FC Bayern: Alles wird Wut

Vor dem Topspiel in Bremen hat sich viel Energie aufgestaut bei den Profis des Rekordmeisters, negative Energie
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Einer ist gefrustet, die anderen feiern: Michael Rensing während des 2:5 im Hinspiel gegen Werder Bremen in der Allinanz Arena.
dpa Einer ist gefrustet, die anderen feiern: Michael Rensing während des 2:5 im Hinspiel gegen Werder Bremen in der Allinanz Arena.

Vor dem Topspiel in Bremen hat sich viel Energie aufgestaut bei den Profis des Rekordmeisters, negative Energie

MÜNCHEN Gäbe es ein Handbuch für Trainer, etwa mit dem Titel ,Motivieren leicht gemacht’, dürfte unter der Rubrik ,Rückspiele nach derben Hinspielpleiten’ folgender Tipp stehen: Schreiben Sie einfach das Ergebnis dick und fett auf eine Flipchart. Jürgen Klinsmann hat die fortgeschrittene Variante drauf. Vor dem Sonntagsspiel bei Werder Bremen (17 Uhr, AZ-Liveticker) sagte der Bayern-Coach: „Wir haben zwei Möglichkeiten: Das Ergebnis vom 2:5 aus der Hinrunde an die Wand in der Kabine aufhängen oder die aktuelle Tabelle.“

Beides dürfte für das nötige Adrenalin sorgen. Die Vorführung im eigenen Hause, damals zur Wiesnzeit, als man zwischenzeitlich sogar 0:5 zurücklag. Und zweitens Tabellenplatz vier, dazu spottete Franz Beckenbauer: „Der Uefa-Cup winkt wieder.“ Genug Adrenalin also für ein Energiefeld, das Klinsmann und die Mannschaft dringend brauchen. „Wir haben ein bisschen was verbockt in der Bundesliga“, sagte der Coach. Ein bisschen was? Drei Pleiten in vier Rückrundenspielen. Es rumort im Team – trotz des am Ende furiosen 5:0 bei Sporting Lissabon in der Champions League. Reservisten wie van Buyten sind unzufrieden, die zu offensive Ausrichtung Klinsmanns ließ die Mannschaft intervenieren. „Wir waren uns im Mannschaftsrat einig, dass irgendetwas nicht stimmt und haben uns entschieden, defensiver zu spielen“, sagte Miroslav Klose und behauptete: „Der Trainer war in jedem Gespräch dabei.“ Einiges hat sich aufgestaut beim gesamten Team. Das Motto fürs Werder-Spiel: Alles wird Wut.

Michael Rensing:Der Torhüter möchte auch endlich mal wieder zu Null spielen, zuletzt gelang dies in der Liga am 29. November beim 2:0 in Leverkusen. Er sagt: „Wenn wir in der Bundesliga genauso konzentriert und vorsichtig spielen würden, hätten wir wohl nicht 30, sondern nur zehn Gegentore bekommen.“

Lucio & Demichelis: Die Innenverteidiger wollen beweisen, dass sie ihren Job nicht verlernt haben und so wie in der Gegentorrekordsaison 2007/08 (nur 21) auftrumpfen können.

Daniel van Buyten:Der Belgier, Franck Ribérys bester Kumpel, saß in Lissabon nur auf der Bank. Er motzte hinterher: „Das nimmt mir die Motivation.“ Sollte er spielen dürfen, wird er Klinsmann zeigen wollen, dass er in die Stammelf gehört.

Philipp Lahm: Er war es, der vor Rückrundenstart behauptet hatte, die Bayern könnten sich nur selbst schlagen – was drei Mal passiert ist. Für einen Perfektionisten wie ihn ein Graus.

Massimo Oddo & Christian Lell:In der Rückrunde teilten sie sich bisher den Job auf rechts. Doch Experten wie Fans schwärmen von der linken Achse Lahm/Ribéry. Das muss mächtig wurmen.

Bastian Schweinsteiger: Für ihn gilt im Grunde dasselbe: Die Linke wird über die Maßen gelobt, rechts wird links liegen gelassen.

Mark van Bommel:Der Kapitän weiß zwar momentan damit umzugehen, aber dass er enttäuscht darüber ist, lediglich einen neuen Einjahresvertrag vorgelegt bekommen zu haben, daraus machte er nie einen Hehl.

Zé Roberto:Dem Brasilianer hat es richtig Spaß gemacht, so offensiv wie nie zuvor – schon gar nicht unter Ottmar Hitzfeld – agieren zu dürfen. Nun spielt er defensiver, aber auch in Zweikämpfen kann Wut ja hilfreich sein.

Franck Ribéry: Sein Seitenlinien-Tanz mit van Buyten war ein Signal, dass er mit seinem Kumpel leidet – und auch sonst leicht übellaunig ist, am Freitag sagte er: „Die Fragen über einen Wechsel stören mich seit einiger Zeit. Da ist nichts dran. Die Geschichten nehmen mir die Energie.“

Tim Borowski, Hamit Altintop, Andreas Ottl: Sie sind Ersatz, kommen aber über Kurzeinsätze nicht hinaus. Sie bieten sich seit Wochen an – und brennen auf eine Chance.

Luca Toni & Miroslav Klose: Gemeinsam haben sie 18 Tore erzielt – so viele wie der nun verletzte Vedad Ibisevic (Hoffenheim) in der Hinrunde. Beide Torjäger haben Nachholbedarf.

Lukas Podolski: Sein Wechsel zurück nach Köln steht fest. Vorher noch einmal zu zeigen, was für einen Stürmer die Bayern da abgeben, wäre ihm eine Genugtuung.

Landon Donovan, José Sosa, Breno: In Lissabon saß das Trio gefrustet auf der Tribüne– unwahrscheinlich, dass sie demnächst noch mal zum Einsatz kommen. Donovan muss am 8. März ohnehin in die US-Liga zurück.

Patrick Strasser

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