Er wird der neue Goretzka! FC Bayern kauft seinen eigenen Spieler
Kaderplanung ist im Fußball-Business ein 365-Tage-Geschäft. Weitsicht und Gespür für Talente und sich anbahnende Wechsel sind bei den Verantwortlichen gefragt. Kaderplaner müssen sämtliche Eventualitäten im Auge haben. Vor allem, wenn ein Platz frei wird.
"War Teil seiner ganz bewussten Entscheidung"
Wie im Fall Leon Goretzka. Sein Abschied nach acht Jahren beim FC Bayern ist beschlossene Sache. Ende Juni läuft der Vertrag des 31-Jährigen aus. Seit sich der Mittelfeldspieler kurz vor knapp der Winter-Wechseldeadline trotz des Angebots von Atlético Madrid entschieden hat, nicht vorzeitig zu wechseln und in München zu bleiben, kam er nicht mehr zum Einsatz. DFB-Kapitän Joshua Kimmich (31) und Nationalspieler Aleksandar Pavlović (21) sind als Sechser gesetzt, dahinter lauert Tom Bischof (20) als Alternative auf Einsatzzeiten.
Goretzka muss sich nun strecken und im Training Chefcoach Vincent Kompany anbieten, da auch er es in den WM-Kader von Bundestrainer Julian Nagelsmann schaffen will. Hat er sich verpokert? "Der Trainer und wir alle haben ja gemeinsam mit Leon gesprochen und Leon weiß, dass wir im Mittelfeld einige Spieler haben, dass wir natürlich auch die Jungen zum Spielen bringen wollen – das war Teil auch seiner ganz bewussten Entscheidung", erklärte Bayerns Vorstandsboss Jan-Chrstian Dreesen am Sonntag.

FC Bayern will der Jugend eine Chance geben
Kimmich, Pavlovic, Bischof – drei Top-Spieler für zwei Positionen im zentralen Mittelfeld. Heißt in Kompanys Planungen: einer zu wenig für die kommende Saison. Für Goretzka kassiert Bayern nach Vertragsende keine Ablöse, spart lediglich das Gehalt eines der Top-Verdiener des Kaders ein. Doch richtig Geld in die Hand nehmen? Nein, das ist nicht der Plan von Sportvorstand Max Eberl & Co. Das Motto im Fall der entstehenden Goretzka-Lücke lautet: Gib der Jugend eine Chance!
Ähnlich wie bei Lennart Karl (17) im vergangenen Sommer. Als Kingsley Coman nach zehn Jahren in München Ende August zu Al-Nassr FC in die saudi-arabische Liga verkauft wurde, verzichtete man auf einen kostspieligen Ersatz für die Linksaußenposition. Und setzte mit Talent Karl auf einen Campus-Spieler. Der Plan ging auf, "das hat unserer Kasse gutgetan", freute sich unlängst Vereinspatron Uli Hoeneß.

Aséko-Nkili wechselt zurück zum FC Bayern
Ein Learning, das nun Schule macht. Goretzkas Kaderplatz soll ein Rückkehrer einnehmen, der für Bayerns U19 bereits 22 Pflichtspiele bestritt. Zur neuen Saison wechselt Noel Aséko-Nkili, aktuell an Zweitligist Hannover 96 ausgeliehen, nach AZ-Informationen wieder an die Säbener Straße. Der zentrale Mittelfeldspieler gilt als großes Talent und beweist dies Woche für Woche beim Aufstiegskandidaten.
Als widerstandsfähiger, zweikampfstarker Balldieb, der Dynamik und Passsicherheit mitbringt. In dieser Saison kommt der 20-Jährige, geboren in Berlin, auf drei Tore und vier Vorlagen in 22 Pflichtspielen für Hannover. Im Herbst feierte Aséko-Nkili sein Debüt in der U21-Nationalmannschaft, kam bisher fünfmal zum Einsatz.
Bayern lehnte Angebote für Talent ab
Längst sind zahlreiche Vereine auf ihn aufmerksam geworden. Brighton & Hove Albion, West Ham United, FC Villarreal, Club Brügge, Galatasaray Istanbul sowie mehrere Bundesligisten fragten bereits bei Bayern an – doch FCB-Sportdirektor Christoph Freund lehnte ab. Die Crux an der Leihvereinbarung mit Hannover: Der Zweitligist besitzt eine Kaufoption in Höhe von einer Million Euro nach Leihende am 30. Juni dieses Jahres.
Die wird 96 ziehen, alles andere wäre fahrlässig – schließlich beträgt der Marktwert von Aséko-Nkili bereits sechs Millionen Euro, Tendenz stark steigend. Doch Bayern vereinbarte bei Leihbeginn im Februar 2025 ein Rückkaufrecht für 2,4 Millionen. Heißt: Bayern kauft seinen eigenen Spieler, der 2022 von Hertha BSC aus Berlin an den Campus im Münchner Norden wechselte, sofort zurück – für 1,4 Millionen Euro. Macht dennoch Sinn.
Aséko-Nkili konnte Spielpraxis sammeln, sich weiterentwickeln und wäre bereit für den nächsten Schritt im Starkader der Profimannschaft. Es riecht nach einem guten Deal für alle Seiten.
