„Ein bisschen Vizekusen“

Bayern kann heuer einfach nicht Meister werden – nicht mal, wenn der Trainer Beckenbauer heißt. Erst die Männer, dann die Frauen, nun die U17. Aber Gerland lobt Jungstar Alaba: „Das wird einer."
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger als Tröster in Aschheim. Er sagte: „Jungs, Kopf hoch! Ihr habt noch eure ganze Karriere vor euch!"
Rauchensteiner/Augenklick Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger als Tröster in Aschheim. Er sagte: „Jungs, Kopf hoch! Ihr habt noch eure ganze Karriere vor euch!"

Bayern kann heuer einfach nicht Meister werden – nicht mal, wenn der Trainer Beckenbauer heißt. Erst die Männer, dann die Frauen, nun die U17. Aber Gerland lobt Jungstar Alaba: „Das wird einer."

ASCHHEIM Christian Nerlinger wusste, was zu tun war. Sofort ging Bayerns neuer Sportdirektor runter auf den Platz. Schließlich waren die Jungs am Boden, kämpften gegen die Tränen an. Verloren hatte die B-Jugend des FC Bayern im Finale um die Deutsche Meisterschaft: 1:3 nach Verlängerung gegen den VfB Stuttgart.

Im Sportpark Aschheim herrschte der pure Frust. Und auch wenn sich Nerlinger alle Mühe gab, helfen konnte er nicht. Ein Klaps für jeden, ein paar tröstende Worte („Jungs, Kopf hoch! Ihr habt noch eure ganze Karriere vor euch"), doch die Traurigkeit überwog.

Denn wieder einmal in dieser Saison hatte es nicht gereicht für den FC Bayern zu einem Titel. Erst die Männer – bezwungen von Ex-Trainer Felix Magath und den Wolfsburgern. Dann die Frauen – im Herzschlagfinale von Turbine Potsdam um ein Tor ausgebremst. Und nun also auch die U17. „Es ist ein bisschen wie Vizekusen“, sagte Nerlinger, „und es ist schade für die Jungs. Aber so sind eben Endspiele, die kann man auch verlieren.“

Der FC Bayern kann heuer einfach nicht Meister werden – nicht mal, wenn der Trainer Beckenbauer heißt.

Beckenbauer: "Sie müssen lernen, mit Niederlagen umzugehen"

Dabei hatte das Team von Stefan Beckenbauer, dem Präsidenten-Sohn, gegen die Schwaben zunächst wie der Sieger ausgesehen – vor 2250 Zuschauern und viel Prominenz. Den Bayern-Vorstand vertraten Uli Hoeneß und Karl Hopfner, begleitet wurden sie von Berater Paul Breitner sowie Nerlinger und Gerland. Ebenfalls vor Ort war Jens Jeremies, der Champions League-Sieger von 2001 – und auch Löwen-Sportdirektor Miki Stevic. Sie alle – Stevic vielleicht ausgenommen – freuten sich, als Cüneyt Köz die Führung für den FC Bayern markierte (6.). Danach allerdings wurde Stuttgart immer stärker. Pascal Breier glückte der Ausgleich (32.). So stand es auch nach 80 Minuten. Es ging in die Verlängerung, in der die Stuttgarter durch Treffer von Manuel Janzer (90.) und Breier (96.) den Titel klar machten.

Vor allem Bayerns Jungstar David Alaba war enttäuscht. Minutenlang saß der Mittelfeldspieler mit österreichischem Pass regungslos auf dem Rasen. Auch das Lob vom neuen Co-Trainer der Profis, Hermann Gerland, konnte ihn nicht aufheitern. „Ich habe ja schon paar Mal erzählt, dass Alaba einer wird“, sagte Bayerns vormaliger Amateurtrainer Gerland. „Er war zwar heute nicht überragend, aber ich habe gesehen, dass er den Sprung zu den Amateuren packen wird. Wie er sich bewegt, wie er den Ball laufen lässt und mit dem Ball läuft, das ist grandios. Das ist ein Spieler, der modernen Fußball spielt." Und dem Jugendcoach Beckenbauer nach dem verlorenen Finale erstmal wieder auf die Beine helfen musste.

„Ich bin von meiner Truppe überhaupt nicht enttäuscht“, sagte der Trainer, „wir haben ein tolles Spiel gemacht. Im Finale will man es besonders gut machen – und genau das kann einen schon hemmen. An guten Tagen verlieren wir so ein Spiel nicht.“

Und so verbuchte der Beckenbauer-Filius die Niederlage als Erfahrung für seine Jungs. „Sie müssen lernen, mit Niederlagen umzugehen. Es gibt wichtigere Dinge im Leben.“ Dies einem 17-Jährigen klarzumachen, ist allerdings eine schwierige Aufgabe. Und so lobte Beckenbauer jeden einzelnen Spieler: „Wir alle haben ein tolles Jahr gespielt.“

Lediglich 1860-Mann Stevic konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. Als er ging, sagte der Serbe: „Ich hatte ja gehofft, dass unsere Löwen-Mannschaft im Finale steht, aber wir können uns damit trösten, dass wir den jetzigen Meister 4:0 geschlagen haben.“ So kann man sich ein Aus in der Vorrunde auch schön reden.

Reinhard Franke

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren