FC Bayern: Kummerland statt Lummerland

Am Sonntag empfängt Augsburg zum ersten Mal in der Bundesliga den FC Bayern. Hier verrät der Chef der Puppenkiste, warum dem FCA ein Strippenzieher fehlt – und in welcher Rolle er Oliver Kahn sieht.
| Interview: Christoph Landsgesell
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Eine der bekanntesten Marionetten der Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf.
dpa Eine der bekanntesten Marionetten der Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf.

 

AZ: Herr Marschall, hat sich denn Augsburgs Trainer Jos Luhukay in letzter Zeit bei Ihnen gemeldet?

KLAUS MARSCHALL: Nein, eigentlich nicht. Warum hätte er das denn tun sollen?

Der FCA ist Vorletzter der Liga, es läuft nicht. Also eher Kummerland statt Lummerland im Stadion. Da täte der Mannschaft ein Strippenzieher wie Sie gut, der im Mittelfeld die Fäden zieht.

Ja, die Mannschaft tut sich in der Liga schwer. Ein Strippenzieher fehlt in der momentanen Situation tatsächlich. Vielleicht so eine freche Figur wie der Augsburger Kasperl. Aber der hat Probleme bei der Ballbehandlung.

Dafür tritt er vor jedem Heimspiel auf und gibt auf der Stadionleinwand eine Prognose ab. Wie wird die für das Spiel gegen den FC Bayern am Samstag aussehen?

Zu viel will ich nicht verraten. Aber es ist ja das erste Mal, dass Bayern zum Derby nach Augsburg kommt. Und der Kasperl wünscht sich natürlich einen Sieg. Dass Augsburg zum Marterpfahl für die Roten wird.

Hatten die FCA-Fans eigentlich ein Problem damit, als „Eine Insel mit zwei Bergen“ als Tor-Lied ausgewählt wurde? Es ist ja eigentlich für Kinder.

Es ist ja schon immer so: Nicht nur der FCA, auch die Eishockeymannschaft der Augsburger Panther wird von der Presse und den Fans in Deutschland immer mit der Puppenkiste in Verbindung gebracht. „Die lassen die Puppen tanzen“, „Jim Knopf tut dies oder das“, heißt es dann. Das hat man einfach offensiv aufgenommen und gesagt: „Dann nehmen wir das wirklich an.“

Die Puppenkiste ist schließlich Augsburgs bekanntester Export, damit verbindet man nun mal die Stadt.

Ja, und auch der Fußballverein in der Bundesliga tut Augsburg sehr gut. Wer würde Kaiserslautern kennen und wahrnehmen, wenn sie nicht schon seit ewigen Zeiten in der Ersten Liga spielen würden? Oder Gladbach? Das kommt erst über den Fußball. Augsburg verbindet man schon seit über 40 Jahren mit der Puppenkiste. Wenn der FCA sich etablieren sollte, kann er diese Rolle auch spielen.

Sie führen die Puppenkiste mittlerweile in der dritten Generation. Wie ist Ihr Gefühl, wenn Augsburg in einem Heimspiel trifft und Tausende Menschen zu „Eine Insel mit zwei Bergen“ ausflippen und feiern?

Das zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, regelmäßig. Je mehr Tore fallen, desto besser. Das Lummerland-Lied ist ja auch seitdem es in einer Techno-Version in den Hitparaden war, noch ein gutes Stück bekannter geworden.

Was verbindet denn aus Ihrer Sicht Fußball und Theater?

Es ist eine andere Welt, die sich verbinden lässt. Profi-Sport und Kultur haben unterschiedliche Vorgehensweisen, aber zunächst wollen wir doch beide das Publikum unterhalten. Die Gegensätze sind dabei gar nicht so groß. Wir versuchen aber, die Kooperation mit dem FCA zu intensivieren, indem wir zum Beispiel bei Weihnachtsfeiern des Vereins mit unseren Figuren vertreten sind. Wir haben auch regelmäßig Spieler bei uns im Haus.

Profitiert die Puppenkiste denn auch von der Zusammenarbeit mit dem FCA?

Für uns ist es wichtig, immer im Gespräch zu bleiben. Seit wir nicht mehr regelmäßig im Fernsehen zu sehen sind, ist es notwendig, dass wir andere Wege suchen, um in der Öffentlich präsent zu sein. Auch dafür dient diese Aktion mit dem FCA.

Aber ein FCA-Puppenkisten-Stück ist nicht geplant?

Nein. Aber mit „Steffi. Ein Sommermärchen“ haben wir im Frühjahr ein Stück zur Fußballweltmeisterschaft der Frauen auf die Bühne gebracht.

Da ging es um Steffi Jones, Ex-Nationalspielerin und Präsidentin des Organisationskomitees. Gibt es denn eine Figur beim FC Bayern, die sich als Puppe eignen würde?

Uli Hoeneß hat manchmal ein bisschen was vom Rumpelstilzchen. Oliver Kahns Ära ist leider vorbei, er hätte sich vielleicht als Scheinriese Herr Turtur aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ oder als Riese beim „Tapferen Schneiderlein“ geeignet.

 

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