FC Bayern gegen Real Madrid - Noch einmal: Drama, Baby!

Fünfmal bereits trafen die Königlichen und die Münchner im K.o.-Duell ums Finale aufeinander – viermal jubelte nach dem Rückspiel Bayern. Die AZ wirft einen Blick auf die legendären Halbfinal-Duelle.  
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1976: Blass im Rückspiel: Reals Paul Breitner.
Imago 1976: Blass im Rückspiel: Reals Paul Breitner.

Fünfmal bereits trafen die Königlichen und die Münchner im K.o.-Duell ums Finale aufeinander – viermal jubelte nach dem Rückspiel Bayern. Die AZ wirft einen Blick auf die legendären Halbfinal-Duelle.

München - Kaum ein Duell im Weltfußball elektrisiert so wie Bayern gegen Real. Das Duell zwischen München und Madrid gehört zur Uefa-DNA, verdient im ungeschriebenen Geschichtsbuch des Vereinsfußballs ein eigenes Kapitel. Nach dem aktuellen Duell werden sich beide 22-mal gegenübergestanden sein, sechs Mal im Halbfinale, nie jedoch im Endspiel.

Lesen Sie hier: FC Bayern verspricht Real Madrid die

„Es ist ein Klassiker, ein großartiges Spiel, auf das sich ganz Deutschland, Europa und die ganze Welt freut“, sagt Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. So war’s auch in der Vergangenheit: In den fünf Halbfinals in Landesmeister-Cup und Champions League stand es immer Spitz auf Knopf. Drama, Baby! Sieben Platzverweise gab es, 15-mal traten Spieler vom Elfmeterpunkt an. Vor allem die Rückspiele hatten es in sich. Letztlich kam Bayern viermal weiter, einmal Real.

Hier geht's zur Sportumfrage: Biegt der FC Bayern das noch um?

Nach einem Hinspiel in Madrid – wie nun 2014 – gab’s 2000 das Aus, 1976 und 2001 zog Bayern jedoch ins Finale ein, beide Male gab’s später den Titel. Wie liefen die Spiele? Wer waren die Helden? Die AZ wirft einen Blick auf die legendären Halbfinal-Duelle.

Lesen Sie hier: Niederlage im Hinspiel: Schlechtes Omen für die Bayern

 

1976: Lektion für Breitner & Netzer

Der Held: Gerd Müller. Sorgt im Alleingang fürs Weiterkommen.

Vorgeschichte: Beim 1:1 im Hinspiel in Madrid – dem ersten Duell überhaupt – gleicht Bomber Müller (43.) Martinez’ Führung (9.) aus. Nach Schlusspfiff stürmt ein jugendlicher Real-Fan auf den Platz, will dem Schiedsrichter ans Leder, haut dabei auch Müller um. Uli Hoeneß und Sepp Maier stoppen den Rasenden. Maier: „Ich hab den Hund in den Schwitzkasten genommen und der Polizei übergeben. Der Bursche hat bekommen, was er verdient.“ Hoeneß zeigt später auch Real-Star Camacho als Rädelsführer bei der Uefa an. Die erwägt ein Jahr Sperre für Real, lässt es dann aber.

Das Rückspiel: Angeführt vom genialen Beckenbauer führt Bayern Real phasenweise vor. Netzer und Breitner kommen kaum an den Ball. Müller macht eins seiner seltenen Tore außerhalb des Strafraums: mit dem linken Außenrist aus 17 Metern in den linken Winkel zum 1:0 (9.), später legt er aus der Drehung das 2:0 (31.) nach.

So ging’s weiter: Bayern gewinnt gegen St. Etienne (1:0) das dritte Endspiel in Folge.

 

1987: Als Augenthaler Kette rauchte

Der Held: Jean-Marie Pfaff. Im Rückspiel nahezu unüberwindbar. Seine Frau Carmen hatte in einer Madrider Kirche morgens noch gebetet.

Vorgeschichte: Im Hinspiel führt Bayern nach 36 Minuten schon mit 3:0. Augenthaler macht seine berühmte Hörner-Geste, weil die Spanier wie wilde Stiere auftreten. Juanito tritt dem zweifachen Torschützen Matthäus ins Gesicht, fliegt vom Platz. Mino folgt ihm. Endstand: 4:1!

Das Rückspiel: Das Bernabéu ist extrem feindselig. Bayern-Keeper Pfaff wird mit allem beworfen, was die spanischen Fans in die Finger kriegen: Steine, Batterien, eine 30 Zentimeter lange Eisenstange und ein Klappmesser. Real geht nach 27 Minuten durch ein Eigentor in Führung, dann lässt sich Augenthaler zu einer Revanche-Watschn gegen Hugo Sanchez hinreißen – Rot! Bayern muss 60 Minuten in Unterzahl spielen. In der Kabine dreht Augenthaler alle Duschen auf, um den Stadionlärm nicht mehr zu hören, raucht Kette. „Das war für mich die Hölle!“ Dank Pfaff bleibt’s beim 0:1. Als die Kollegen in die Kabine kommen, ist Augenthaler „glücklicher als nach dem WM-Titel drei Jahre später“.

