FC Bayern München: So denkt Didi Hamann über den Fall Robert Lewandowski

Ex-Bayer Didi Hamann spricht in der AZ über den unzufriedenen Stürmer Robert Lewandowski – und hält einen Abschied im Sommer für möglich. "In England haben einige Top-Klubs Bedarf."
| Interview: Maximilian Koch
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dpa

Der 44-Jährige spielte von 1993 bis 1998 beim FC Bayern. Heute arbeitet er als TV-Experte für den Sender Sky.

AZ: Herr Hamann, haben Sie den Eindruck, dass Robert Lewandowski seinen Abgang beim FC Bayern provoziert?
DIDI HAMANN: Das würde ich ihm nicht unterstellen. Aber aus irgendwelchen Gründen ist eine Unzufriedenheit vorhanden. Das ist für seine Leistung nicht förderlich – und für die der Mannschaft auch nicht. Mich verwirrt sein Auftreten.

Inwiefern?
Er leistet sich so einen Abgang in Köln und verweigert Jupp Heynckes den Handschlag. Dazu kommt die Leistung gegen Real Madrid: Er war in beiden Partien der einzige Spieler, der abgefallen ist. Die Bayern haben sich super verkauft. Mats Hummels hat sich im Training einmal über Lewandowski beschwert, zuletzt gab es Berichte über fehlenden Einsatz. Die Trainingsleistungen würde ich nicht überbewerten. Problematischer war der Vorgang vergangenes Jahr, als er der Mannschaft vorgeworfen hat, dass sie ihn nicht genügend unterstützt hat. Lewandowski hat den Anspruch, eine Sonderstellung einzunehmen. Das kann er machen – aber dann muss er auch immer da sein, wenn die Mannschaft ihn braucht.

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Was gegen Real nicht der Fall war.
Er hat die Chancen nicht reingemacht. Wenn er die Bayern ins Finale geschossen hätte, könnte er diese Sonderstellung einnehmen. So aber nicht. Auch in den vergangenen Jahren hat er Bayern nicht ins Champions-League-Finale gebracht. Ich mache das Ausscheiden nicht nur an Lewandowski fest, aber mit Mario Mandzukic hat man es 2013 ins Finale geschafft – mit Lewandowski viermal nicht.

Die Frage ist ja auch, wie er sich unter dem neuen Trainer Niko Kovac verhält, wenn er schon bei Jupp Heynckes, der absoluten Respektsperson, so reagiert wie in Köln.
Das ist genau die Frage, die ich mir auch stelle. Das Ganze hat riesiges Konfliktpotenzial. Wenn er schon bei Heynckes nicht runterkommt, in einem eigentlich unbedeutenden Spiel am vorletzten Spieltag – wer weiß, was dann nächste Saison passiert. Es gibt Franck Ribéry, der einen neuen Vertrag unterschrieben hat und Arjen Robben, dem ein Angebot vorliegt. Wenn beide bleiben und öfter mal auf der Bank sitzen, kann es schwierig werden für Kovac. In der Vergangenheit haben die Bayern solche Tendenzen immer früh erkannt. Eskalationen wie in Dortmund mit Pierre-Emerick Aubameyang oder Ousmane Dembélé wurden verhindert.

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Karl-Heinz Rummenigge hat im Kicker darauf gewettet, dass Lewandowski bleibt.
Die Aussagen sind vor den Spielen gegen Real Madrid gefallen, vielleicht würde er sich jetzt anders äußern. Die Sache mit dem Handschlag, die Kritik von Hummels, die Körpersprache, wenn Pässe mal nicht kommen: Das passiert jetzt in einer Häufigkeit, die es vorher so nicht gab. Deshalb musst du dir als Verein die Frage stellen, ob Lewandowski in der nächsten Saison überhaupt noch Leistung bringt. Das wird spannend im Sommer. Ich kann mir schon vorstellen, dass ein Verkauf zur Debatte steht. Vor allem in England gibt es einige Top-Klubs, die auf der Stürmer-Position Bedarf haben.

Wer zum Beispiel?
Romelu Lukaku erzielt bei Manchester United zwar Tore, aber er ist noch kein Lewandowski. Bei Chelsea brauchen sie auch dringend einen neuen Stürmer. Und von Real Madrid soll es ja schon im vergangenen Sommer eine lose Anfrage gegeben haben.

2009 lehnte Bayern ein Mega-Angebot des FC Chelsea für Franck Ribéry ab, das zahlte sich aus. Der Franzose wurde zu einem der entscheidenden Bayern-Akteure.
Die Situation war damals eine andere, Ribéry hatte die beste Verfassung in seiner gesamten Karriere. Lewandowski wird jetzt 30, er lebt von seiner körperlichen Präsenz, von seiner Geschwindigkeit. Man weiß nicht, wie lange er noch Tore schießt. Es gibt nicht viele Stürmer, die dir 25 Tore pro Saison garantieren. Aber die Bayern werden einen finden.

Juves Paulo Dybala wird gehandelt, auch Antoine Griezmann von Atlético Madrid oder Chelseas Alvaro Morata. Wer kommt in Frage?
Dybala ist natürlich ein ganz anderer Spielertyp. Morata und Griezmann haben die Erfahrung – aber es ist auch eine Frage des Preises. Vielleicht macht man mit Lewandowski noch ein Jahr weiter und holt schon einen jüngeren Stürmer dazu, der dann langsam herangeführt wird und ihn beerbt. Brazzo (Sportdirektor Hasan Salihamidzic, d. Red.) lässt auf der ganzen Welt scouten, ich bin optimistisch.

Lesen Sie auch: Lewandowski stellt den FC Bayern vor ein Grundsatzproblem

 

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