Die Überbayern - sie schrauben am Triple

Nach der Pokal-Demo, dem 5:1 im Südderby beim VfB Stuttgart, sagte Philipp Lahm: „Wir wissen, was wir können. Wir wissen, was wir wollen.“ Nämlich: Alle Spiele, alle Tore, alle Titel
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Wer hat an der Uhr gedreht? ist es wirklich schon zu spät - für die Konkurrenz? Luca Toni trifft und trifft, Bayern holt das Double. Oder etwa nicht?
ap Wer hat an der Uhr gedreht? ist es wirklich schon zu spät - für die Konkurrenz? Luca Toni trifft und trifft, Bayern holt das Double. Oder etwa nicht?

Nach der Pokal-Demo, dem 5:1 im Südderby beim VfB Stuttgart, sagte Philipp Lahm: „Wir wissen, was wir können. Wir wissen, was wir wollen.“ Nämlich: Alle Spiele, alle Tore, alle Titel

MÜNCHEN Sie ließen sie spielen. Die Stuttgarter den FC Bayern – und die Bayern daher ihre Muskeln. 90 Minuten im Januar, an einem nasskalten grauen Abend in Stuttgart brachten eine Erkenntnis: Die Bayern haben Spaß bei der Arbeit, sie machen Spaß.

Das 5:1 in Stuttgart war zudem ein Akt der Höflichkeit, hätte es eine Extra-Prämie für ein zweistelliges Ergebnis gegeben, dann hätten sie eben zweistellig gewonnen. Was andere Wettkampf nennen, ist für sie eine öffentliche Trainingseinheit vor 55000 Zuschauern. Die nationale Konkurrenz war via TV dabei. Sie wissen jetzt alle: Es ist zwecklos. „Man muss immer zur richtigen Zeit ein Zeichen setzen, das hat Bayern heute gemacht“´, stellte Ottmar Hitzfeld, der ehemalige, höchst erfolgreiche Zeichensetzer des Vereins, nüchtern fest.

Das war’s dann. Das Double können sie wohl nur noch selbst verjubeln. Verjuxen eben – aus (französischem) Übermut, Nachlässigkeit oder Langeweile. Drei Übel, die den FC Bayern bedrohen. Bei anderen Vereinen, siehe dem VfB Stuttgart, sind es Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Die Bayern sind immun, das bestätigt Philipp Lahm, neues Sprachrohr der Mir-san-Mir-Mentalität. „Wir werden nicht überheblich. Das passiert uns nicht“, sagte Lahm der AZ, „wir wissen, was wir können. Wir wissen, was wir wollen.“

Alle Spiele, alle Tore, alle Titel – sie sind die Überbayern. Wehe, man reizt sie – wie die Stuttgarter mit dem 2:2 im Dezember in der Liga. Luca Toni betonte: „Wir haben nun gezeigt, wie ernst wir es meinen." Und Bastian Schweinsteiger sagte: „Wir können noch besser spielen.“ Ja, freilich. Müssen sie natürlich auch gegen Gegner wie Hoffenheim, Leverkusen oder am Freitag (20.30 Uhr, AZ-Liveticker) zum Rückrundenstart beim Hamburger SV.

Am Dienstagabend wurde mehr erreicht als nur das Pokal-Viertelfinale. Die Gegner sind vor-k.o., mental ausgeschaltet. „Beim Gegner spielt sich vieles im Kopf ab“, sagte Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, „und dieses Spiel war ein Zeichen. Jeder überlegt sich nun genau, wie er gegen uns bestehen kann.“ Oder das Spiel überstehen, möglich unblamabel. VfB-Trainer Markus Babbel gestand nach Abpfiff: „Ich war froh, als das Spiel vorbei war.“ Schon zur Pause hätte er ein weißes Handtuch als Zeichen des freiwilligen Rückzugs werfen können. Damit die Demütigung nicht ständig präsent war, verzichtete man seitens der schwäbischen Stadionregie in der zweiten Halbzeit auf die Einblendung des aktuellen Zwischenstands.

„Die Bundesliga-Konkurrenz weiß jetzt, dass wir einiges vorhaben in den nächsten Monaten“, sagte Klinsmann. Da kann es nur um die Champions League gehen. Um das, was wirklich zählt. Das Double als Grundlage, den Pott der Pötte als echtes Ziel. „Da werden sie richtig gefordert, das ist der Maßstab“, sagte Lothar Matthäus, der Ex-Kapitän. „Wie die Bayern jetzt schon drauf sind, das ist grandios, da kann sie in Deutschland keiner stoppen. Da stehen sie über allen“, meinte Andreas Brehme. „Bayern wird Meister – mit Abstand. Sie sind einfach zu stark besetzt“, meinte Oliver Kahn, „sie können sich nur selbst gefährden, wenn sie Fehler machen.“ Siehe die drei großen Übel.

Die drei großen Pokale wollen sie gewinnen, das Triple. Das ist in einer Saison noch keinem Trainer gelungen, nicht Dettmar Cramer, weder Udo Lattek noch Ottmar Hitzfeld. Dann hätte Klinsmann in seinem Premieren-Jahr als Chefcoach nicht nur ein Zeichen gesetzt, sondern sich selbst gleich noch ein Denkmal.

Patrick Strasser

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