihr geht es ziemlich schlecht. Das Finale der Königsklasse scheint unerreichbar, den Champions-League-Pott stemmen die Bayern nur auf den Fotos von 2013.

Acht Spieler von Wembley noch dabei

Acht (!) Spieler vom damaligen Finale in Wembley standen gegen Real in der Startelf. Anstelle von Dante, Schweinsteiger und Mandzukic begannen am Mittwoch Vidal, Alonso und Thiago. Also ein ähnliches Niveau. Und doch hat die aktuelle Mannschaft ihre besten Tage gesehen. Die drei Halbfinal-Teilnahmen unter Ancelotti-Vorgänger Pep Guardiola wurden als Scheitern angesehen, dürfen nun jedoch nicht mehr als Selbstverständlichkeit begriffen werden.

Mit dem Triumph in London begann, unbemerkt aber stetig, der langsame Abstieg vom Gipfel. Die Dämmerung hat längst eingesetzt. Um sich noch im Hellen zu verabschieden, beenden Philipp Lahm und Xabi Alonso im Mai ihre Karriere. Denn sie wissen, was sie tun. Kommendes Jahr gehen Arjen Robben und Franck Ribéry auf ihre letzte Runde.

Überzeugung fehlte

Ob ihre Körper noch einmal so unversehrt bleiben wie in dieser Saison? Ob Ancelotti noch einmal das Feuer in ihnen entfachen kann? Es kommen noch mehr Fragen auf Ancelotti zu. Ist der Kader zu dünn, weil in den 1-B-Lösungen zu minderwertig, sprich nicht mit Weltklasse-Profis besetzt? Siehe Thomas Müller, der einen harmlosen Sturm-Backup für den zum schlimmsten Zeitpunkt der Saison verletzten Robert Lewandowski abgab.

Neben Qualität fehlte "Überzeugung". Es war das meist verwendete Wort in den Analysen der Profis. "Wir haben immer den Sicherheitspass gespielt und die Räume nicht genutzt, die uns Real gegeben hat", sprach Müller, der die "Überzeugung schon nach dem 1:0" vermisste.

Mia san weg

Robben meinte: "Der letzte Biss nach vorn war nicht da. Selbst in der ersten Halbzeit haben wir nicht richtig attackiert, sondern nur geschaut, dass wir keine Fehler machen." Warum bloß? "Ich weiß es nicht", sagte Robben und senkte den Kopf. Es ist das Rätsel des Frühjahrs, seit 2014 jedes Jahr aufs Neue.

Ob unter Guardiola oder mit Ancelotti: Wenn es in der Champions League drauf ankommt, sind die Bayern nicht mehr da. Mia san (dann mal) weg.

Lesen Sie auch: Müller, Vidal, Martínez - Das 1:2 gegen Real: Eine Pleite, drei Gesichter

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