Erste Bayern-Pleite: Plötzlich glaubt Dortmund wieder an die Meisterschaft
Gemach, gemach. Das 1:2 des FC Bayern im bayerisch-schwäbischen Derby gegen den FC Augsburg bedeutete zwar die erste Niederlage in dieser Bundesliga-Saison und die erste Liga-Pleite seit 322 Tagen. Doch der Vorsprung an der Tabellenspitze beträgt noch immer acht Punkte.

Auch wenn Dortmunds Nico Schlotterbeck den Ausrutscher der Münchner im Eisschrank Allianz Arena so bewertete: "Wir freuen uns", sagte der Nationalspieler nach dem 3:0 des BVB bei Union Berlin: "Ich will einfach so lang wie möglich dran bleiben. Wenn es dann irgendwann vier oder fünf Punkte sind, werden sie auch überlegen. Sie kommen auch noch zu uns. Ganz weg sind sie nicht, sie sind ein bisschen enteilt, aber wir wollen einfach dran bleiben."
Bayerns straffes Programm
Dortmund glaubt plötzlich wieder dran, dass der FC Bayern im Meisterkampf strauchelt. Zum direkten Duell in Dortmund kommt es am 28. Februar, zuvor haben es die Münchner in der Liga mit Hamburg, Hoffenheim, Bremen und Frankfurt zu tun. In der Champions League geht es am Mittwoch nach Eindhoven und im Pokal-Viertelfinale am 11. Februar gegen RB Leipzig. Ein straffes Programm. Und das mit einem Kader, der aktuell arg dezimiert ist.

Neben den bereits vor der Partie feststehenden Ausfällen von Josip Stanisic, Konrad Laimer, Sacha Boey und Dayot Upamecano musste Trainer Vincent Kompany gegen Augsburg auch auf Raphael Guerreiro (Zerrung in der Wade) und Serge Gnabry (Magen-Darm-Infekt) verzichten. Zudem bekam Manuel Neuer eine Pause, Jonas Urbig ersetzte den Kapitän zwischen den Pfosten. Alphonso Davies gab nach über zehn Monaten sein Startelf-Comeback - als Rechtsverteidiger. Beide Maßnahmen des Bayern-Trainers fruchteten nicht, besonders Urbig erlebte einen schwachen Tag.
Hiroki Ito (23.) hatte die Münchner zunächst in Führung gebracht, doch Arthur Chaves (75.) und Han-Noah Massengo (81.) drehten die Partie für den FCA, der im Tabellenkeller ein wichtiges Lebenszeichen sendete. Und der unter Trainer Manuel Baum, der eine mutige Taktik wählte, wie verwandelt daherkommt.
Reaktionen auf die Niederlage
"Wir müssen es akzeptieren, es war nicht unverdient. Es war nicht so, als hätte uns Augsburg hergespielt, aber ein Sieg von uns wäre nicht verdient gewesen", sagte Mittelfeldchef Joshua Kimmich, der erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde: "Wir waren nicht ganz so frisch und haben über 90 Minuten nicht ganz ins Spiel gefunden. Hintenraus war Augsburg griffiger. Es war nicht das Toplevel, das wir bringen wollen. Entscheidend ist, wie wir darauf reagieren."
Am Mittwoch will Bayern in Eindhoven Platz zwei in der Königsklasse sichern, danach geht es zum HSV. Zwei Siege - und die ersten kleineren Zweifel dürften wieder verflogen sein. Doch im äußerst anstrengenden Januar fehlt den Münchnern aktuell die Energie, um alle drei Tage gegen Widerstände anzumerken. Die erste Liga-Niederlage seit dem 2:3 gegen den VfL Bochum am 8. März 2025 kam daher nicht ganz überraschend.
Eberls mahnende Worte
"Wir haben es nicht so gut gemacht, wie wir es machen müssen. Da reichen ein paar Prozent in der Bundesliga", sagte Sportvorstand Max Eberl. "Da ist es egal, ob es der BVB oder FCA ist, egal wo in der Tabelle. Du musst jedes Spiel ans Limit gehen, wir müssen an unser Limit gehen, das haben wir heute nicht getan."

Die Augsburger Serienkiller waren hingegen bestens drauf, in die Kabine wurde eine Kiste Bier geliefert. "Der Trainer hat in seiner Ansprache von einem Day to remember (unvergesslichen Tag) gesprochen. Den haben wir auf jeden Fall geschafft", sagte der starke Torhüter Finn Dahmen über die Worte von Coach Baum. Und wieder einmal erwies sich der FCA als unangenehmer Gegner für Bayern: Schon 2014 hatte Augsburg die Bayern-Serie von 53 ungeschlagenen Liga-Spielen in Folge beendet, damals hieß der Trainer Pep Guardiola. Nun war erneut eine Bayern-Serie dran. Es bleibt dabei: Die einzige Mannschaft, die ohne Niederlage durch eine Saison kam, war Bayer Leverkusen 2023/24.

