FC Bayern: Als eine einzige Robben-Aktion für Ekstase sorgte

Arjen Robben und Franck Ribéry – das ikonische Duo des FC Bayern hat am Samstag für Gänsehautstimmung in Fröttmaning gesorgt. So habe ich den emotionsgeladenen Nachmittag in der Allianz Arena erlebt.
| Michael Schleicher
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Die Südkurve beim Spiel des FC Bayern gegen Hannover 96.
imago/Michael Weber 4 Die Südkurve beim Spiel des FC Bayern gegen Hannover 96.
Rekordmeister des deutschen Rekordmeisters: Franck Ribéry.
firo/Augenklick 4 Rekordmeister des deutschen Rekordmeisters: Franck Ribéry.
Arjen Robben (r.) kann sich bei seiner Einwechslung ein Grinsen nicht verkneifen.
firo/Augenklick 4 Arjen Robben (r.) kann sich bei seiner Einwechslung ein Grinsen nicht verkneifen.
Mr. Wembley: Arjen Robben sorgte im Champions-League-Finale 2013 für den entscheidenden Treffer. Es folgte das legendäre Triple.
Rauchensteiner/Augenklick 4 Mr. Wembley: Arjen Robben sorgte im Champions-League-Finale 2013 für den entscheidenden Treffer. Es folgte das legendäre Triple.

München - Als Journalist gilt: Neutral berichten, nicht werten, Distanz wahren.

Doch wenn er die Redakteursbrille absetzt und als Privatperson unterwegs ist, darf auch er einfach mal nur Fan sein. So wie ich am vergangenen Samstag, als der FC Bayern Tabellenschlusslicht Hannover 96 (3:1) in der Allianz Arena besiegt hat – und ich gerade noch so zwei Karten für die Osttribüne bekam. Es sollte mein bisher emotionalster Stadion-Besuch in Fröttmaning werden.

"Oh Franck Ribéry" hallt es aus der Südkurve

Die (bislang) einzigartige Erfahrung beginnt, als Franck Ribéry nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit von der Torauslinie, an der sich die Auswechselspieler aufwärmen, in Richtung Bayern-Bank läuft. Tuscheln hinter mir, murmeln vor mir – schnell ist klar, dass der 36-Jährige gleich eingewechselt wird. In der 71. Minute ist es soweit: Der Franzose kommt für Serge Gnabry ins Spiel – ein lautstarkes "Ribéry" tönt durch das weite Rund der Arena.

Wenige Sekunden später geht es in der Südkurve los: "Oh Franck Ribéry, ooooh Franck Ribéry" höre ich die Ultras singen, die währenddessen im Takt hüpfen und sich die Arme um die Schultern legen. "Sonnenschein, Regen, Wind, ganz egal, ja wir sind so froh, wenn wir dich spielen sehen – ooooh Franck Ribéry". Natürlich hat der französische Heißsporn nach zwölf Jahren in München sein eigenes Fanlied, denke ich mir.

Klassiker zu Ehren Franck Ribérys

Die Anhänger singen es auf die Melodie des - wie sollte es auch anders sein - französischen Klassikers "Les Champs-Elysées" von 1969. Ebenjene Melodie, die erklingt, wenn Ribéry in der Allianz Arena ein Tor erzielt.

Die Südkurve beim Spiel des FC Bayern gegen Hannover 96.
Die Südkurve beim Spiel des FC Bayern gegen Hannover 96. © imago/Michael Weber

Minutenlang singt die "Süd", zu keiner Zeit wird der Gesang leiser – es ist, als hätten die Fans geahnt, dass einen Tag später das Ende der Ära Franck Ribéry offiziell bekannt gegeben wird. Mit jedem weiteren "Oh Franck Ribéry" schwappt der Gesang über die Südkurve auf die anderen Blöcke über.

Mancher Bayern-Fan singt, andere summen

Schließlich singen um mich herum beinahe alle mit, nicht ganz textsichere Fans summen immerhin die Melodie. Ein erster Gänsehaut-Moment! Gilt das Münchner Publikum doch sonst immer als recht reserviert. Und auch ich als Bayern-Sympathisant muss gestehen, dass die Allianz Arena nicht die Stimmungs-Kathedrale der Fußballwelt ist.