So ging’s weiter: Bayern führt im Finale gegen Porto mit 1:0, ehe Madjers per Hacke und Juary fürs 1:2 sorgen.

 

2000 Anelka! Drei Siege gegen Real reichen nicht

Der Held: Diesmal ein Madrilene – Nicolas Anelka, Torschütze in Hin- und Rückspiel.

Vorgeschichte: Schon in der Zwischenrunde treffen Real und Bayern aufeinander – die Münchner feiern zwei Fußballfeste, siegen im Bernabéu (4:2) und bereiten Matthäus im Heimspiel einen glänzenden Abschied (4:1). Fünf Wochen später sieht man sich im Halbfinale wieder: Und diesmal siegt Real im Hinspiel mit 2:0. Anelka, kurz zuvor noch suspendiert, schießt das 1:0 (4.). Jeremies unterläuft auch noch ein Eigentor (33.). Anelka sagt später: „Mich bei Trainer del Bosque entschuldigen zu müssen, war wie mit runtergelassener Hose vor ihm zu stehen.“

Das Rückspiel: Bayern geht durch Janckers Seitfallzieher in Führung (12.). Doch wieder ist es Anelka, der zum 1:1 trifft (31.). Nach Elbers 2:1 startet Bayern einen Sturmlauf, doch Reals Bollwerk hält stand. Beckenbauer: „Wir waren in Madrid so schlecht, dass wir es zu Hause fast nicht mehr aufholen konnten.“

So ging’s weiter: Real siegt im Finale 3:0 gegen Valencia.

 

2001: Jens kennt keinen Schmerz

Der Held: Jens Jeremies. Opfert sich angeschlagen fürs Team, schießt das Siegtor.

Vorgeschichte: Jeremies und Elber lassen sich zwölf Tage vor dem Hinspiel in Madrid am Knie operieren und spielen dennoch. Elber schießt beim 1:0 sogar das Siegtor (55.), „Da sieht man die Kunst der Ärzte. Zu meiner Zeit wäre da eine Amputation nötig gewesen“, scherzt Präsident Franz Beckenbauer.

Das Rückspiel: Wieder ist es Elber, der aus dem Gewühl das 1:0 macht und das Olympiastadion zum Kochen bringt. Nach Figos Ausgleich (18.) wittert Real seine Chance, doch ausgerechnet Jeremies, der so gut wie nie trifft, macht nach einem Freistoßtrick das 2:1 (34.) – Bayern besiegt den Titelverteidiger! Die „Marca“ schreibt anschließend erstmals von der „Bestia Negra“, dem Angstgegner für Real.

So ging’s weiter: Jeremies bezahlt seinen verfrühten Einsatz bitter, fällt mit Knieproblemen acht Monate aus. Der Rest schwingt sich im Finale in Mailand in den Olymp: Sieg im Elfmeterschießen gegen Valencia, der Pott ist nach 1976 wieder ein Münchner.

 

2012: Schweinsteigers unvergesslicher Tag

Der Held: Manuel Neuer. Sieggarant im Hinspiel, Elferkiller im Rückspiel 2011/2012. Hoeneß faucht: „Ich hoffe, dass jetzt der Letzte in München begriffen hat, warum wir ihn verpflichtet haben. Ich hoffe, dass da ein paar Abbitte tun.“

Vorgeschichte: Dusel für Bayern im Hinspiel daheim. Ronaldo gleicht Ribérys Führung (17.) verdient aus (53.). Als alle schon mit dem Remis rechnen, stochert Gomez mit dem Abpfiff zum 2:1. Real-Star Özil sagt nachher keck: „Wir sehen uns wieder in München!“, Meint: beim Endspiel.

Das Rückspiel: Emotion pur! Real führt schnell durch zwei Ronaldo-Tore (6./Handelfer, 14.), ehe Pepe Gomez foult und Robben aus elf Metern das Hinspielergebnis egalisiert (27.). Bayern ist in der Folge besser, Gomez verballert viele Chancen. Im Elfmeterschießen hält Neuer gegen Ronaldo und Kaka. Dann jagt Ramos den Ball auf den Oberrang. Schweinsteiger macht den Sieg perfekt, sagt später: „Wir sind alle tot, aber überglücklich. Diesen Tag werde ich nie vergessen.“

So ging’s weiter: Bayern bezahlt den Finaleinzug mit drei Gelbsperren – ohne Badstuber, Alaba und Gustavo kommt’s zum Drama dahoam: Elfmeter-Niederlage gegen Chelsea. Den Tag würde Schweinsteiger gern vergessen.

 

 

 

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