Exklusiv: Jürgen Kohler kritisiert die Rotation beim FC Bayern

Nach den beiden Schnitzern von Jérôme Boateng in Berlin übt Jürgen Kohler Kritik an den permanenten Wechselspielen von Niko Kovac. "Die Positionen müssen sich einspielen", sagt der Ex-Verteidiger.
| Florian Kinast
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"Fußball funktioniert im Kopf", sagt Jürgen Kohler.
dpa/ firo/Augenklick "Fußball funktioniert im Kopf", sagt Jürgen Kohler.

München - Die Entschuldigung folgte noch in der Nacht. "Sorry an die Mannschaft und die Fans", postete Jérôme Boateng wenige Stunden nach Abpfiff auf seinen Social-Media-Kanälen, "das nächste Mal werden wir besser sein und gewinnen." Besser muss vor allem er selbst sein, denn gerade mit seinen beiden Fehlern hatte der Innenverteidiger die beiden Gegentore in Berlin eingeleitet. Ungestüm die Grätsche gegen Salomon Kalou, die zum Elfmeter führte, zu langsam im Sprintduell mit Valentino Lazaro vor dem Treffer zum 0:2.

Spielt Boateng am Dienstag von Anfang an?

Fraglich ist nur, ob Boateng nach seinen Aussetzern vom Freitag am Dienstag in der Champions League gegen Ajax Amsterdam überhaupt von Beginn an spielt. Oder ob Niko Kovac in der zentralen Defensive nicht wieder auf Mats Hummels neben Niklas Süle vertraut.

In den ersten Saisonspielen hat Kovac seine Formationen munter durchgewechselt. Noch nie stand diese Saison in zwei aufeinanderfolgenden Spielen die gleiche Startelf auf dem Platz. "Für mich ist das zu viel Rotation", sagte Ex-Profi Jürgen Kohler am Sonntag zur AZ, "gerade in dieser Phase der Saison wäre es wichtig, dass sich Schlüsselpositionen wie in der Defensive festigen, dass sich die Positionen einspielen."

Doch genau da hakt es im Moment. Selbst in der Defensive stellt Kovac bislang bei jedem Spiel konsequent um. Nur Kimmich spielt immer rechts, ansonsten wird bunt gemischt. Mal Hummels mit Süle, mal Hummels mit Boateng. Mal Boateng mit Süle. Und links hinten neben Alaba und Rafinha auch mal – wie am Dienstag gegen Augsburg – plötzlich Goretzka.

Kohler analysiert das Spiel für die AZ

Als früherer Innenverteidiger weiß der Weltmeister von 1990, wie wichtig die Abstimmung untereinander ist. "Zu Saisonbeginn muss man Sicherheit im gesamten Defensivverbund gewinnen, sich einstimmen mit dem anderen. Man muss sehen, was kann der andere, was mache ich?", sagte Kohler: "Wie reagieren wir, wenn Flanken kommen, wenn der Gegner zentral kommt oder aus spitzem Winkel? Gegen Ende der Saison sind solche Automatismen dann schon da, aber am Anfang dauert das noch."

In den ersten Spielen mochten die Personalrochaden noch funktionieren. Es ging um Spielpraxis einerseits und Belastungssteuerung andererseits. Eine gesunde Mischung zu finden, gerade in den anstrengenden Englischen Wochen die Spieler nicht schon zu überfordern, ihre Kräfte richtig zu dosieren. Ein berechtigter Ansatz, doch schon gegen Augsburg fehlte es auch beim Gegentor sichtlich an der Abstimmung, und auch in Berlin gipfelte das bayerische Durcheinander in der Defensive in den beiden Boateng-Schnitzern.

Ein Beleg auch dafür, dass bei einigen Spielern aufgrund der vielen Rotation gerade die individuelle Sicherheit fehlt. "Fußball funktioniert im Kopf, da hängt vieles auch vom Selbstvertrauen ab", sagt Kohler, "wenn ich Niko einen Rat geben dürfte, würde ich ihm empfehlen, im Defensivverbund eine Formation zu finden, die er über Wochen spielen lässt. Es sei denn, einer wäre verletzt oder sichtlich überspielt, dann muss er einen frischen Spieler bringen. Ansonsten muss die ganze Abwehr nun zu sich finden."

Kovac hat viel ausprobiert in seinen ersten Wochen bei den Bayern, nach den ersten beiden Rückschlägen wäre es nun an der Zeit, die richtigen Lehren zu ziehen. Die Zeit der Experimente sollte vorbei sein.

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