FC Bayern: Erster Machtkampf zwischen Salihamidzic und Flick?

Das Thema Winter-Transfers sorgt beim FC Bayern für Diskussionen. Hansi Flick fordert vehement Verstärkungen. Sportdirektor Hasans Salihamidzic ist darüber nicht begeistert und legt sich öffentlich mit seinem Trainer an. 
| AZ/Julian Huter, AZ/mxm
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Bayern-Trainer Hansi Flick (r.) fordert Winter-Verstärkungen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic kritisierte hingegen die öffentliche Kommunikation.
Bayern-Trainer Hansi Flick (r.) fordert Winter-Verstärkungen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic kritisierte hingegen die öffentliche Kommunikation. © Peter Kneffel/dpa, imago/MIS, AZ-Montage

Doha/München - Für Trainer Hansi Flick gab es von der Führungsriege der Bayern bisher fast nur lobende Worte. Für Kritik gab es auch kaum Anlass: Sportlich läuft es gut, er hat die Mannschaft für sich gewonnen und präsentierte sich im Umgang mit den Medien eloquent, aber zugleich vorsichtig. Im Trainingslager in Katar wagte Flick jetzt öffentlich eine forschere Ansage – und Sportdirektor Hasan Salihamidzic haute ihm dafür prompt auf die Finger. Das Streitthema: Transfers in diesem Winter.

Flick hatte wegen der angespannten Verletzungssituation in der Süddeutschen Zeitung Verstärkungen gefordert. Der Trainer wünscht sich zwei Spieler – einen Rechtsverteidiger sowie vielleicht einen neuen Mann auf dem offensiven Flügel. Salihamidzic übte an diesem Vorgehen deutlich Kritik: "Ich war überrascht. Ich bin kein Freund von medialer Kaderplanung", sagte der Sportvorstand in spe am Donnerstag im Trainingslager in Doha.

Inhaltlich zeigte Salihamidzic zwar durchaus Verständnis für den Coach, es gäbe keine Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden. Er betonte aber auch, dass ein Winter-Transfer nicht ausschlaggebend für die hohen Münchner Saisonziele sei:  "Die Zukunft des FC Bayern hängt nicht von einem Rechtsverteidiger ab", erklärte Salihamidzic und widerspricht Flick damit direkt.

Salihamidzic: "Der Verein trägt die absolute Verantwortung"

"Ich finde es gut, wenn sich Bayern München die höchsten Ziele steckt", sagte Flick der "SZ", "aber wenn man von 'pack mas' und 'voll angreifen' und allen möglichen Titeln spricht, braucht man auch einen Kader, der in der Tiefe genügend Substanz und Qualität besitzt." Der aktuelle Bayern-Kader verfügt über diese, nach Flicks Einschätzung, offenbar nicht – daher auch die nach Transfers. Zudem hatte er zu Beginn des Trainingslagers seinen Wunsch nach einem neuen Rechtsverteidiger bekräftigt.

Der Verein prüfe Optionen. Aber es sei schwer, gerade im Winter Spieler zu finden, die sofort weiterhelfen würden und eine Verstärkung darstellten, schilderte Salihamidzic. Die Vereinsführung wolle den Trainer so gut es geht unterstützen, die Trainer-Personalie sei letztendlich aber nicht der alles entscheidende Faktor bei Transfers.

Der Sportdirektor wurde gefragt, ob es schwierig sei,Spieler von einem Wechsel zu überzeugen, wenn die Trainerfrage nicht langfristig geklärt ist. Seine Antwort: "Nein. Natürlich haben wir uns immer mit dem Trainer abgesprochen. Aber am Ende trifft der Klub die Personalentscheidungen. Der Klub hat da die absolute Verantwortung."

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Die Botschaft ist klar: In Personalfragen haben Salihamidzic und die Vereinsführung das letzte Wort – nicht Flick und sein Trainerteam. Flick pocht vehement auf sofortige Verstärkung – glaubt man einem Bericht der "Bild", will Salihamidzic aber in dieser Transferperiode keine großen Ausgaben tätigen. Diese würden für den Sommer benötigt. Das Blatt schreibt von einer geplanten Transferoffensive in deren Mittelpunkt Leroy Sané von Manchester City und Kai Havertz von Bayer Leverkusen stehen.

Die verschiedenen und teils auch sehr direkten Aussagen von Flick und Salihamidzic bezüglich möglicher Winter-Transfers deuten einen ersten kleinen Machtkampf zwischen Sportdirektor und Trainer an. Dass Salihamidzic gerade diesen Zeitpunkt wählt, um sich öffentlich gegenüber Flick zu profilieren, hängt vermutlich auch mit seinem neuen Kollegen zusammen. Oliver Kahn ist seit Beginn diesen Jahres offiziell Vorstandsmitglied bei Bayern – und bringt deutlich mehr Strahlkraft mit als der aktuelle Sportdirektor. Der hat jetzt sein Revier markiert – und scheut dabei auch nicht vor einem Kräftemessen mit seinem Trainer.

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