Adieu, Monsieur! Die Ära Ribéry geht beim FC Bayern zu Ende

Der zweite Emotions-Moment folgt 13 Minuten nach Ribérys Einwechslung: Der Franzose sticht als Joker, sorgt mit seinem Treffer für die Entscheidung. Jubel auf den Rängen, das Ribéry-Lied ertönt erneut in der Südkurve – der Altstar steht vor der Kurve und schlägt sich mit der rechten Hand mehrmals aufs Bayern-Wappen. Wieder Gänsehaut!

Franck Ribéry und der FC Bayern – eine Liebe, die im Juli 2007 begann und wohl nie so wirklich enden wird.

Rekordmeister des deutschen Rekordmeisters: Franck Ribéry.
Rekordmeister des deutschen Rekordmeisters: Franck Ribéry. © firo/Augenklick

Die große Robben-Show beginnt

Doch Ribéry soll nicht der einzige Bayern-Star sein, der gegen Hannover 96 seinen großen Auftritt hat. Es läuft die 86. Minute – und plötzlich geht alles ganz schnell: Auf einmal erhebt sich die gesamte Arena, Beifall von allen Rängen – Arjen Robben steht an der Seitenlinie zur Einwechslung bereit. Der andere Oldie des Rekordmeisters, der 35-Jährige, der nach über fünf Monaten Verletzungspause sein Comeback gibt.

Selbst ich, auf der Gegentribüne und unzählige Meter von Robben entfernt, kann das Grinsen im Gesicht des 35-Jährigen sehen, als er mit Kingsley Coman abklatscht und auf den Rasen sprintet.

Arjen Robben (r.) kann sich bei seiner Einwechslung ein Grinsen nicht verkneifen.
Arjen Robben (r.) kann sich bei seiner Einwechslung ein Grinsen nicht verkneifen. © firo/Augenklick

Die letzten Spielminuten gleichen einer einzigen Robben-Show: Bei jeder Ballberührung gibt es Beifall und Jubel von den Rängen. Jeder Pass, jedes Dribbling und jeder Zweikampf des Niederländers wird gefeiert wie ein Tor. Akustisch untermalt mit dem "Wembley-Lied", das sich um den Triple-Triumph 2013 dreht – mit Robben in der Hauptrolle: "Ich hab geträumt von dir, von unserer Wembley-Nacht, wir ham den Cup gewonnen, den Thron erklommen, der Arjen hat's gemacht."

Freistoß sorgt für Ekstase in Allianz Arena

Dann kommt es zu einer Situation, die ich so noch nie in der Allianz Arena erlebt habe – und die es so wohl auch nur selten gibt: 90. Minute, Freistoß für den FC Bayern aus vielversprechender Position, 17 Meter vor dem gegnerischen Tor. Sofort krallt sich Robben den Ball, er will diesen Freistoß unbedingt schießen. Einwände von anderen Spielern gibt es keine – natürlich nicht. Der Altstar legt sich den Ball zurecht, geht einige Schritte zurück und wartet auf den Schiedsrichterpfiff.

"Wenn er den jetzt reinschießt, flippe ich aus", höre ich einen Zuschauer hinter mir rufen und denke mir: "Ja, wenn Robben diesen Freistoß jetzt über die Mauer in den Winkel zirkelt, herrscht Ausnahmezustand."

Der Pfiff ertönt, Robben läuft an und schießt den Ball in Richtung Torwarteck – deutlich drüber. Raunen von den Rängen, eine Sekunde Enttäuschung, doch gleich darauf tosender Beifall, Gejohle und Anfeuerungsrufe.

Mr. Wembley: Arjen Robben sorgte im Champions-League-Finale 2013 für den entscheidenden Treffer. Es folgte das legendäre Triple.
Mr. Wembley: Arjen Robben sorgte im Champions-League-Finale 2013 für den entscheidenden Treffer. Es folgte das legendäre Triple. © Rauchensteiner/Augenklick

Wenig später ist Schluss – die Bayern gewinnen und sind der siebten Meisterschaft in Folge einen Schritt näher. Mehr Fans als üblich bleiben noch auf ihren Plätzen stehen, klatschen der Mannschaft und den beiden Oldies Beifall.

Und schließlich, als ich die Arena verlasse und wieder auf dem Weg in Richtung U-Bahn bin, denke ich mir, dass es einen solch besonderen Nachmittag wohl lange nicht mehr in Fröttmaning geben wird. Danke, Robbéry!

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