Bleibt Kapitän und wird versetzt: Aber Klopp macht FC-Bayern-Star Kimmich eine klare Ansage

Im 115. Länderspiel in eine neue Ära starten – das allein muss man auch erst mal hinbekommen. Obwohl der zweifache Aufbruch nicht auf Joshua Kimmichs Mist gewachsen ist. Obwohl: zum Teil schon. Denn wer kann schon sagen, ob ohne das blamable Sechzehntelfinal-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM diesen Sommer gegen Paraguay Julian Nagelsmann noch Bundestrainer wäre? Mit der Betonung auf "noch". Und damit Jürgen Klopp weiterhin Wunschbundestrainer der meisten Fans hierzulande?
Kimmich bleibt Kapitän der Nationalmannschaft
Nun, es kam, wie es kam. Und für Kimmich kommt es nun, wie es – schon immer – kommen sollte. Er bleibt Kapitän und wird versetzt. Auf seine Lieblingsposition. Von rechts hinten wie bei der WM unter Nagelsmann wieder ins Zentrum. Vom abkippenden Rechtsverteidiger, der bei Ballbesitz in die Mitte rückte, zurück in die Mitte. Das spart Luft und Wege. Mehr Ballbesitz, mehr Macht. Auch mehr Mittel, um das Aufbauspiel zu gestalten?
"Wir sehen ihn als Mittelfeldspieler", stellte der neue Bundestrainer nach den Gesprächen mit seinen Assistenten klar und verdeutlichte die Kürze des Entscheidungsprozesses: "Wir hatten nicht ein Gespräch, in dem wir von ihm als Rechtsverteidiger gesprochen haben." Klare Sache. Feine Sache. Schließlich fühlt sich der 31-Jährige unter Trainer Vincent Kompany beim FC Bayern als Sechser im defensiven Mittelfeld am wohlsten. Ende der ewigen Diskussionen. Schlau von Klopp, gut für Kimmich.

Kimmich hat wohl nur noch eine WM
Der muss bei seinem Neustart liefern. Eine Chance hat er wohl noch, eine WM – 2030. Zuvor die EM 2028. Er will nach dem erneuten WM-Desaster etwas gutmachen. Fünf Turniere in Serie setzte die DFB-Elf in den Sand, allen voran der einst so hochgelobte Jahrgang 1995/96. Im ersten Klopp-Kader sind von der "Generation nix" neben Kimmich nur noch Jonathan Tah und der eben erst aus einer langen Verletzung zurückgekehrte Serge Gnabry dabei. Leon Goretzka? Leroy Sané? DFB-Geschichte.
Kimmich galt stets als prominentestes Gesicht des DFB-Scheiterns bei Turnieren. "Wir werden alles dafür tun, den Menschen wieder Freude zu bereiten", versprach der Kapitän bei RTL/Sky und betonte ganz im Klopp’schen Sinne: "Es soll wieder das Gefühl entstehen, mit der Nationalmannschaft mitzufiebern und sich mit ihr identifizieren zu können. Wir wollen den Menschen einen Grund geben, stolz auf Deutschland zu sein." Gut aufgepasst. Trainer und Kapitän sprechen eine Sprache.
Bayern-Trio schlägt erst zum zweiten Länderspielblock auf
Dennoch steht selbst Kimmich auf dem Prüfstand. Die nächste Generation mit Aleksandar Pavlovic (22) und Tom Bischof (21), den Bayern-Kumpels, ist längst im Windschatten. Das Duo schlägt wie auch Lennart Karl erst zum zweiten Länderspielblock beim DFB auf.
Beim Nations-League-Start gegen die Niederlande am Donnerstag in Amsterdam (20.45 Uhr, RTL) wird an Kimmichs Seite Felix Nmecha (25) vom BVB agieren, die Eineinhalb-Spiele-Entdeckung der WM. "Wir müssen uns auf eine neue Art Fußball einstellen", sagte Klopp, "wir haben taktische Themen, die wir zügig angehen müssen. Ich habe keinen Zweifel, dass er sein Potenzial abruft."

Klopp über Kimmich: "Muss vorneweggehen"
Er erwarte von Kimmich "eine Topleistung – einfach das, was er kann". Auch im physisch so fordernden, weil laufintensiven Umschaltspiel, das Klopp praktizieren lässt. Auch in Sachen Führungsspieler schaut Klopp genau hin. "Natürlich muss ein Spieler mit seiner Erfahrung, in seinem Alter, vorneweggehen", forderte der neue Bundestrainer und machte klar: "Stabilität kommt nur von der Defensive, wie man defensiv arbeitet – und da brauche ich jeden Einzelnen."
Die Bayern-Profis von Kader I dieser vier Länderspiele, also Jonathan Tah, Nathaniel Brown und Jamal Musiala, scheinen gesetzt. Gnabry hat eine Jokerrolle. Unter Klopp herrsche "eine gewisse Anfangseuphorie", so Kimmich. Der Bundestrainer bringe "sehr, sehr viel Energie mit". Nun sei entscheidend, "dass wir unsere Ergebnisse auf die Wiese bringen".